Nach den Galtkühen rückt nun die Rinderaufzucht in den Fokus: Wie lässt sich Stroh auch hier gezielt einsetzen? Jonas Salzmann, Leiter Marketing bei der UFA AG in Herzogenbuchsee, der bereits zur Strohfütterung bei Galtkühen Auskunft gegeben hatte, zeigt sich überzeugt: Bei Aufzuchtrindern ist die Umstellung noch unkomplizierter als bei Galtkühen. «Eine Untergrenze gibt es nicht, es ist nur eine Frage der Ergänzung», sagt Salzmann. Schon ab dem Absetzen kann Stroh eingesetzt werden.
Worauf es bei der Umstellung ankommt
Entscheidend ist, dass die Verdaulichkeit der Rohfaser unterstützt wird, damit die Passagerate hoch bleibt und die Tiere genug fressen. Dafür braucht es ein Ergänzungsfutter mit hohem NDF-Gehalt (verdauliche Zellwandbestandteile der Pflanze) und guter Rohproteinabdeckung, etwa ein spezielles Aufzuchtfutter mit viel Trockenschnitzeln. Weiter ist der Einsatz von Melasse wichtig, um die Verdaulichkeit und Fressbarkeit der Ration zu verbessern. Je nach Alter empfehlen sich folgende Verhältnisse von Stroh zu Ergänzungsfutter:
- 3 bis 6 Monate: 1 zu 1,5 (1,5 kg Stroh)
- 6 bis 12 Monate: 1 zu 1 (3 kg Stroh)
- 12 bis 18 Monate: 1 zu 0,65 (5,4 kg Stroh)
- 18 bis 26 Monate: 1 zu 0,5 (7,7 kg Stroh)
Dazu kommen 150 bis 400 Gramm Melasse pro Tier und Tag, je nach Alter, sowie 30 bis 70 Gramm Mineralstoff. Viehsalz sollte den Tieren zur freien Verfügung stehen. Die Fütterung funktioniert sowohl über den Mischwagen als auch an der Krippe. Wer einen Mischwagen einsetzt, kann mit einer stabilisierenden Melasse eine Mischung herstellen, die rund vier Wochen haltbar ist.
Sinnvoll ist es, eine Grundmischung für alle Rinder auf die Gruppe der 12- bis 18-Monatigen auszurichten und den jüngeren Tieren zusätzlich Ergänzungsfutter zu verabreichen. Bezüglich Schnittlänge gilt beim Mischwagen dieselbe Vorgabe wie bei Galtkühen: zwei bis fünf Zentimeter. An der Krippe funktioniert die Ration ebenso gut, insbesondere mit etwas kürzerem Feldhäckselstroh und mit der Giesskanne verteilter Melasse.
Eine Rezeptur für fast alle Kategorien
«Die Rezeptur funktioniert grundsätzlich bei allen Kategorien», sagt Jonas Salzmann. Wird ein Rind gezielt auf die Besamung vorbereitet, lohnt sich ein zusätzliches, energiereiches Ergänzungsfutter, um die Brunstqualität zu verbessern – auch eine Beta-Carotin-Ergänzung kann in dieser Phase die Follikelqualität steigern.
Bei Mastrindern hängt der Stroheinsatz von den angestrebten Tageszunahmen ab: «Wer Tageszunahmen von ungefähr 600 Gramm anstrebt, kann die Ration anwenden. Wer mehr will, muss mehr ergänzen und den Strohanteil verringern», so Salzmann.
Beim maximalen Strohanteil unterscheiden sich Rinder deutlich von Galtkühen, bei denen er bei 40 bis 50 Prozent liegt. Bei jüngeren Rindern bis ein Jahr sollte der Anteil unter 50 Prozent bleiben, bei älteren Tieren kann er bis zu 66 Prozent betragen.
Eigene Rezeptur statt Galtkuh-Ergänzungen
Anders als bei Galtkühen braucht es bei Rindern nicht dieselben Ergänzungen wie Raufutterersatzfutter, Melasse, Proteinkonzentrat und Spezialfutter in gleicher Zusammensetzung. Gefragt sind spezifische Aufzuchtfutter, die gezielt auf die Fütterung mit qualitativ schwächerem Raufutter ausgelegt sind: viel NDF, eine optimale Rohproteinabdeckung und ein natürlicher Kokzidienschutz, der die Vermehrung der Kokzidien (einzellige Darmparasiten, die bei Jungtieren Durchfall auslösen können) hemmt.
