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Sauberes Wasser löscht den Durst von Rindern und Schweinen

Sauberes Wasser ist für das Tierwohl zentral. Franz Schärli leitet den Ausbildungs- und Versuchsbetrieb der Liebegg. Er zeigt, wie er die Tränken effizient reinigt und worauf es bei der Platzierung zu achten gilt.

Kurz & bündig

- Sauberes Wasser und regelmässige Tränkehygiene sind zentral fürs Tierwohl. - Beschichtungen, angepasste Tränken und gute Platzierung erleichtern Reinigung und Nutzung. - Auch Kühlung und Fütterung brauchen Wasser.

Der Trog auf der Weide ist im Nu leer: Franz Schärli (29) stellt den Schwimmer ab, zieht den Pfropf raus und rückt den Ablagerungen, die sich an Wänden und Boden gebildet haben, mit einer Bürste zu Leibe. Schärli ist als Betriebsleiter auf dem Ausbildungs- und Versuchsbetrieb des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg angestellt. Seit 2025 lebt und arbeitet er mit seiner Frau Lea (24) auf dem Betrieb in Gränichen AG.

Der Weidetrog ist rasch sauber, weil Schärli ihn mit einer Zwei-Komponenten-Beschichtung gestrichen hat: «Beton ist porös, da setzt sich mehr Material an und es ist schwieriger zu reinigen», sagt er. Auf dem Betrieb ist erst ein Trog beschichtet: Schärli wollte zuerst ausprobieren, ob sich seine Idee bewährt.

Dieser Trog ist mit einer Zwei-Komponenten-Farbe beschichtet.
Dieser Trog ist mit einer Zwei-Komponenten-Farbe beschichtet.

Die Mutterkühe dürfen wenig später auf die Weide mit dem nun sauberen Trog. In ihrem Stall gibt es für jede Gruppe zwei Chromstahltränken. Die Tränken sind zwischen den Gruppen platziert: «So können die Tiere von beiden Seiten trinken», erklärt Schärli. Die Chromstahltränken reinigt er zwei- bis dreimal pro Woche: «Am liebsten ist mir, wenn die Kuh schon zweimal das Maul abgeschleckt hat, bevor sie trinkt.» Dann bringe sie weniger organisches Material ins Tränkebecken. Bei den Mutterkühen fällt viel Licht in den Stall. Das führt dazu, dass sich über längere Zeit Algen bilden können.

Im Mutterkuhstall sind die Chromstahltränken zwischen den Gruppen platziert.
Im Mutterkuhstall sind die Chromstahltränken zwischen den Gruppen platziert.

Hygiene ist Schärli wichtig. Im Sommer, wenn die Tiere einige Tage nicht im Stall sind, weicht er die Tröge mit Melkmaschinenreiniger ein und putzt sie danach mit dem Hochdruckreiniger. Die Tröge auf den Weiden reinigt er alle zwei Tage oder beim Weidewechsel.

Die Schwimmer sieht Schärli etwas kritisch: Seine Erfahrung ist, dass sie wegen des kalkhaltigen Wassers zu Undichte neigen und nicht immer perfekt funktionieren. Dann überlaufen die Tröge. «Fast jährlich ist Ersatz nötig», sagt er.

Bei den Schweinen läuft das Wasser immer

Der Rundgang führt zu den Zuchtsauen und ihren Ferkeln: Eine Nippeltränke für die Mütter und Becken für die Ferkel stehen zur Verfügung. «Das Wasser läuft immer», sagt Schärli. Deshalb gebe es in den Chromstahlleitungen keine Probleme mit stehendem Wasser. Eine Dosieranlage, die Chlordioxid ins Wasser abgibt, hat es auf dem Betrieb in Gränichen nicht. Schärli kennt das System von einer früheren Arbeitsstelle und weiss, dass es sich bewährt.

Die Jager haben auch in den Ausläufen eine Tränke. Damit sie im Sommer keinen Sonnenbrand bekommen, gibt es Netze. Eine Sprinkleranlage sorgt für Erfrischung. «Die Tiere schätzen das», beobachtet Schärli.

Die Schweine nutzen die Nippel im Auslauf. Im Winter verhindert eine Ringheizung, dass das Wasser einfriert. Im Sommer kühlt eine Sprinkleranlage die Tiere ab.
Die Schweine nutzen die Nippel im Auslauf. Im Winter verhindert eine Ringheizung, dass das Wasser einfriert. Im Sommer kühlt eine Sprinkleranlage die Tiere ab.

Die Milchkühe sind auf der Weide: Sie trinken aus einem noch nicht beschichteten Brunnen. Gefüllt wird die Tränke mit Wasser aus der eigenen Quelle. «Wir haben für alle Dauerweiden Leitungen», sagt Schärli. Das spare enorm Zeit. Ein Tränkefass kommt nur zum Einsatz, wenn die Tiere im Herbst auf weiter entfernten Weiden sind.

