Im Frühling 2026 wurde die Milch von 204 Milchproduzentinnen und -produzenten in den beiden Basler Kantonen auf Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) untersucht. Die Teilnahme war freiwillig und erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Bauernverband beider Basel (BVBB).
Ergebnis: Bei 173 Betrieben (85 Prozent) lagen die Messwerte unter dem von der Europäischen Union empfohlenen Richtwert von 0,020 µg/kg für PFOS – oder es konnten keine PFAS nachgewiesen werden. Bei 31 Proben (15 Prozent) wurde der Richtwert für Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) erreicht oder knapp überschritten.
Möglichkeit auf Nachmessung besteht
In allen positiven Fällen handelte es sich ausschliesslich um PFOS – eine Substanz, die in der Schweiz seit 2011 verboten ist. Andere PFAS lagen unter der Nachweisgrenze. Die Resultate sind mit dem Kanton Zürich vergleichbar und besser als in den beiden Appenzeller Halbkantonen.
Für Milch bestehen in der Schweiz derzeit keine gesetzlichen PFAS-Höchstwerte. Die Milch darf deshalb weiterhin uneingeschränkt abgegeben, verarbeitet und konsumiert werden. Die EU empfiehlt bei Überschreitungen des Richtwerts eine Ursachenabklärung. Die betroffenen Betriebe beider Basel erhalten die Möglichkeit, eine Nachmessung durchführen zu lassen. Bestätigt sich die Belastung, sollen mögliche Ursachen auf freiwilliger Basis gemeinsam mit den Fachstellen analysiert und Massnahmen zur Absenkung ergriffen werden.
Feuerwehrübungen, Altlasten und Deponien
Das Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (ALV) betont, dass im ganzen Kanton punktuell Richtwertüberschreitungen festgestellt worden sind. «Jeder Betrieb muss nun im Einzelfall angeschaut werden. Erst die Ursachenabklärung wird zeigen, ob die PFAS-Belastung von mehreren Betrieben auf die gleiche Ursache zurückzuführen ist und ob regionale Zusammenhänge bestehen», heisst es beim ALV. Eine Übersicht, wie viele der betroffenen Betriebe bereits eine Zweitmessung gemacht haben, liegt nicht vor – die Proben können beim ALV oder in einem Privatlabor erfolgen.
Zu möglichen Ursachen sagt das ALV: «Allgemein können PFAS über das Futter – via Boden – oder über das Tränkewasser von der Kuh aufgenommen werden und so in die Milch gelangen. Mögliche PFAS-Quellen sind unter anderem Übungsplätze für die Brandbekämpfung, mit Klärschlamm gedüngte Böden, Altlasten oder Deponien.»
Konkrete Massnahmen ergeben sich erst aus der individuellen Abklärung – etwa der Wechsel einer Tränkewasserquelle oder Anpassungen beim Futtermanagement.
BVBB-Präsident sieht die Politik in der Pflicht
Der Bauernverband beider Basel begrüsst die Untersuchung. Gleichzeitig macht Präsident Marc Brodbeck deutlich, dass die Resultate über dem Richtwert die Betriebsleiter belasten: «Die Landwirte, die über dem momentanen Richtwert sind, möchten in den grünen Bereich mit den Resultaten. Resultate über dem Richtwert belasten die Betriebsleiter, da sie ja nichts Verbotenes gemacht haben.»
Der Verband sieht die Politik in der Pflicht. «Da die Geschichte am Anfang ist, ist noch vieles unklar. Die Politik muss uns in dieser Angelegenheit unterstützen. Dass wir in der interdirektionalen Gruppe mitarbeiten können, ist entscheidend», so Brodbeck. Der Regierungsrat hat Ende Juni eine interdirektionale Arbeitsgruppe PFAS eingesetzt, die die Aktivitäten von Umweltschutz, Lebensmittelsicherheit und Landwirtschaft koordinieren soll.
«Es braucht Zeit, Geduld und Geld»
Für die Zukunft rechnet der BVBB mit einem längeren Prozess: «Die Ursachenfindung wird uns noch lange beschäftigen. Es braucht Zeit, Geduld und Geld. Es gibt hier keine allgemeine Lösung, es muss jeder Betrieb separat beurteilt werden, der über dem Richtwert ist.»
Mit der hohen Teilnahmequote und dem transparenten Vorgehen positionieren sich die beiden Basel im schweizweiten Vergleich solide. Für die 15 Prozent der Betriebe beginnt jetzt die eigentliche Arbeit – und die Frage, wie Politik und Behörden sie dabei unterstützen werden.