Melasse, Viehsalz und Mineralstoffe müssen trotzdem ergänzt werden. Mit zunehmendem Alter und höherem Verzehr sinkt der Nährstoffbedarf, wie folgende Richtwerte pro Kilogramm Trockensubstanz zeigen:
- 6 Monate: 6,6 MJ NEL, 165 g Rohprotein
- 8 Monate: 6,2 MJ NEL, 155 g Rohprotein
- 10 Monate: 5,7 MJ NEL, 145 g Rohprotein
- ab 16 Monate bis 6 Wochen vor der Abkalbung: 5,4 MJ NEL, 130 g Rohprotein
- ab 6 Wochen vor der Abkalbung: wie bei Galtphasenkühen
Optimal ist es, die Rinder drei bis vier Wochen vor der Abkalbung in die Galtkuhgruppe zu integrieren, damit sie ebenfalls von der Milchfieberprophylaxe profitieren. Saure Salze – ein Zusatz, der über den DCAB-Wert der Ration (die Kationen-Anionen-Bilanz des Futters, ein Mass dafür, wie sauer oder basisch eine Ration im Stoffwechsel wirkt) das Milchfieberrisiko rund um die Abkalbung senkt – sind vor allem bei Galtkühen relevant. Bei hochträchtigen Rindern können sie ab drei Wochen vor der Abkalbung eingesetzt werden, aber nicht früher.
Am besten füttert man Rinder ab sechs Wochen vor der Abkalbung wie Galtkühe, inklusive der Aufteilung in zwei Phasen, wobei der DCAB-Wert der Ration kontrolliert werden sollte.
Gewicht und Kondition im Blick behalten
Als Faustregel gilt: Ein Rind sollte bei der Besamung 60 Prozent seines Endgewichts erreicht haben. Wie intensiv ergänzt wird, bestimmt jeder Betrieb selbst. Neben regelmässigen Gewichtskontrollen sollte auch die Körperkondition beobachtet werden. Ein Body Condition Score (BCS, eine Skala zur Beurteilung des Ernährungszustands anhand der Fettauflage) von 3,5 ist bei jungen Rindern optimal, bei tragenden Tieren rund 3, wobei die Werte je nach Rasse variieren. Vor der Abkalbung darf der BCS auch bei 3,5 liegen. Besonders wichtig ist die Beobachtung direkt vor und nach der Besamung – hier lohnt sich der grösste Aufwand.
Bei der Umstellung selbst ist eine Übergangsphase von rund zwei Wochen ideal, damit sich die Pansenmikroben anpassen können – vor allem, wenn zuvor qualitativ hochwertiges Heu gefüttert wurde. Bei schlechterem Heu kann die Umstellung schneller erfolgen, weil der Unterschied zum Stroh geringer ist. Ein zu geringer Verzehr an Trockensubstanz ist dabei das erste Warnzeichen für Unverträglichkeit.
Eine Pansenübersäuerung ist bei korrekt ergänzten Strohrationen selten – häufiger ist eine zu geringe Passagerate, die Verzehr und Nährstoffaufnahme senkt und dadurch das Wachstum bremst. Deshalb muss die Verdaulichkeit der Rohfaser konsequent unterstützt werden. «Der Input eines Spezialisten macht in jedem Fall Sinn. Fütterungsspezialisten können eine Ration vor Ort am besten beurteilen», so Jonas Salzmann – vor allem bei Fragen zur Mineralisierung und zur Ergänzungsfütterung.
Was sich einsparen lässt
«Grundsätzlich lässt sich Heu komplett mit Stroh ersetzen, wenn genügend Ergänzungsfutter eingesetzt wird», sagt Jonas Salzmann. Sein Rechenbeispiel: Ein 15 Monate altes Rind verzehrt rund 8 kg Trockensubstanz pro Tag. Davon können 5,4 kg Stroh (Frischsubstanz) und 3,5 kg Ergänzungsfutter eingesetzt werden. Bei einer Fütterung mit mittlerem Heu wären es rund 6,5 kg Heu und 2,4 kg Ergänzungsfutter. Über 100 Tage ergibt das 540 kg Stroh und 350 kg Ergänzungsfutter anstelle von 650 kg Heu und 240 kg Ergänzungsfutter – pro Rind im Schnitt fast zwei Rundballen Heu weniger.
Auch bei Rindern lohnt sich der Vergleich mit Raufutterergänzungswürfeln, wie er bereits beim Galtkühe-Artikel gezogen wurde. Der Preis für spezifisches Aufzuchtfutter liegt allerdings etwas höher als bei Galtkuhfutter. Bei einem 15 Monate alten Rind liegen die Rationskosten für Stroh und Ergänzungsfutter bei rund 4 Franken pro Tag, gerechnet mit einem Strohpreis von 30 Franken pro 100 Kilogramm. Gutes Heu darf in diesem Regime nicht teurer als 40 Franken pro 100 Kilogramm sein – bei höheren Heupreisen ist die Strohration wirtschaftlicher, besonders bei grösseren Bezugsmengen.

