Hans Peter Rüedi bewirtschaftet in Gächlingen im Klettgau SH einen 45 ha grossen Ackerbau-Betrieb. Er setzt seit fünf Jahren auf sogenannte Effektive Mikroorganismen EM. Sein Ziel ist es, das Bodenleben zu fördern, Humus aufzubauen und den Pflanzen eine vielfältige Nahrung bereitzustellen.
Landwirt Hans Peter Rüedi ist überzeugt, dass Effektive Mikroorganismen den Boden aufbauen
Obwohl der Landwirt keine Tiere hält, ist er über die Tierhaltung auf EM gekommen. Bei einem befreundeten Schweinehalter war ihm aufgefallen, dass die Geruchsemissionen aus dem Schweinestall stark zurückgegangen waren. Der Halter führte dies auf den Einsatz von EM zurück. Rüedi fragte nach. Als er erfuhr, dass diese sogenannten Effektiven Mikroorganismen auch im Pflanzenbau Verwendung finden, war sein Interesse geweckt. Effektive Mikroorganismen können die Bodenfruchtbarkeit positiv beeinflussen, indem sie die im Boden vorhandene Mikroorganismen-Flora unterstützen.
Gemäss der Lehre des japanischen Professors Terua Higa, Erfinder der EM, gibt es drei Gruppen von Mikroorganismen MO: aufbauende, abbauende und neutrale MO.
Aufbauende Mikroorganismen machen die Nährstoffe im Boden pflanzenverfügbar. Die abbauenden MO führen zu Fäulnis.
Die grösste Gruppe bilden die neutralen MO. EM unterstützen die im Boden vorhandenen aufbauenden MO mit der Folge, dass sich die neutralen MO den positiven Organismen anschliessen und die aufbauenden Vorgänge ebenfalls fördern. Die aufbauenden MO bekommen die Oberhand. Sie sind dominant, weswegen man von Dominanzprinzip spricht.
Die Kombination von Gründüngung und Effektiven Mikroorganismen wirkt
Viel Wert legt Rüedi bei seinen Feldern auf Gründüngung. Sie dient als Schutz des Bodens und der Bodenlebewesen vor der prallen Sonne. Gründüngung beugt ausserdem der Erosion vor. Beim oberflächlichen Einarbeiten der Gründüngung spritzt Rüedi die Effektiven Mikroorganismen über den Boden, um die aufbauenden MO zu unterstützen.
Der Landwirt beobachtete, dass auf einem Feld mit EM der Schnee etwa vier Tage früher schmolz als auf dem Feld des Nachbarn. Dieser hatte dieselbe Kultur zur selben Zeit angepflanzt, aber weder Gründüngung noch EM verwendet.
Rüedi führt das frühere Schmelzen darauf zurück, dass es im Feld mit EM mehr aktives Bodenleben gibt und deshalb die Bodentemperatur leicht erhöht ist. «Die Gründüngung wirkt wie eine Photovoltaikanlage», schwärmt Rüedi. Die Assimilate dienen den Boden-Mikroorganismen als Energiequelle.
Rüedi verwendet Mischungen mit bis zu 16 verschiedenen Pflanzen. Sie sollen sowohl tief als auch flach wurzeln und den Boden schnell bedecken. «Die EM dienen als Rottelenker», erklärt der Landwirt. Das eingearbeitete Material soll verrotten statt faulen. Auch auf abgeernteten Maisfeldern fräst er die Untersaat-Mischung unter Zugabe von Rottelenkern ein.
Eine Zwischen-Begrünung, die nicht fault und keine einzige Schnecke anzieht
Eine andere Erfahrung machte Hans Peter Rüedi mit dem Ausbringen von EM bei der Raps-Ansaat. Anstatt einer Brache zwischen Gerste und Raps legte er eine Zwischen-Begrünung an. Dabei besteht die Gefahr, dass Pflanzenreste faulen und sich Schnecken darüber hermachen. «Ich brauchte jedoch kein einziges Schneckenkorn», hält der Landwirt fest. Ausserdem war dank der MO-Tätigkeit gleich Nahrung für den keimenden Raps vorhanden. «Ich hatte noch nie ein so krümeliges Saatbett wie in diesem Jahr», sagt Rüedi. «Das lässt sich nicht mit Pferdestärken machen», ist er überzeugt. Die Krümel sind nicht kantig wie bei der Bodenbearbeitung, sondern rund.
Der Landwirt führt dies auf die verstärkte Tätigkeit der MO und die Gründüngung zurück. «Die MO brauchen Futter, es spielt alles zusammen», erklärt er.
Dass es auf diese Art zu mehr Ertrag kommt, ist anzunehmen. Aber, dass es dazu kommt, lässt sich nicht einfach beweisen, da der Ertrag vor allem vom Wetter abhängt. Der Landwirt hat ausserdem festgestellt, dass weniger Pflanzenschutzmittel notwendig sind. Er ist überzeugt, dass die Pflanzen dank EM widerstandsfähiger werden.
Als Ackerbauer ohne Tierhaltung muss Rüedi die EM direkt in das Feld einbringen. Wer Wiederkäuer hält, kann die EM schon ins Silofutter mischen und schlägt dann – nach Ansicht der EM-Vertreter – gleich mehrere Fliegen auf einen Schlag. Der Zucker in der Silage wird schneller zu konservierender Milchsäure abgebaut, die Tiere bleiben gesünder. Mist und Gülle verrotten besser und die Nährstoffe werden im Boden besser für die Pflanzen verfügbar.
Um die Pflanzen zu stärken, setzt Rüedi ausserdem Komposttee ein, den er aus Wurmerde gewinnt. Er brauche deutlich weniger Chemie, um seine Pflanzen zu schützen. Rüedi bewirtschaftet seine Felder konventionell. Angeregt durch die guten Erfahrungen mit EM überlegt er sich, ob er in Zukunft seine Felder biologisch bewirtschaften soll.
Ob und wie sich der Einsatz der Mikroorganismen auswirkt, muss jeder Landwirt ausprobieren
Die Tätigkeit der MO ist immer vom Boden und den örtlichen Bedingungen abhängig. Hans Peter Rüedi rät deswegen, die Wirkung der EM auf einer kleinen Parzelle auszuprobieren. So kann der Landwirt herausfinden, ob und wie sich der Einsatz von EM auf seinen Feldern auswirkt.
Es soll organische Substanz vorhanden sein, der Boden soll feucht und bedeckt sein. Rüedis oberstes Ziel ist es, den Humusgehalt im Boden dank der verstärkten Tätigkeit der MO zu erhöhen.
Der Landwirt setzt seit fünf Jahren MO ein – sichere Aussagen kann er nicht machen. Nach seiner Auffassung wird es immer wichtiger, dass MO die Nährstoffe aus organischer Substanz für die Pflanzen verfügbar machen. Mineraldünger bieten zwar auch Nährstoffe für die Pflanzen, aber in anderer Form.
Humus und MO führen dazu, dass die Nahrung für die Pflanzen vielfältiger wird, als es bei der Düngung mit Mineraldünger der Fall ist. «Die Pflanzen werden widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen und Pilzen», ist der Landwirt überzeugt. Deshalb braucht Rüedi weniger Pflanzenschutzmittel und weniger bodenverdichtende Überfahrten.