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Zwischen Maisnot und Tränkermangel: Die Munimast gerät in die Zange

Trockenheit lässt den Maisertrag um bis zu 70 Prozent einbrechen, gleichzeitig schrumpft der Kuhbestand – Corsin Willi von Meliofeed erklärt, warum Mäster jetzt auf Bestandesregulierung statt teuren Zukauf setzen sollten.

Während Trockenheit und das neu aufgetauchte Orthobunyavirus die Milchproduzenten seit Wochen in Atem halten, spielt sich still und leise eine zweite Krise ab – in den Munimastbetrieben des Landes. Ein Besuch bei Christian Glur in Glashütten, einem Weiler der Gemeinde Murgenthal AG, zeigt: Noch stehen dort schöne, gut ausgemästete Munis im Stall.

Die Qualität des Futterjahrs 2025 trägt die Betriebe. Doch was passiert, wenn diese Reserve aufgebraucht ist? Corsin Willi von der Meliofeed AG ordnet die Lage ein – und sie ist ernster, als es der volle Stall in Glashütten vermuten lässt.

Der Mais fehlt – und niemand weiss, wie stark

«Die Ertragsschätzung liegt bei 30 bis 80 Prozent des Mehrjahresschnitts», sagt Corsin Willi. «Nicht nur regional, sondern auch lokal gibt es extrem grosse Unterschiede – wegen Bodenbeschaffenheit, Saatzeitpunkt, Bodenbearbeitung, Düngung und vor allem den fehlenden Niederschlägen.» Diese enorme Spannweite ist also kein Ausdruck von Unsicherheit in der Schätzung, sondern schlicht Realität auf dem Feld.

Ab wann wird es für einen Betrieb kritisch? Eine pauschale Schwelle gibt es laut Willi nicht: «Ein Ertragsausfall ist grundsätzlich immer kritisch. Betriebe unter anderem in trockenen Gebieten haben aber Futterreserven.»

Ein Umstand hilft vielen Betrieben zusätzlich: Die späte Siloöffnung im Dezember oder Januar sorgt wegen der optimalen Vergärung für eine längere Lagerdauer. Ob es für einen Betrieb wirklich kritisch werde, könne «erst nach der Beurteilung aller Kriterien und nach Einbringen der ganzen Ernte» beurteilt werden.

Und selbst wenn im Herbst noch Regen fällt, ist die Sache nicht gegessen: «Wenn in den sehr trockenen Gebieten noch Niederschläge im Herbst eintreffen sollten, ist die Kompensation mit Gras schwierig, da diese Bestände ebenfalls wegen der Trockenheit keine Vollerträge mehr liefern werden.»

Importe als Ausweg? Ganz Europa sitzt im selben Boot

Wer hofft, die Lücke liesse sich einfach mit ausländischem Mais stopfen, muss sich auf ernüchternde Antworten gefasst machen. «Sämtliche europäischen Länder haben grundsätzlich dasselbe Problem mit fehlendem Grundfutter», so Corsin Willi – nicht nur bei Mais, sondern auch bei Luzerne und übrigem Grundfutter.

Höhere Maisimporte wären zwar wünschenswert, «ob dieser aber verfügbar ist, ist aber unklar.» Die Schweizer Nachfrage konkurriert damit faktisch mit jener der Nachbarländer – zu einem Zeitpunkt, an dem das Angebot europaweit knapp ist.

Kraftfutter kann Grundfutter nicht ersetzen

Viele Munihalter würden jetzt reflexartig den Kraftfutteranteil erhöhen, um die fehlende Menge an Grundfutter auszugleichen. Corsin Willi bremst hier deutlich: «Mais-Mindererträge in Masse werden zum Teil über eine bessere Qualität ausgeglichen» – ein sehr gutes Kolben-Stängel-Verhältnis erlaube es, mit weniger Mais und mehr Grassilage, Heu oder Stroh auszukommen, sofern vorhanden.

Auch bei anderem inländischen Raufutterersatz wie Zuckerrübenschnitzel rechnet er anhand der Ernteprognosen mit tieferen Mengen. Punktuelle, moderate Anpassungen beim Ergänzungsfutter werde es geben, «macht aber bei sehr hohem Einsatz kostenmässig wenig Sinn, da fehlendes Grundfutter nicht über höhere Kraftfuttergaben kompensiert werden kann.»

