Eigentlich war der Richtpreis von der Branchenorganisation Milch (BOM) bis Ende Jahr auf 78 Rappen fixiert worden. Doch nun reagiert der Vorstand auf die ausserordentliche Trockenheit und passt den A-Richtpreis für Molkereimilch für das vierte Quartal 2026 um 4 Rappen nach oben an. Damit liegt er bei 82 Rappen.
Es brauchte ein positives Zeichen
Wie die BOM mitteilt, hätte die massgebende Richtpreisbasis keine Erhöhung des Richtpreises angezeigt. Der Entscheid sei denn auch erst nach «langer und intensiver Diskussion» gefallen. Massgebend sei die Erkenntnis gewesen, dass die Produzenten wegen höherer Kosten aufgrund der Trockenheit in diesem Jahr vor grossen Herausforderungen stehen. Im Fokus der Diskussion habe im Weiteren die Erwartung gestanden, dass die Milchproduktion in den kommenden Monaten wegen Futtermangels, höheren Schlachtzahlen und aussergewöhnlich vielen Aborten gegenüber 2025 zurückgeht. «Ein positives Zeichen der Branche ist deshalb äusserst wichtig», schreibt die BOM.
Vor der Richtpreisverhandlung: Milchbauern fordern rasche Entlastung bei den Mehrkosten
Am Donnerstag, 27. August, verhandelt der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) über die Richtpreise. Zwei Bauernverbände fordern rasche Massnahmen gegen die Zusatzkosten durch Hitze, Trockenheit und Futterknappheit. Die BOM signalisiert Gesprächsbereitschaft, dämpft aber die Erwartungen.Höhere Ausgleichsbeiträge aus dem Fonds
Die Branche sei sich allerdings bewusst, dass die beschlossene Milchpreiserhöhung Risiken im Markt bringe. Dies, weil die Milchpreise im Ausland nach wie vor sehr tief und sowohl die Butter-, als auch die Käse- und Milchpulverlager voll sind. «Zur Abfederung der grösser gewordenen Preisdifferenz nach der Richtpreiserhöhung werden die Preisausgleichsbeiträge aus der Rohstoffverbilligung ebenfalls erhöht», heisst es in der Mitteilung weiter.
Mehrkosten sollen auch Markt und Politik tragen
Die BOM sieht aber auch die Politik in der Pflicht, um die finanziellen Auswirkungen für die Milchproduzenten zu dämpfen. Zumal die Futterbasis der Milchkühe zum überwiegenden Teil aus Raufutter besteht und die Trockenheit die Milchproduktion daher besonders trifft. «Von den gemäss Berechnung der SMP im Durchschnitt rund 12 Rappen höheren Produktionskosten pro kg Milch tragen die Produzenten einen Teil selbst», gibt die Branchenorganisation zu bedenken.
Ein weiterer Teil dieser Mehrkosten werde durch die Richtpreiserhöhung vom Markt abgegolten. «Die Milchbranche erwartet jetzt, dass sich der Bund solidarisch mit den Produzenten auch an den Mehrkosten beteiligt», so die Forderung. Der Bund solle für die kommende Periode der Winterfütterung die Zulage für Verkehrsmilch befristet für ein halbes Jahr um 4 Rappen pro kg Milch erhöhen. Diese erhöhte Zulage sei über einen vom Parlament beschlossenen Nachtragskredit für 2026 zu finanzieren.
Zuschlag auf A-Milch für Klimafonds
Der BOM-Vorstand hat an seiner Sitzung ausserdem beschlossen, ab dem 1. Januar 2027 einen «Klimarappen» einzuführen. Damit übernehme die Branche vorausschauend Verantwortung für die Finanzierung der Klimaleistungen in der Milchproduktion. Konkret wird ein Zuschlag von 1 Rappen auf den A-Richtpreis verrechnet, der zugunsten eines Fonds eingezogen wird. Dieser Fonds wiederum dient dazu, Milchviehbetriebe für ihre Aufwände und Leistungen zum Klimaschutz zu entschädigen.

