Er ist ein fester Bestandteil jedes Waldökosystems. Der Buchdrucker ist laut der Internetseite von Waldschutz Schweiz (WSS) der wichtigste der über hundert in der Schweiz vorkommenden Borkenkäferarten. Er neigt bei günstigen Bedingungen zu Massenvermehrungen, die zu ausgedehntem Absterben von Bäumen führen können.
Wie sieht die aktuelle Situation aus?
«In einigen Regionen wurde in den letzten Wochen bereits eine deutliche Zunahme des Borkenkäferbefalls beobachtet», bestätigt das Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern (AWN). Insgesamt seien die Bäume deutlich durch die anhaltende Trockenheit und Hitze belastet. Viele Bäume würden auf den Wassermangel mit vorzeitigem Blattabwurf reagieren. Teilweise würden auch einzelne Äste oder ganze Kronenteile absterben.
Auch Benno Schmid, Mediensprecher von Wald Schweiz, dem Verband der Waldeigentümer, beobachtet die Reaktion der Bäume auf die hohen Temperaturen und die lang anhaltende Trockenheit. Man sehe momentan viele Laubbäume, die sich verfärben und ihre Blätter abwerfen, bevor der Herbst so richtig angefangen hat. Es handle sich vor allem um Buchen im Mittelland, sagt Schmid. Bei den Nadelbäumen sei es etwas anders: Diese reagierten erst verzögert auf die Trockenheit. «Da sieht man im Moment noch keine grossen Schäden, nächstes Jahr wird da mehr zu sehen sein.»
Die hohen Temperaturen würden die Entwicklung des Borkenkäfers beschleunigen, erklärt das AWN. Dadurch könne sich eine neue Generation des Buchdruckers bereits nach sieben bis acht Wochen entwickeln, anstatt erst nach zehn bis zwölf. Gleichzeitig seien die Bäume durch den Wassermangel geschwächt und könnten Angriffe schlechter abwehren. Bei extremer Trockenheit könne es allerdings auch vorkommen, dass befallene Bäume austrocknen, bevor die Käfer ihre Entwicklung vollständig abgeschlossen haben.
«Der Befall von stehenden Fichten durch den Buchdrucker nimmt aktuell deutlich zu», hält das AWN weiter fest. Die Kombination aus hohen Temperaturen und durch Trockenheit geschwächten Bäumen schaffe günstige Bedingungen für den Borkenkäfer.
Auch Christian Aeschlimann, Leiter des zweiten Forstkreises Sense im Kanton Freiburg, ist besorgt. Seit Ende August würden sie in der Westschweiz ebenfalls eine deutliche Zunahme der Buchdruckeraktivität beobachten. «Täglich kommen neue Befallsherde hinzu», sagt Aeschlimann. In tieferen Lagen sei insbesondere die zweite Generation weit fortgeschritten, beziehungsweise bereits im Ausflug. «Die Situation kann sich deshalb innerhalb kurzer Zeit stark verändern.»

Was ist zu erwarten?
Das Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern blickt kritisch in die Zukunft: Eine wachsende Buchdruckerpopulation zusammen mit der geschwächten Abwehrkraft der Fichten dürfte dazu führen, dass die Schäden mittel- bis langfristig zunehmen werden. Wie stark diese Entwicklung ausfalle, hänge aber wesentlich vom weiteren Wetterverlauf und dem Erfolg der Bekämpfungsmassnahmen ab.
Grundsätzlich sei es im ganzen Kanton Bern sehr trocken gewesen, hält das AWN fest. Regional gebe es aber Unterschiede: Einige Gebiete, insbesondere in den Alpen, hätten durch Gewitter etwas mehr Niederschlag erhalten. Dort seien die Bäume teilweise weniger stark durch die Trockenheit geschwächt, was sich positiv auf ihre Anfälligkeit für Borkenkäfer auswirken könne. Vor allem aber in tieferen Lagen könne sich eine zusätzliche Generation des Buchdruckerkäfers entwickeln, wodurch die Käferpopulation deutlich zunehmen würde.
Im Kanton Freiburg sei laut Christian Aeschlimann je nach Septemberwärme eine dritte Generation zu erwarten. Dies bedeute, dass aus einem Weibchen über 100 000 neue Käfer entstehen könnten. Entsprechend sei es wichtig, dass frische Befunde möglichst rasch beseitigt werden, damit eine Vermehrung eingedämmt werden könne.
Was sagt das Gesetz?
