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So kam dieser Luzerner Betrieb mit Vollweide und Melkroboter durch den Hitzesommer

Dreimal täglich frische Koppeln, längere Rotationen und Kiwi-Cross-Kühe halfen dem Betrieb in Rain, den Weideanteil trotz Hitze hochzuhalten. Der Betriebsleiter Lukas Bucher spricht von seinen Erfahrungen.

Wenn jemand eine Betriebsstrategie – die ein wenig von den gängigen abweicht – konsequent durchzieht, haben die Aussagen manchmal etwas Missionarisches. Davon ist Lukas Bucher weit entfernt. Er praktiziert mit einer Kiwi-Cross-Milchviehherde konsequent Vollweide und hat einen Melkroboter.

Jeder soll seinen Betrieb nach seinem Gutdünken führen, sagt er. Anecken liege ihm fern. Wie er es macht, zeigt er am 23. September 2026 auf Anfrage von IP Suisse seinen Berufskolleginnen und -kollegen am Produzentenabend zum Thema «Wiesenmilch und Melkroboter» (siehe Kasten).

Vollweide seit 20 Jahren

Unsere Zeitung war bereits vor sieben Jahren, damals gab noch Vater Andreas Auskunft, auf dem Hof Underotige im luzernischen Rain und wollte wissen, ob das wirklich geht: Melkroboter und Vollweide. Ja, sagte Andreas Bucher, und dieselbe Antwort gibt nun auch der 32-jährige Lukas.

Und seitdem gab es durchaus auch herausfordernde Jahre mit langen Nässeperioden und trockenen und heissen Sommermonaten. Vor 20 Jahren haben Buchers auf Vollweide umgestellt. Den Roboter haben sie seit elf Jahren. Das ursprüngliche Konzept von 2015 führt Lukas Bucher noch heute weiter, «mit kleinen Anpassungen», wie er sagt.

Die Kühe bekommen dreimal täglich eine neue Weide, nach dem A‑B‑C‑System. So bleibt die Motivation hoch, herauszugehen, aber auch wieder in den Stall zu kommen. Geregelt ist der Weidetrieb über ein intelligentes Weidetor. Den Sommer 2026 habe man ordentlich überstanden und sei im Vergleich mit Berufskollegen wohl mit einem blauen Auge durchgekommen, bilanziert Lukas Bucher.

«Höher rein und höher raus aus den Weiden» war das Motto, damit der Boden verschlossen blieb und ein wenig geschützt war vor der Sonne. Zudem habe man auf den Flächen Reserve gebildet und die Rotationen seien verlängert worden.

Ein Weidefan: Für Lukas Bucher passt das Vollweidesystem bestens auf seinen arrondierten Betrieb. (Bild: Armin Emmenegger)

Kiwi-Cross passen zum System

Aber natürlich brauchte es mehr Weide und auch Buchers haben weniger Futterreserven für den kommenden Winter. Lukas Bucher wird noch versuchen, Raufutter zuzukaufen für die 60 Kühe. Im Gegensatz zu vielen Berufskollegen musste er die Reserven für den kommenden Winter noch nicht anzapfen.

Und auch er hofft «auf einen guten Herbst». Der Weideanteil sei aber immer hoch geblieben über den Sommer. Während einiger Wochen gab es im Stall morgens wenig Grassilage. Natürlich waren die Hitzewellen auch für ihn zu lang.

Aber auch in nassen Jahren brauche es Anpassungen. Dann werden die Koppeln grösser und die Kühe gehen nicht mehr an derselben Stelle raus aus der Weide, wo sie aufgetrieben wurden. Und Bucher macht regelmässig Übersaaten und hat sich dafür eine Sämaschine angeschafft.

Bei der Weide brauche es Konsequenz. Hat denn die Weide eine Zukunft mit automatisierten Ställen und vielen Wetterextremen? «Definitiv», sagt Bucher entschlossen. Das System passe zu ihm und seinem Betrieb. Auch die Kühe müssten dazu passen. In seinem Fall sind es Kiwi-Cross. Mit der Weidegenetik aus Neuseeland wurde vor 20 Jahren die Braunviehherde eingekreuzt. Die Kühe sind kleiner und rund 150 bis 200 Kilo leichter als die hierzulande bekannten Milchviehrassen.

Bucher schätzt unter anderem ihre Nutzungselastizität. Will heissen, dass sie auch nach einer schwierigen Phase, etwa wegen Hitze oder wie diesen Sommer nach einem durchseuchenden Virus, Wochen später wieder das volle Leistungspotenzial abrufen können. Die ganze Herde war im Sommer krank. Ganz schwere Fälle hatte der Milchproduzent und Schweinezüchter (Deck-/Wartebetrieb im Ring) aber nicht.

Frühreife Kühe fürs saisonale Abkalben

Die Rasse beschreibt er als langlebig, robust, leicht, mit guten Fundamenten und vor allem frühreif. Dies ist wichtig, da Lukas Bucher saisonal abkalben lässt. Die Erstmelken mit bereits zwei Jahren. Die Genetik bezieht er über die Swissgenetics, die Stiere für den Import werden mit ausgewählt von der IG Weidemilch.

Die Abkalbesaison dauert von Ende Januar bis Mitte März. Rund 6500 Kilo Milchleistung sind das Ziel. Dies ohne Kraftfutter, wohlverstanden, und während der Vegetation ausschliesslich mit Gras, wenn das Wetter einigermassen mitspielt.

Bald öffnet das intelligente Weidetor. Dreimal täglich gibt es eine frische Koppel für die Kiwi-Cross-Kühe von Buchers. (Bild: Armin Emmenegger)

Auf den 29 ha LN wird ausschliesslich Futterbau mit Natur- und Kunstwiesen betrieben. Die Parzellen sind arrondiert. «Die Kühe nehmen mir eine teure Mechanisierung ab», sagt Bucher. Mit dem System habe er tiefere Kosten und weniger Arbeit.

Aber natürlich passe es nicht zu jedem Betrieb und zu jedem Betriebsleiter. Und es braucht auch Erfahrung, insbesondere beim Zäunen. Buchers machen dies «nach Gefühl». Vor allem in der Anfangsphase sei es sicher nicht falsch, den Aufwuchs gelegentlich zu messen.

In der Zwischenzeit schleicht sich langsam die Herde an, von den Liegeboxen in Richtung Laufhof. Bald öffnet das Weidetor und es steht eine neue Koppel bereit.

IP-Suisse-Abend: Wiesenmilch und Melkroboter

IP Suisse organisiert auf dem Betrieb von Lukas Bucher, Underotige, Rain LU, einen Produzentenabend zum Thema. Und zwar am 23. September 2026 ab 19.30 Uhr.

Auf dem Programm steht eine Betriebsvorstellung mit Rundgang, ein Fachreferat «Weiden, aber richtig» von Beat Reidy (HAFL), Aktuelles von IP Suisse und ein gemütlicher Austausch mit einer offerierten Verpflegung.

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