Rinder nehmen ihre Umwelt anders wahr als wir. Kühe haben die Augen seitlich am Kopf und dadurch ein Gesichtsfeld von rund 330 Grad. Eine präzise Sicht haben sie jedoch nur nach vorne in einem Winkel von 30 Grad. Zudem können sie Entfernungen schlechter einschätzen als wir. Dafür sehen Rinder auch bei wenig Licht gut. Die Anpassung der Pupillen an sich verändernde Lichtverhältnisse dauert rund zehnmal länger als bei Menschen. Daher ist es wichtig, den Kühen Zeit zu lassen, wenn sie z. B. aus einem dunklen Stall ins Tageslicht geführt werden.
Bekannte Stimmen wirken beruhigend
Im Alltag helfen auch eine gleichmässige Beleuchtung und gut einsehbare Treibwege. Diese sollten in Richtung der Herde führen, damit die Artgenossen im Sichtfeld sind. Hektische Bewegungen sollten generell vermieden werden.
Das Gehör von Rindern ist empfindlicher als unseres. Die beweglichen Ohrmuscheln können sich beim kleinsten Geräusch in die entsprechende Richtung drehen. Kühe nehmen Frequenzen bis etwa 35 000 Hertz wahr und hören so auch hohe Töne, die für uns nicht hörbar sind. Laute, schrille oder plötzlich auftretende Geräusche, wie zuschlagende Türen oder quietschende Scharniere, können deshalb als Warnsignal wahrgenommen werden und Angst auslösen. Ein ruhiges Umfeld und bekannte Geräusche geben Sicherheit. Auch Stimmen von Betreuungspersonen können auf die Kühe beruhigend wirken.
Kühe haben Tasthaare am Maul
Auf Grund von Sinneszellen und Nervenenden, welche sich unterschiedlich tief in den Hautschichten befinden, nehmen Tiere Berührungen, Druck, Wärme, Kälte und Schmerzen wahr. Auch die Körperhaare dienen dem Tastsinn, indem die Nervenenden an den Haarwurzeln auch feine Berührungen, wie z. B. die Landung einer Fliege, melden.
Zudem haben Rinder lange, feste Tasthaare am Maul. Wird deren Spitze beim Betasten von Gegenständen, Artgenossen oder Futter bewegt, so bewegt sich nach dem Hebelprinzip auch das andere Ende des Tasthaares, nämlich die von feinen Nervenenden umgebene Wurzel. Im Umgang mit Kühen hilft es, wenn die Tiere zunächst die Hand der Betreuungsperson oder unbekannte Gegenstände abtasten können, bevor sie eine ungewohnte Situation wie z. B. das Führen am Halfter oder das Verladen in einen Anhänger erleben. Um das grösste Sinnesorgan – die Haut – zu schützen, sollen scharfkantige Einrichtungen vermieden und weiche Liegeflächen und saubere Böden gewährleistet werden.

