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Kantonsübergreifender Arbeitskreis Weide: Mehr aus dem eigenen Gras machen

Weiden ist die Königsdisziplin des Futterbaus und eine der günstigsten Futterquellen. Um dieses Potenzial für die Milch- und Fleischproduktion besser zu nutzen, gründen Grangeneuve und das Inforama einen gemeinsamen Arbeitskreis für Landwirt(innen).

Im hohen Kostenumfeld der Schweizer Landwirtschaft bietet hochwertiges Gras, das von den Tieren direkt auf der Weide aufgenommen wird, ein immenses Potenzial. Doch jede Weidesaison bringt neue Herausforderungen mit sich. Jeden Frühling stellt sich die gleiche Frage: Wird das Jahr trocken, heiss, stürmisch oder nass?

Diese Unwägbarkeiten erfordern schnelle Reaktionen. «Gleichzeitig ist eine weitsichtige Planung unerlässlich, um das Graswachstum, den Tierbedarf, die Bodenverhältnisse und die Wetterbedingungen optimal aufeinander abzustimmen», weiss Martin Zbinden, Dozent und Berater im Bereich Futterbau am Inforama.

Genau hier setzt der neue Arbeitskreis an, den er gemeinsam mit Rebekka Gerber, wissenschaftlicher Mitarbeiterin im Bereich Futterbau am Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve (IAG) im Kanton Freiburg, organisiert.

Nicht nur für Vollweidebetriebe

Der Arbeitskreis richtet sich ausdrücklich nicht nur an Vollweidebetriebe. «Oft liegt das grösste ungenutzte Potenzial nicht in zusätzlichen Hektaren, sondern in einer effizienteren Nutzung des bereits vorhandenen Grases», erklärt Rebekka Gerber.

Deshalb profitieren auch Betriebe mit:

  • Teilweiden
  • begrenzten Weideflächen
  • kurzen Weidezeiten

Wer mehr aus seinen Flächen machen möchte, findet im Arbeitskreis Gleichgesinnte sowie konkrete, praxistaugliche Ansätze für den eigenen Hof.

Präzises Weidemanagement in Grangeneuve

Ein Beispiel für das erfolgreiche Management einer Teilweide ist der Schulbetrieb Grangeneuve selbst. Das Potenzial der vorhandenen Flächen wird dort durch folgende Massnahmen bestmöglich genutzt:

  • konsequente Grasmessungen
  • laufende Rationsberechnungen
  • präzise Weideplanung

Mithilfe einer Excel-Datei verschafft sich der Betrieb einen ständigen Überblick darüber, welche Flächen als Nächstes beweidet oder konserviert (geschnitten) werden müssen.

Gemessen wird die Grashöhe in sogenannten «Klicks» mithilfe eines Pasture-Plate-Meters (mehr Informationen dazu finden sich in AGFF Merkblatt 2). Die wöchentlich gemessene Grashöhe wird als Grafik dargestellt.

Im Beispiel dieser Messgrafik beträgt die ideale Eintriebshöhe des Grases während der Wachstumsspitze 17 Klicks (oberer gelber Balken). Diese ist berechnet nach dem Bedürfnis der Herde als auch der beweidbaren Flächen und wird idealerweise auf eine Austriebshöhe von 7 Klicks (unterer gelber Balken) abgefressen.

Entscheidungshilfe für die Weideplanung: Der gelbe Balken zeigt die angestrebte Eintriebs- und Austriebshöhe des Weidefutters in Klicks. Der farbige Balken gibt die gemessene Grashöhe je Parzelle in Klicks an.(Bild: ZVG Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve)

Diese wöchentlichen Grasmessungen bilden eine wichtige Orientierungs- und Entscheidungshilfe. So wurde in Grangeneuve beispielsweise auf den «Futterberg» im Frühjahr 2025 reagiert: Es gab in kurzer Zeit zu viel Futter, und sobald die Eintriebshöhe von 17 Klicks auf bestimmten Parzellen überschritten wurde, wurden diese Flächen bestenfalls aus der Rotation genommen und stattdessen konserviert.

In der Praxis ist die Umsetzung nicht immer einfach. So wurden die Parzellen Tioleyre 2 und Treyfoliez 3 trotz fortgeschrittenem Aufwuchs weiterhin beweidet, wobei der Weidedruck zeitweise zu gering war. Gleichzeitig wurden zwischen dem 24. April und dem 8. Mai 2025 die Parzellen Tioleyre 1 und Tioleyre 3 aus der Weiderotation genommen und zur Futterkonservierung genutzt. Dadurch konnten der Futterüberschuss gezielt abgebaut und die Weiderotation stabilisiert werden.

Rückblickend konnte Grangeneuve in den letzten 15 Jahren die Produktivität seiner Weiden um rund 25 Prozent steigern. Oder anders ausgedrückt: Für gleich viel produzierte Milch wird mittlerweile ein Viertel weniger Fläche benötigt

Vernetzung über Kantonsgrenzen hinweg

Der Arbeitskreis verbindet Landwirtinnen und Landwirte aus der Grenzregion zwischen Freiburg und Bern – von Murten bis Jaun und von Kallnach bis ins Simmental. Gemeinsam können Fragen und Herausforderungen auf den verschiedenen Betrieben vertieft werden, Erfahrungen ausgetauscht und Lösungen für eine erfolgreiche Weidewirtschaft unter den Bedingungen von heute und morgen erarbeitet werden.

Wer mehr aus seinen Flächen machen möchte, findet im Arbeitskreis konkrete, praxistaugliche Ansätze für den eigenen Hof.(Bild: Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve)

Themen von der Praxis für die Praxis

Das Programm ist nicht starr vorgegeben, die Themen können von den Teilnehmenden selbst bestimmt werden. Einen besonders wichtigen Platz werden der Umgang mit Wetterextremen und die Strategien für resilientere Pflanzenbestände einnehmen.

Weitere mögliche Themenbereiche sind:

  • Grundlagen: Graswachstum, Bodentypen und Saatgutmischungen
  • Weidesysteme & Pflege: Mob Grazing, Luzernebeweidung, Alpweiden und allgemeine Weidepflege
  • Ergänzung & Struktur: Futterhecken, Infrastruktur und Ergänzungsfütterung
  • Betriebswirtschaft: Die wirtschaftlichen Faktoren erfolgreicher Weidesysteme

Rahmenbedingungen auf einen Blick

Organisation: Die Administration und Organisation läuft über Grangeneuve
Dauer: Zeitlich beschränkt auf zwei Jahre (2027–2028)
Frequenz: vier bis sechs Treffen pro Jahr, jeweils zu einem spezifischen Thema
Kosten: Für Landwirt(innen) aus den Kantonen Bern und Freiburg kostenlos


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Möchten Sie Ihr Weidemanagement weiterentwickeln, Kosten senken und mehr Wertschöpfung aus Gras erzielen? Dann melden Sie sich jetzt für den Startanlass an.

Wenn sich genügend Interessent(innen) angemeldet haben, wird ein erstes Treffen im späten Herbst stattfinden. Bei diesem Auftakt werden gemeinsam das genaue Programm und die Themen für die kommende Weidesaison bestimmt. Unter folgendem Link geht es zur Anmeldung.



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