Schweizer Holz ist als nachwachsender Rohstoff sehr begehrt. Die Nachfrage nach Holz ist ungebrochen, zumal Holz immer mehr auch zum Bau von Hochhäusern gebraucht wird. Allerdings stammt nur ein Drittel des Industrieholzes aktuell aus heimischer Produktion, der Rest wird importiert.
In Zukunft sollen eine Million Kubikmeter mehr Holz aus den Schweizer Wäldern gewonnen werden. Der Vorrat wäre da, für den Wald sei das kein Problem, hiess es beim «Journalistischen Wald-Training» in Steffisburg BE, zu dem der Verband der Berner Waldbesitzer (BWB) eingeladen hatte. Auch betreffend die Nachhaltigkeit und das Nachwachsen des Holzes würde die eine Million Kubikmeter keine negativen Auswirkungen haben. Doch mehr Holzen im Wald sei ein Politikum und fast nicht umsetzbar.

Das Wissen über den Wald vertiefen
Aus Sicht der Waldbesitzer sind die Holzpreise zu tief, darum werde nicht eine grössere Menge geschlagen. Müsste man noch ein Forstunternehmen engagieren, ginge die Rechnung teilweise nicht mehr auf, hiess es beim «Wald-Training». Dieser Anlass ermöglichte es den Gästen, nicht nur ihr Wald-Wissen zu vertiefen, sondern auch über die Herausforderungen und das Spannungsfeld zwischen Öffentlichkeit und Waldeigentümern zu sprechen.
Ein grosses Thema waren die klimatischen Herausforderungen, die der Wald stemmen muss. Welche Baumarten können sich in Zukunft behaupten, welche nicht? «Hier eine sichere Empfehlung abzugeben, ist sehr schwierig», sagt Beat Zaugg, Präsident der Berner Waldbesitzer.
Sicher keine Monokulturen
Sicher leide aktuell die Buche unter der Trockenheit. Die Fichte komme mit dieser Herausforderung besser zurecht. «Es nützt nichts, wenn man in Zukunft Bäume pflanzt, welche der Markt auch nicht benötigen kann», so Beat Zaugg. Egal ob es eine Fichte, Buche, Eiche oder Esche sein werde, man pflanze heute Bäume, von denen erst die nächsten Generationen profitieren können.
Monokulturen, etwa reine Fichtenbestände, seien aber in Zukunft zu wenig stabil. Eher gefragt seien Mischwälder. «Nadelhölzer haben die höhere Wertschöpfung als andere Hölzer. Auch die Esche ist eine dienliche Baumart mit guter Verarbeitung», sagte Zaugg.

Der technische Fortschritt in der Waldnutzung, die Rentabilität und die Anforderungen der Gesellschaft an den Wald werden in Zukunft zur grossen Herausforderung: «Der Einsatz von grossen Maschinen im Wald erzeugt bei vielen Spaziergängern Stirnrunzeln», sagte Anja Leser, Geschäftsführerin BWB. Würde man aber die Wälder nicht mehr bewirtschaften, wäre das nicht nur für die Biodiversität nicht förderlich. Auch der Wald würde überaltern und gefährlich werden für die vielen Erholungssuchenden, die sich tagtäglich im Wald treffen.
«Ziel mit der Bewirtschaftung ist, dass wir nicht einen gesunden Wald fördern, sondern auch, dass der Holzschlag rentabel bleibt», so Leser. Dazu gehören auch die Forstmaschinen, wie der Harvester, mit grosser Schlagkraft. «Sehen die Waldspaziergänger diese Maschinen, haben sie vielfach das Gefühl, wir zerstören den Wald», so Leser.
Es kontrolliert niemand
Immer wieder haben die Waldbesitzer mit illegalen Bikerouten oder Feuerstellen in ihrem Wald zu kämpfen. «Das Anlegen von illegalen Mountainbikerouten im Wald zieht rechtliche Konsequenzen nach sich», hielt Förster Christian Gerber fest. So gelte das Errichten von Schanzen, Steilwandkurven oder das Ausheben von Erde als illegale bauliche Anlage und Sachbeschädigung.
Es würden Anzeigen wegen Verstössen gegen das Bau- und Waldgesetz drohen. «Leider kontrolliert hier niemand», beklagte Gerber. Würden für eine illegale Piste nur schon Eisenstangen verwendet, gelte das Gebilde als «Werk». «Das heisst: Bei einem Werk haftet der Waldeigentümer und nicht der Biker, wenn etwas passieren sollte», erklärte der Förster. Er appellierte an die Waldbesitzer, immer zuerst die Haftungsfrage abzuklären, bevor das Einverständnis dazu gegeben werde.

Alle dürfen den Wald betreten – mit Einschränkungen
Doch in der Schweiz gilt das freie Betretungsrecht für alle im Wald. Dazu kommt, dass die Kantone verpflichtet sind, die Zugänglichkeit so zu regeln, dass der Wald und seine wichtigen Funktionen erhalten bleiben.
Einschränkungen im Betretungsrecht gelten zum Beispiel für Waldreservate und Wildruhezonen. «Früher beachteten die Spaziergänger die Absperrungen beim Holzen. Heute werden diese jedoch von vielen einfach missachtet», beobachtet Förster Christian Geber immer wieder. Man laufe, trotz Absperrungen und Schildern, einfach weiter die Strasse entlang, als gehöre sie einem privat. «Heute ist es üblich, dass wir zu den Absperrungen auch Personal hinstellen müssen, damit nichts passiert. Das ist nicht nur mühsam, sondern macht den Holzschlag insgesamt auch teurer», ist Gerber überzeugt.

