Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Man stellt ein Gerät vom Format einer niedrigen Kommode in den Stall, reduziert damit die Methan-Emissionen und kann dabei auch noch Geld verdienen. Das ist salopp gesagt das, was das Schweizer Klimatechnologie-Unternehmen Sixteen44 verspricht.
Erwärmungspotenzial durch Spaltung deutlich reduziert
Es hat nach eigenen Angaben eine Technologie entwickelt, die mit niedrigen Methankonzentrationen – wie sie in Rindviehställen herrschen – zurechtkommt. Das Gas wird in Wasserdampf und CO₂ gespalten, was zu einer Netto-Reduktion des Erwärmungspotenzials um 97 Prozent führe. Wie Sixteen44 mitteilt, kommt die erste Anlage demnächst in den Praxistest auf einem Schweizer Landwirtschaftsbetrieb.
Landwirte müssten nur den Platz zur Verfügung stellen
Das System stehe kurz vor der Markteinführung, gibt CEO Jan Christoph Bohnerth gegenüber der BauernZeitung Auskunft. «Das grundlegende fortschrittliche Oxidationsverfahren wurde im Labor bereits erfolgreich erprobt und validiert.» Dieser Feldtest markiere nun den nächsten Schritt: den Übergang vom Labor in eine reale Umgebung, um Technik und Langlebigkeit unter Praxisbedingungen zu optimieren, bevor die kommerzielle Fertigung startet. Wann genau Anlagen von Sixteen44 auf den Markt kommen, lässt Bohnerth offen.
Das Unternehmen strebt Partnerschaften mit Landwirtschaftsbetrieben an. Der CEO erläutert die Leistungen der beiden Seiten: «Sixteen44 stellt die Hardware bereit, übernimmt die Installation sowie die komplette Wartung und kümmert sich um das technische Monitoring.» Die Betriebsleitenden müssten lediglich den Platz auf dem Hof und den Zugang zur bestehenden Stalllüftung zur Verfügung stellen.
Der Erlös aus den CO₂-Zertifikaten wird aufgeteilt
Damit sich das Ganze lohnt, steht der Handel mit CO₂-Zertifikaten im Zentrum. «Unser Ziel ist, ein Erlösbeteiligungsmodell anzubieten, um die anfänglichen Investitionskosten für die Landwirte so gering wie möglich zu halten», sagt Jan Christoph Bohnerth. Einen Preis für die Methan-Reduktionsanlage nennt er nicht. Sixteen44 würde sich aber im Rahmen der erwähnten Partnerschaft mit Landwirten um das Management der CO₂-Zertifikate kümmern. «Die finanziellen Erträge aus den generierten CO₂-Zertifikaten werden anschliessend direkt zwischen Sixteen44 und den Landwirten aufgeteilt.» Der hohe Wert der Zertifikate solle die Betriebskosten des Geräts ausgleichen, sodass es für den Landwirt einen finanziellen Gewinn abwirft.
Kein Brandrisiko und geringe Lärmemissionen
Industrielle Reinigungssysteme für methanhaltige Abluft – oder auch das Abfackeln bei Öl-Raffinerien – verbrennen das Gas bei hohen Temperaturen. Im Gegensatz dazu soll die Anlage der Schweizer Firma mit niedrigen Umgebungstemperaturen arbeiten. Dadurch bleibe der Strombedarf gering. «Das System ist sicher, weil es bei niedrigen Temperaturen läuft und stark verdünnte, nicht entflammbare Methankonzentrationen verarbeitet», erklärt Jan Christoph Bohnerth hinsichtlich des Brandschutzes. Die Anlage sei auch sehr leise im Betrieb.
