Monica Durans Betrieb in Susten (VS) liegt in einer der schönsten Heckenlandschaften der Schweiz. Entstanden sind die Hecken auf den Murgangablagerungen des Illgrabens. Von den daraus entstandenen Wiesen sammelten die Bauernfamilien in früheren Zeiten die Steine ein und schichteten sie am Parzellenrand auf, wo nach und nach Sträucher und Bäume herauswuchsen. Erleben lässt sich diese Kulturlandschaft am besten mit regionalen Spezialitäten – und zwar in der Besenbeiz von Monica Duran.
Mit Mund-zu-Mund-Propaganda zum Erfolg
«Vor zehn Jahren startete das PRE Espace Leuk mit dem Ziel, Regionalprodukte zu fördern», erzählt Monica Duran. Darin sah sie eine Chance und baute 2016 eine Besenbeiz. Sie besteht aus einem grosszügigen Ausschankraum für 50 Personen und aus zwei Festzelten, die Platz für je 20 Personen bieten. «Eine richtige Eröffnungsfeier hatten wir nicht», erzählt Duran. Noch bevor die letzten baulichen Details erledigt waren, schenkte die Familie ihrem Onkel zum 60. Geburtstag einen Helikopterflug von seinem Wohnort im Kanton Solothurn zum Durannu-Hof, wo gefeiert wurde.

«Das war ein grandioser Auftakt. Werbung musste ich danach nie schalten», erinnert sich Duran. Die Mund-zu-Mund-Propaganda reichte völlig aus – das liegt nicht nur am Ambiente, sondern auch an der feinen Küche, wo Raclette nicht fehlen darf. Aber Monica steht nicht nur am Racletteofen, sondern auch am Grill und ist für das Fleisch zuständig. Auch die Saucen sind ihre Abteilung. Ihre Mutter Claudia bereitet die Beilagen und Salate zu. Für das Dessertbuffet schwingen beide den Kochlöffel.

Woche für Woche finden Jahrgängertreffen, Familienfeste, Erstkommunionfeiern oder Firmenanlässe statt. «Bis vor zwei Jahren waren wir nur an drei Wochenenden im Jahr nicht ausgebucht», sagt Monica Duran. Das sei doch etwas viel gewesen, sodass sie heute nicht mehr alle Anfragen annehmen kann. «Der 38-ha-Betrieb und Schafe und Mutterkühe sind ja auch noch da», sagt sie.
Betriebsspiegel Durannuhof
Name: Monica Duran
Ort: Susten VS
LN: 38 ha
Mutterkühe: 60 (gross und klein)
Schafe: 270 (gross und klein)
Betriebszweig: Besenbeiz und Agrotourismus
Von Null auf Hundert
Also mit der Besenbeiz ging es «von Null auf 100». Aber eigentlich ist nach diesem Motto der ganze Betrieb entstanden. «Mein Vater Sénén kam als Gastarbeiter aus Spanien nach Leukerbad. Da war er noch nicht mal 18 Jahre alt», erzählt Monica Duran. Dort lernte er ihre Mutter Claudia kennen.
Sénén Duran half Monicas Grossonkel mütterlicherseits bei seinen Kühen und Schafen. Dieser schenkte ihm ein WAS-Schaf – daraus entstand nach und nach eine Herde mit heute ca. 270 Schafen (gross und klein), die mit den Suffolk, Charollais und Berrichon du Cher eingekreuzt sind. Auch einige «Wuschlera» hat es darunter, entstanden aus der Kreuzung mit Schwarznasenschafen.

2008 kamen Mutterkühe dazu. Angefangen mit zwei Dexter und Eringer-Kreuzungen, die Vater Sénén im Lötschental kaufte. «Heute sind es rund 60 Mutterkühe (gross und klein) eingekreuzt mit Galloway, Aubrac, Charollais und Limousin. Dazu gehören aber auch einige reine Eringerkühe und -stiere», sagt Monica Duran. Parallel zum Tierbestand konnte sie Land dazu pachten und kaufen.
2011 übernahm Monica Duran den Betrieb. Zuerst war sie beim Vater angestellt, dann gründeten sie eine Betriebsgemeinschaft und bei der Pensionierung ihres Vaters wurde sie alleinige Betriebsleiterin. «Ich hatte früher nie etwas mit der Landwirtschaft am Hut und machte zuerst die KV-Lehre», gibt Duran zu. Aber durch ihren Vater und Grossonkel lernte sie die Landwirtschaft schätzen.

Jahrhunderte alte Bewässerung
Daneben engagierte sie sich im Oberwalliser Zuchtverband des Weissen Alpenschafes (WAS), Oberwalliser Bauernverband und arbeitete als ÖLN-Kontrolleurin. «Jetzt bin ich ‹nur noch› Verwaltungsratspräsidentin der Landi Oberwallis AG und seit 2024 Präsidentin der Wässerwasser-Geteilschaft Leukergrund-Agarn», sagt Monika Duran.
«Eine Geteilschaft regelt die gemeinsame Nutzung des Suonen-Bewässerungswassers oder der Alpweiden und ist ein ähnliches Gebilde wie eine Genossenschaft», erklärt sie.
«Wir müssen hier wie in alten Zeiten mit den Suonen bewässern, da die Heckenlandschaft zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler zählt», so Duran weiter. Im Sommer ist sie nonstop unterwegs, um Wasserbleche in die Suone zu schlagen, sodass sich dort das Wasser staut und die Wiesen flutet.

Ihr Bewässerungswasser stammt von der Ill-Suone. Dann gibt es im Leukergrund die Meretschi- und Alte-Leuker-Suone, die bis vor zwei Jahren von drei Geteilschaften verwaltet wurden. 2024 fusionierten sie zur Wässerwasser-Geteilschaft Leukergrund-Agarn, mit Duran als Präsidentin.
Abgesehen von dem riesigen Arbeitsaufwand, sei die Suonenbewässerung nicht die effizienteste Art zu bewässern, sagt Monica Duran. Mit der fusionierten Geteilschaft wollen sie das ändern, sodass sie auch mit Sprinkler gezielt bewässern können. Das Vorprojekt steht. «Jetzt hoffen wir, dass Bund und Kanton das Projekt bewilligen», sagt sie.
Alpwirtschaft auf dem Gemmipass
Hat Monica Duran zwischen Gastwirtschaft, Heuen und Wässern eine freie Minute, geht sie auf die Alp Preonnaz ins Evolènertal, wo ihre Mutterkühe sömmern. Oder auf die Gemmi. Dort verbringen ihre Schafe mit rund 600 anderen den Sommer. Mit dem Wolf hätten sie noch nie Probleme gehabt, sagt Monica Duran und klopft auf Holz. Zu schaffen machen den Schäfern jedoch Touristen, die ihren Hund nicht an der Leine führen.
«Überall stehen Schilder. Aber manch einer ist überzeugt, einen braven Hund zu haben», erzählt Monica – was sich meistens als Irrtum herausstelle. Die freilaufenden Hunde packen jeweils ein Schaf oder hetzen es in den eiskalten Daubensee. Die Übeltäter melden sich meistens nicht selbst, sondern Wanderer informieren den Hirten bzw. machen Handyaufnahmen. Dem Hundehalter droht dann eine Anzeige.