Und die zweite naheliegende Idee – extensivieren, sprich tiefere Tageszunahmen in Kauf nehmen und später ausmästen – bezeichnet Willi klar als «die schlechteste aller Lösungen, da anteilmässig noch mehr Grundfutter verbraucht und durch die ineffiziente Fütterung die Wirtschaftlichkeit des Betriebes zusätzlich geschmälert wird.»

Was bleibt also? «Die realistischste Option ist es, weniger Tiere zu halten», sagt Willi. Angesichts des angespannten Tränkerangebots und der hohen Tränkerpreise dürfte das für viele Mäster ohnehin die wirtschaftlich beste Option sein.

Wenn Zukauf zum Spekulationsgeschäft wird

Bei der Preisfrage wird Corsin Willi deutlich: «Tauschware ist schwierig, wenn du nichts zu tauschen hast.» Beim Maiszukauf müsse jeder Betrieb seine eigene Rechnung machen. Weil sich die Lage bei der Silomaisbeschaffung zuspitzt, rechnet er mit einem starken Rückgang der Körnermaisernte.

«Langjährige Partnerschaften im Maishandel mit keinen oder nur kleinen Preisausschlägen werden sich in diesem Jahr doppelt auszahlen, da vielerorts seitens der Verkäuferschaft bereits rege spekuliert wird» – da stelle sich zumindest die Frage, wie solidarisch sich die Landwirte untereinander tatsächlich verhalten.

Für die Ration gilt laut Willi als Faustregel: «Der Tageszuwachs muss grundsätzlich immer auf die Grundfutterqualität abgestimmt sein.» Tiefere Maismengen in besserer Qualität könnten das unter Umständen kompensieren – der Grundsatz bleibe aber derselbe: «Kraftfutter kann Grundfutter nicht kompensieren.»

Der Kuhbestand schrumpft – und die Munimast spürt es doppelt

Die Munimast wird nicht nur von der Futterseite unter Druck gesetzt, sondern auch von der Tierseite – und dieser Effekt trifft die Branche mit Verzögerung. «Der Kuhbestand respektive die Abkalbungen entscheiden, wie hoch das Angebot verzögert auf dem Bankviehmarkt ausfällt», erklärt Willi. Das knappe Raufutterangebot könne kurzfristig sogar zu einer Abschwächung des Tränkerpreises führen, weil Betriebe weniger Tiere einstallen.

«Die Inlandversorgung mit Tränkern ist Fluch und Segen zugleich», sagt Corsin Willi. «Sie beschert uns aktuell sehr hohe Preise, welche zum Glück innerhalb der Wertschöpfungskette, sprich auf den Geburtsbetrieben, bleiben. Zugleich garantiert ein knappes Tränkerangebot gute Bankviehpreise.» In diesen Tränkermarkt künstlich über Importe einzugreifen, wäre für ihn «ein fataler Fehler, da sie zu einem Überangebot führen.»

Zahlen unterstreichen den Ernst der Lage: Die Inlandversorgung beim Grossvieh lag Ende Juni 2026 bei rund 78 Prozent. Wegen der aktuell deutlich gestiegenen Kuhschlachtungen wird sich dieser Wert laut Willi erhöhen – ein Trugschluss allerdings, denn vorzeitig geschlachtete Kühe fehlen der Branche später doppelt und können «nur über Importe wieder kompensiert werden.»

Eine sorgfältige Preisgestaltung – konkret keine Preisreduktionen bei gleichzeitigem Import – kombiniert mit angepassten Einlagerungen sieht Willi «als Grundvoraussetzung für einen intakten und leistungsfähigen Rindfleischmarkt.»

Damit trifft die Munimast tatsächlich von zwei Seiten gleichzeitig: steigende Futterkosten einerseits, ein sich mittelfristig verknappendes und damit teureres Tierangebot andererseits.

Was Munimäster jetzt tun müssen

Eine pauschale Zeitangabe, wie lange die gute Ausgangslage aus dem Vorjahr die Folgen der schwachen Ernte 2026 abfedern kann, gibt es laut Willi nicht. Sie hänge von den individuellen Grundfuttervorräten, der eigenen Maissituation und den Zukaufmöglichkeiten ab. «Die Bestandesregulierung, also der Tränkereinkauf, wird die wirksamste aller Massnahmen sein» – ein Hebel, den jeder Betrieb selbst in der Hand hat.

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