An die zentrale Lüftung im Stall anschliessen
Bleibt die Frage, für welche Landwirtschaftsbetriebe sich die Anlage von Sixteen44 überhaupt eignen würde. «Sie ist ideal für alle geschlossenen und halbgeschlossenen Nutztierställe, die mit einer zentralen Lüftung oder Absaugpunkten ausgestattet sind. Wie das bei modernen Milchviehställen der Fall ist», antwortet der CEO. Die Hardware lasse sich nahtlos in das bestehende Lüftungssystem integrieren. Für wirtschaftlich und ökologisch am sinnvollsten hält er den Einsatz bei mittleren bis grossen kommerziellen Herden. Dort seien die Methanemissionen konzentriert genug, um sie effizient durch das System zu leiten.
Sixteen44 sieht sich bereit, um «eine der hartnäckigsten Emissionsquellen im Agrarsektor zu schliessen», wie es in seiner Mitteilung heisst.
Agroscope sieht offene Fragen
Die Umwandlung von Methan in CO₂ und Wasser verringere seine Klimawirkung, bestätigt Agroscope auf Anfrage der BauernZeitung. «Für die Beurteilung solcher Systeme ist jedoch entscheidend, wie wirksam sie unter Praxisbedingungen arbeiten.» Das Erfassen der diffusen Methan-Emissionen in tiefer Konzentration, wie sie in Ställen vorkommen, sei technisch sehr anspruchsvoll. Die zentrale Frage ist aus Sicht von Agroscope, ob die tiefen Methankonzentrationen bzw. welcher Anteil der emittierten Mengen mit vertretbarem Energie- und Kostenaufwand erfasst sowie umgewandelt werden kann.
«Zum derzeit vorgestellten System liegen unseres Wissens noch keine unabhängig überprüften Ergebnisse aus Praxisversuchen in Ställen vor.» Entsprechend ist es nach Meinung der Forschenden zu früh, Aussagen über das tatsächliche Minderungspotenzial im landwirtschaftlichen Alltag zu machen. Andere, ähnliche Anlagen, die vielleicht bereits weiterentwickelt wären, sind Agroscope nicht bekannt.
Ein wichtiger Hebel für den Klimaschutz
Die Reduktion von Methanemissionen – deren Klimawirkung gut belegt sei – gelte als wichtiger Hebel für den Klimaschutz, hält man bei der Forschungsanstalt fest. Denn wenn weniger Methan in die Atmosphäre gelangt, führt das dank der Kurzlebigkeit des Gases im Vergleich zum langlebigen CO₂ relativ schnell zu einer Verringerung des Treibhauseffekts. Im Klartext: Kurzzeitig lässt sich der Klimawandel über Methanreduktionen rascher verlangsamen, als über geringeren CO₂‑Ausstoss.
Viele Massnahmen führen zum Ziel
Weniger Methan wäre demnach erstrebenswert. Nicht zuletzt, weil dieses Gas den Hauptanteil an den gesamten landwirtschaftlichen Treibhausgas-Emissionen hat. Die Frage nach dem «Wie» beantwortet Sixteen44 technisch. Agroscope gibt zu bedenken, es gebe keinen einzelnen, allgemeingültigen Weg zur Reduktion von Methanemissionen aus der Rindviehhaltung. «Die Wirksamkeit von Massnahmen hängt stark vom jeweiligen Produktionssystem, den betrieblichen Gegebenheiten sowie den regionalen Rahmenbedingungen ab.» Grundsätzlich gebe es eine Vielzahl verschiedener Ansätze, etwa Optimierungen in der Fütterung, züchterische Massnahmen, Verbesserungen im Herdenmanagement, eine höhere Tiergesundheit und Lebensleistung sowie technische und managementbezogene Massnahmen entlang der gesamten Produktionskette. «Auch neue Futterzusätze zeigen in bestimmten Systemen Potenzial.» Agroscope stellt klar, was entscheidend sei: dass die gewählten Massnahmen praxistauglich, wirtschaftlich tragfähig und auf den jeweiligen Betrieb abgestimmt sind. Man plädiere daher für einen systemischen Ansatz, statt auf eine einzelne Lösung zu setzen.