Gemäss dem AWN wird im Wald zwischen besonders gefährlichen und gefährlichen Schadorganismen unterschieden. Besonders gefährliche Schädlinge, zum Beispiel der asiatische Laubholzbockkäfer, sind in der ganzen Schweiz durch Bundesrecht geregelt und unterliegen einer Melde- und Bekämpfungspflicht.
Der Buchdrucker gehört zu den gefährlichen Schadorganismen. Hier können die Kantone Massnahmen ergreifen, wenn der Befall die Erhaltung des Waldes oder wichtige Waldfunktionen gefährdet. Im Kanton Bern werden insbesondere dort Massnahmen gegen den Buchdrucker angeordnet, wo die Fichte häufig vorkommt und der Wald eine wichtige Schutzfunktion hat.
Im Kanton Bern sind die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer für die Bewirtschaftung ihrer Wälder verantwortlich. Sie sollen ihre Wälder überwachen und einen möglichen Borkenkäferbefall der zuständigen Revierförsterin oder dem zuständigen Revierförster melden. In sogenannten Käferbekämpfungsgebieten könne der Kanton Forstschutzmassnahmen anordnen. Ausserhalb dieser Gebiete empfiehlt der Kanton eine Bekämpfung vor allem dort, wo viele Fichten wachsen oder bereits mehrere Bäume betroffen sind.
Wenn durch den Käferbefall eine wichtige Funktion des Waldes gefährdet ist, kann der Kanton Massnahmen anordnen. Werden diese nicht fristgerecht umgesetzt, kann der Kanton die Arbeiten durch Dritte ausführen lassen und die Kosten der betroffenen Person in Rechnung stellen.
Im Kanton Freiburg bestehen laut Christian Aeschlimann ausgewiesene Gebiete, in denen die Bekämpfung des Buchdruckers finanziell unterstützt wird. Dabei handelt es sich vor allem um Gebiete, in denen davon ausgegangen wird, dass die Fichte mittel- bis langfristig standortgerecht ist und erhalten werden soll.

Was passiert mit dem Käferholz?
Das AWN betont, im Vordergrund stehe, zu verhindern, dass die jungen Buchdrucker ausfliegen und weitere Bäume befallen. Wenn möglich werde das befallene Holz deshalb geerntet, rechtzeitig aus dem Wald abgeführt und verwertet. Sei dies nicht möglich oder nicht sinnvoll, könne das Holz direkt im Bestand entrindet werden. Dadurch soll verhindert werden, dass sich die Käfer unter der Rinde weiterentwickeln und ausfliegen.
Laut Benno Schmid von Wald Schweiz versucht man vermehrt, Käferholz wie normales Holz zu nutzen. Es sei nur optisch beeinträchtigt. «Man kann es gut brauchen, es hat vielleicht einfach einen leichten Blaustich drin», sagt der Fachmann. Wenn ein Stamm im Innern stark befallen sei, werde er zu Schnitzeln verarbeitet.
Im Kanton Freiburg sei der Absatz momentan noch gut, berichtet Christian Aeschlimann. Es gebe im Kanton zwei grössere Sägewerke, die beträchtliche Holzmengen aufnehmen könnten. «Mit der sich abzeichnenden grösseren Menge an Käferholz dürfte das Angebot nun jedoch deutlich steigen. Dadurch kann Druck auf die Holzpreise entstehen», schätzt Aeschlimann. Wie stark dieser Effekt ausfalle, hänge davon ab, welche Holzmengen in den kommenden Wochen tatsächlich auf den Markt gelangten.
Worauf müssen Waldbesitzer und Waldbesucher jetzt achten?
Das AWN empfiehlt, die Wälder regelmässig auf frischen Borkenkäferbefall zu kontrollieren. Hinweise könnten beispielsweise braunes Bohrmehl in den Rindenschuppen oder am Stammfuss, Harzfluss am Stamm oder sich verfärbende Kronen sein. Bei einem möglichen Befall soll die zuständige Revierförsterin oder der zuständige Revierförster informiert werden.
Christian Aeschlimann betont, dass jetzt nicht nur Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer aufmerksam sein müssen. Auch Erholungssuchende und Betreiber von Erholungsinfrastrukturen im Wald sollen die Trockenheit ernst nehmen. Durch die Trockenheit können Äste bereits an noch grünen Bäumen abbrechen. Gleichzeitig befindet sich vermehrt abgestorbenes Holz in den Baumkronen. Herabfallende Äste oder Kronenteile können Wege und Infrastrukturen treffen und Menschen gefährden oder verletzen.
Entlang stark frequentierter Wege und bei Erholungsanlagen ist deshalb besondere Aufmerksamkeit erforderlich.