Das Quellwasser ist qualitativ einwandfrei, wie regelmässige Tests zeigen. Es reiche auch in einem trockenen Sommer sehr weit, so Schärli. Im Ausnahmefall kommt Wasser aus der Gemeindeversorgung zum Einsatz, um die Tiere zu tränken.

Aus Sicht Futterbau ist Schärli mit der Positionierung der Tröge auf den Weiden nicht komplett glücklich. Er überlegt sich, gewisse Bereiche mit Ecoraster zu befestigen oder Aufenthaltsorte einzukiesen. Deshalb achtet er darauf, dass die Tröge oder Tränkebecken auf den Weiden nicht überlaufen. Es kommt auch vor, dass Schärli die Tiere von der Weide nimmt, wenn es zu nass wird.

Für die Milchkühe ist ein neuer Stall in Planung

Im Milchviehstall muss Schärli etwas ausholen, um die Situation zu erklären: Der ursprüngliche Anbindestall stammt aus dem Jahr 1957. Der Anbau stammt aus dem Jahr 1999, seither leben die Milchkühe in einem Laufstall. Ein neuer Milchviehstall ist aktuell in Planung.

Schärli melkt in einem 2×3-Fischgrät-Melkstand. Auf dem Weg vom Melkstand zurück in den Stall kommen die Kühe an einer der drei Tränken mit Schwimmer vorbei.

Auch diese pflegt Schärli regelmässig: «Ich habe den Ablauf ausgebohrt, damit das Wasser rascher abfliesst.» Denn: Wer Zeit verliere, putze seltener, da es mühsamer sei.

Im Neubau sind die Tränken dann klassisch in den breiten Quergängen mit deutlich mehr Platz. Bei der Planung kann Schärli seine Erfahrungen und Ideen einbringen. So möchte er neu Niveautränken, die miteinander verbunden sind. Der Schwimmer ist bei diesem System nur im Tank, nicht in jeder Tränke. «Das ist besser für die Sauberkeit», hat Schärli in einem seiner Lehrjahre erlebt. Am liebsten sind ihm Tränken, die drinnen sind, «dann hat es weniger Grünzeug drin». Für die Aussentränken kann sich Schärli schwarze Kunststofftröge vorstellen. «Kühe mögen wärmeres Wasser», weiss er. Wie schwarze Tröge hingegen in Sachen Sauberkeit sind, muss er abklären.

Die Schweine haben Netze und eine Sprinkleranlage, im Milchviehstall sorgen drei Grossraumlüfter im Sommer für Abkühlung. Denn Kühe nehmen im Sommer nicht nur viel Wasser zu sich, sie geben es auch über die Haut und die Atmung wieder ab. Gemäss einem Strickhof-Merkblatt aus dem Jahr 2020 sind es bis zu 30 Liter, die eine Kuh pro Tag bei einer Aussentemperatur von 26 Grad abgibt. Dieses Wasser müsse aus dem Stall raus, ansonsten könnte sich Schimmel bilden und der Hitzestress nehme zu.

Anders ist es im Winter: Da sorgt im Jagerstall eine Begleit- und Ringheizung dafür, dass das Wasser fliesst. «Im Winter wird es dort oben richtig kalt», sagt er. Zwischen November und März ist die Einrichtung im Einsatz, Schärli entkalkt sie einmal pro Jahr. Bei den Kühen zirkuliert das Wasser so, dass es nicht einfrieren kann. Wasser spielt auch bei der Fütterung eine wichtige Rolle: Schärli gibt einen kleinen Anteil ab Wasserhahn in die Mischration. «Dank dem Wasser kleben die feinen Komponenten wie Mineralstoffe und Rapsschrot und bröseln nicht heraus», sagt er. Er erreicht einen Trockensubstanzgehalt von 38 Prozent, wenn er dem Futter zwischen 40 und 50 Liter Wasser beimischt. «Je trockener die Silage ist, desto mehr Wasser braucht es», erklärt Schärli.

Er beobachtet, dass die Tiere das Futter besser aufnehmen, wenn es nicht allzu trocken ist. «Sie selektieren auch weniger stark, wenn es feuchter ist.» Auch bei den Mutterkühen mischt er Wasser bei, wenn das Heu sehr trocken ist: «Hier ist es das Salz, das gut am Futter kleben muss.»

«Bei den Schweinen mischen wir das Futter direkt im Trog an. Nach den Geburten geben wir zum Teil etwas mehr Wasser ins Futter, damit die Sauen genügend Wasser aufnehmen», erzählt Lea Schärli. Bei den Schweinetrögen gebe es eine Einrichtung, die Wasser direkt einfliessen lasse.

Die Milchkühe tränkt Franz Schärli direkt nach der Geburt aktiv: «Sie bekommen einen Abkalbetrank und viel warmes Wasser», sagt er. Das gehe natürlich nur, wenn er die Geburt beobachte. Die Mutterkühe würden häufig nachts abkalben. In beiden Abkalbebuchten sind Trogtränken installiert.

