Kurz & bündig
- Zink ist überlebenswichtig: Es beeinflusst u. a. Stoffwechsel, Wachstum und Heilung von Körpergeweben sowie das Immunsystem.
- Sowohl ein Zinkmangel als auch ein Zinküberschuss macht Schweine krank.
- Zinkgehalte für Schweinefutter sind in der Futtermittelgesetzgebung geregelt.
- Beim Absetzen helfen unter anderem gutes Management und moderne Futterzusätze (z.B. organische Säuren, Pro-/Präbiotika, mittelkettige Fettsäuren).
Ein Züchter beklagt, dass seine Jager nach dem Absetzen immer weniger fressen, im Wachstum stark zurückbleiben und teilweise leichten Durchfall bekommen. Der Tierhalter setzt auf das Ansäuern des Futters mit Essig. Weil er im Internet etwas über Zink gelesen hat, möchte er wissen, ob dies helfen könnte.
Gemeinsam mit der Suisag-SGD-Tierärztin wird ein Zinkmangel als mögliche Ursache ausgeschlossen. Weder Rationszusammensetzung (Futteretiketten) noch Futteranalyse sprechen für einen Zinkmangel. Weil die Absetzjager ausreichend mit Zink versorgt sind, wäre zusätzliches Zink nicht sinnvoll (siehe Box).
Wozu brauchen Schweine Zink?
Schweine sind darauf angewiesen, ihren Zinkbedarf über das Futter zu decken. Eine wichtige Rolle spielt Zink z. B. bei der Verwertung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweissen (Stoffwechsel), aber auch für das Wachstum, die Abwehr von Krankheiten (Immunsystem), die Qualität von Darmbarriere und Klauenhorn und für die Wundheilung.
Sowohl ein Zinkmangel als auch ein Zinküberschuss kann Schweine krank machen (siehe Bild und Tabelle). Bei einem Verdacht sollte zeitnah der Tierarzt (und der Futtermittelberater) beigezogen werden.

Wie entsteht Absetzdurchfall und was kann unternommen werden?
Ferkel durchleben beim Absetzen mehrere Herausforderungen. Die Trennung von der Sau und die plötzliche Futterumstellung und das Zusammentreffen mit wurffremden Ferkeln verursachen Stress auf mehreren Ebenen. Dies wirkt sich negativ auf den Darm und das Immunsystem aus, die durch den Kontakt mit neuen Krankheitserregern bereits stark gefordert sind.
Häufig führt diese Konstellation zu Futterverweigerung und Durchfall (z. B. ausgelöst durch E.coli-Bakterien). Vorsorgemassnahmen sollten den Absetzstress möglichst reduzieren und Darmgesundheit (inkl. Futter- und Wasseraufnahme) unterstützen. In der Europäischen Union (EU) wurde dazu während mehrerer Jahrzehnte hoch dosiertes Zink (als Tierarzneimittel) eingesetzt – bis zum Verbot im Jahr 2022.
Glücklicherweise gibt es heute geeignetere Alternativen, um die Darmgesundheit zu fördern: Pro- und Präbiotika enthalten nützliche Darmbakterien bzw. deren Nahrung und verbessern die Darmflora. Mittelkettige Fettsäuren hemmen unerwünschte Bakterien, liefern rasch verfügbare Energie und können die Darmbarriere und Darmflora unterstützen. Für eine sichere Wirkung ist eine Kombination verschiedener Massnahmen empfehlenswert.
Diese Massnahmen wurden auf dem Betrieb getroffen
Nach einer umfassenden Überprüfung des Absetzmanagements hat die SGD-Tierärztin zur Ergänzung des bestehenden Ferkelfutters mit Prä- und Probiotika sowie mittelkettigen Fettsäuren geraten. Dies unterstützt die Darmgesundheit. Der Tierhalter setzte dies gemeinsam mit dem Futtermittelberater um. Der Züchter erreicht nun bessere Tageszunahmen bei den Absetzjagern.

Warum sind hochdosierte Zinkgaben keine gute Idee?
Zinkgehalte für Schweinefutter sind gesetzlich geregelt: Der Höchstgehalt liegt aktuell bei 150 mg Zink pro kg Alleinfutter (bei 12 % Feuchtigkeit). Die früher in der EU eingesetzten hoch dosierten Zinkgaben lagen häufig mehr als 10-fach höher. Dabei gelangt das Zink mehrheitlich in die Gülle. Langfristig kann sich Zink in den mit dieser Gülle gedüngten Böden anreichern. Schlimmstenfalls kann dies nützliche Bodenlebewesen und Nährstoffkreisläufe beeinträchtigen und wichtige Bodenfunktionen negativ beeinflussen.
Ein weiterer negativer Aspekt ist die Förderung von Bakterien mit Antibiotikaresistenz. Wie die Anwendung von Antibiotika kann auch ein hoch dosierter Zinkeinsatz resistente Bakterien fördern. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Co-Selektion der gefürchteten MRSA (Multiresistente Staphylococcus aureus). MRSA verursachen bei Mensch und Tier Infektionen (z. B. Wundinfektionen), die nur schwer oder nicht behandelbar sind. Nutztiere gelten als mögliche Ansteckungsquelle.
Myriam Harisberger ist Tierärztin beim SGD-Büro Sempach-West der Suisag.

