Kurz & bündig
- Der SGD hat langjährige Erfahrung mit Sanierungsmethoden für Schweinekrankheiten. - Der Gesundheitsstatus von Schweizer Schweinen wurde kontinuierlich verbessert. Wichtig ist es, diesen Status zu erhalten. - Das Gesundheitsprogramm enthält verbindliche Regeln, um Schweinebetriebe vor einem Krankheitseintrag zu schützen.
Von der Durchfallerkrankung Dysenterie, ausgelöst durch die Bakterien Brachyspira hyodysenteriae, waren ein Ring, ein Mastferkelproduzent und von diesen belieferte Mäster betroffen. Dieser Fallbericht ermöglicht es, hinter den Vorhang des überbetrieblichen Nutzens zu schauen. Hier nicht beleuchtet wird die Beprobung, die Abklärungen der Verbreitung und die Kommunikation zwischen allen Parteien.
Die Brachyspiren-Sanierung, insbesondere bei Betrieben mit Muttersauen, ist komplex. Zum einen musste eine korrekte Schadnagerbekämpfung durchgeführt werden, da die Erreger lange in Mäusen und Ratten überleben. Zum anderen durften nur Schweine auf dem Betrieb sein, die bei der Sanierung mindestens 270 Tage alt waren. Das Erreichen der jungtierfreien Zeit und die Sanierung zwischen April und Oktober gaben den Takt der Sanierung vor. Die Elterntiere wurden 21 Tage mediziniert und gewaschen. Die Spaltenböden und die Gülle wurden mit Alzogur behandelt und der Stall wurde desinfiziert (siehe Grafik 1).
Damit die Sanierung funktionierte und die Kosten nicht unnötig explodierten, galt es, eine sorgfältige, umsichtige und genau auf den Betrieb zugeschnittene Lösung zu finden. Bei einer grossen Sanierung belief sich der versicherte Schaden auf 650 Franken pro Muttersau. Durch gute Planung mit Auslagerungen, und damit weniger Produktionsausfall, konnten die effektiven Kosten um gut einen Viertel auf 500 Franken gesenkt werden.
Die Grafik 2 illustriert vereinfacht die Ring-Sanierung: Ein Teil der unsanierten Galtsauen (GSU) wurde in einer Auslagerung saniert, die Abferkelbetriebe wurden leer und saniert. Zum Schluss sanierte man den Deck- und Wartebetrieb mit den restlichen unsanierten Galtsauen. Damit wurde das Ziel erreicht: die Eliminierung von B. hyodysenteriae.
So läuft eine Brachyspiren-Sanierung ab

Eine Sanierung ist anspruchsvoll und braucht ein exaktes Timing
In den vorliegenden Fällen bestätigten dies auch die bisherigen Nachbeprobungen. Die Datumleiste über dem Plan verdeutlicht die Wichtigkeit des exakten Timings. Nirgends durften sich unsanierte und sanierte Sauen überschneiden. Jederzeit musste es Platz für alle Tiere der jeweiligen Gruppe haben sowie die Möglichkeit zum Abferkeln. Muttertiere und Eber mussten mindestens 270 Tage alt sein.
Der effektive Plan ist in der Regel noch wesentlich komplexer und beinhaltet die Betriebsstruktur, den Produktionsrhythmus und den Tierverkehr. Eine Teilsanierung mittels einer jungtierfreien Zeit kann auch bei der ansteckenden Lungenentzündung Enzootische Pneumonie (EP) gemacht werden. Im Vergleich zu Brachyspiren ist bei EP der kritische Punkt der Luftübertragung zu berücksichtigen.
Bei Brachyspiren sind es der Gülletourismus und die Schadnager, welche die umliegenden Betriebe gefährden. Der Tierverkehr ist bei allen Krankheiten zentraler Übertragungsweg.
Brachyspiren-Sanierung bei einem AFP-Ring

Sanierungen benötigen Fachwissen und Partnerschaften
Das Verständnis für diese Zusammenhängepräsent zu halten, ist besonders für Krankheiten wichtig, die glücklicherweise selten geworden sind, wie Enzootische Pneumonie, B. hyodysenteriae und Räude. Bei Sanierungen wird der Wissenstransfer und der partnerschaftliche Gedanke für den Betrieb sichtbar. Bei der Brachyspiren-Sanierung hilft der SGD beim Waschen der Sauen und beim Ausbringen des Alzogurs. Bei Sanierungen profitiert langfristig der Betrieb, der saniert hat, und direkt die belieferten Betriebe und Nachbarn.

Die Schweinegesundheit in der Schweiz erhalten
Es ging seit der Gründung des ersten Schweingesundheitsdienstes im Jahr 1961 nicht nur um den Einzelbetrieb, sondern um den Nutzen, der über die Betriebsgrenze hinweg vorhanden ist. Um die Gesundheit einfach und verständlich offenlegen zu können, wurde der SGD-Status ins Leben gerufen, gemäss Richtlinie 1.3 (Status). Der SGD-Status ruht auf dem Fundament der Gesundheitsdatenbank, seit gut fünf Jahren inklusive des elektronischen Behandlungsjournals (EBJ).
Tierverkehr und Besuchsreihenfolge können statuskonform durchgeführt werden und sind von allen Akteuren in der Branche einzuhalten. Dadurch wird das Verschleppungsrisiko von Schweinekrankheiten minimal gehalten. Die Statusbezeichnungen werden laufend den Bedürfnissen angepasst. Die SGD-Gesundheitsdatenbankbeinhaltet schweizweite Informationen zu Betriebsbesuchen, Untersuchungen, Tierverkehr, Korrespondenz, EBJ und der ASP-Risikoampel.
Der SGD und die Vertragstierärzte haben elektronischen Zugang zu den Betriebsakten, natürlich gemäss vertraglichen Freigaben.
Wissenstransfer und Unterstützungen laufen oft im Hintergrund ab. Bestandestierärzte, Partner oder Kantone werden unterstützt oder beraten bei Untersuchungen, zum Beispiel bei Blutproben, Nasen- und Luftröhrentupfer, Spezialuntersuchungen im Ausland und Auskünfte zur Gesundheit ab der Datenbank.
Unklare Symptome zu besprechen ist guter erster Schritt
Die Schweinebranche profitiert von den Vorleistungen vorgängiger Sanierungen und der Flächensanierungen und tut gut daran, der flächendeckenden Gesundheit weiterhin hohe Beachtung zu schenken. Einen Krankheitsverdacht oder unklare Symptome mit dem Bestandestierarzt oder SGD zu besprechen, ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.
Thomas Barmettler ist Fachtierarzt für Schweine beim SGD-Büro Sempach-West der Suisag.
Hoher Gesundheitsstatus
Der SGD koordinierte zusammen mit den Partnern aus der Branche, Forschung und teilweise der öffentlichen Hand die enorme Entwicklung der Gesundheit der Schweizer Schweineproduktion in den letzten 60 Jahren. Dies mündete im Suis-Sano-Gesundheitsprogramm. Im Fokus sind eine hohe Tiergesundheit und ein hohes Tierwohl bei optimiertem Arzneimitteleinsatz, was den gesellschaftlichen Anforderungen an eine fortschrittliche Tierhaltung proaktiv begegnet. Für Interessierte wird dies beispielsweise im Gesundheits-Radar 2024 der Suisag ersichtlich.