Auf dem Ausbildungs- und Versuchsbetrieb gibt es dank der Quelle und dem Anschluss an die Gemeindeversorgung genügend sauberes Wasser. Selbstverständlich ist dies nicht und Franz Schärli versucht, das kostbare Gut dort sparsam einzusetzen, wo es möglich ist: «Bei den Tieren können wir auf gar keinen Fall Wasser sparen.» Doch bei der Obstanlage, die ebenfalls zum Betrieb gehört, überlegt sich Schärli, zur Bewässerung Grauwasser zu nutzen und dafür einen Tank zu reaktivieren.

Ausbildungs- und Versuchsbetrieb Liebegg

Franz Schärli führt den Betrieb in Gränichen AG als Angestellter des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg. LN: 43 ha; 7,7 ha Wald Kulturen: Mais, Weizen, Gerste, Raps, Kartoffeln, Natur- und Kunstwiesen Tierbestand: 30 Milchkühe, 30 Mutterkühe (mit Kälbern und Beef), 26 Zuchtsauen (und zugehörige Jager) Weitere Betriebszweige: Hofladen, diverse Dienstleistungen für das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg (z. B. Räumlichkeiten bereitstellen für überbetriebliche Kurse oder Qualifikationsverfahren, Maschinen vorbereiten) Arbeitskräfte: Franz und Lea Schärli, 2 Angestellte, 2 Lernende (2. und 3. Lehrjahr)

Wasser für Rinder

Eine Kuh muss zwischen 3 und 6 Liter Wasser aufnehmen, um 1 Liter Milch zu produzieren. Der Wasserbedarf der Tiere ist aber je nach Alter, Aussentemperatur, Fütterung und Milchleistung unterschiedlich. Gefordert ist Wasser in Trinkwasserqualität. [IMG 5] Da die Kuh ein Sauftrinker ist, bevorzugt sie es, aus einer offenen Wasseroberfläche zu trinken. Sie taucht ihr Flotzmaul nur wenige Zentimeter ein und kann während des ganzen Trinkvorgangs durch die Nase atmen. Schlürft eine Kuh beim Trinken, deutet das auf eine zu langsame Durchflussgeschwindigkeit oder eine zu niedrige Wassertiefe hin. Empfohlen sind diese Masse für einen Tränketrog: Wasseroberfläche 60 cm bis max. 80 cm ab Boden, Breite ca. 20 cm, Wassertiefe mind. 20 cm. Maximal 15 bis 20 Kühe pro Trog, mindestens zwei Tränken pro Gruppe. In Anbindeställen mit Einzeltränken braucht es eine Durchflussgeschwindigkeit von 15 l/min. Idealerweise ist die Tränke in der Nähe des Fressstands und/oder des Melkbereichs platziert, nie in einer Sackgasse oder einem schmalen Durchgang. Die Tränken sollten täglich kontrolliert und mindestens zweimal pro Woche mit einer Bürste gereinigt werden. Kälber brauchen ab dem ersten Lebenstag uneingeschränkt Zugang zu Wasser, und zwar aus einem Kessel, nicht über einen Nuggi. Die Höhe des Wasserspiegels ist der Grösse des Kalbes anzupassen. Es braucht tägliche Kontrolle und regelmässige Reinigung sowie Frostsicherheit. Quelle: Strickhof-Merkblatt «Wasserversorgung Rindvieh» (mit Checkliste)

Wasser für Schweine

Die Wasseraufnahme von Schweinen ist zeitlich eng an die Futteraufnahme gekoppelt. Die Tiere müssen jederzeit Zugang zu Wasser haben. Die Tränken müssen für die jeweilige Schweinekategorie erreichbar sein und das Einfrieren der Tränkeeinrichtungen muss verhindert werden. [IMG 6] Steigen die Temperaturen, erhöht sich der Wasserbedarf. Muttersauen brauchen bei 30 Grad fast 50 l/Tag, was bei einem (zu tiefen) Durchlauf von 1 l/Min. eine Trinkzeit von fast einer Stunde pro Tag ergibt. Optimal für das Tierwohl ist eine gut erreichbare und geeignete Wasserquelle auf acht Tiere. Die Suisag empfiehlt, Wasserproben von Fachleuten untersuchen zu lassen. Steht der Stall einige Tage leer, vermehren sich Bakterien in der Leitung. Vor der neuen Bestossung müssen die Leitungen gut gespült und alle Tränkesysteme kontrolliert werden. Wasserentkeimung verbessert die Qualität. Dies ist physikalisch (mit UV-Licht, Ionenaustauscher oder Filter) sowie chemisch möglich. Chlordioxid ist sehr sicher und geschmacksneutral. Quelle: Suisag-Merkblatt «Wasserversorgung bei Schweinen»