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«Wir glauben an die robusten Rassen»

Nachdem Samira und Christoph Gerber-Waser Anfang des Jahres die Pacht übernommen hatten, schlug im Stall das Schicksal zu. Die Geburt eines gesunden «Munelis» gab dem Paar aber wieder Hoffung.

«Am 18. Dezember 2021 war das Wohnhaus unserer Verpächterfamilie in Bärenwil leer», erzählen Samira und Christoph Gerber-Waser, «und wir zogen vor Weihnachten auf unseren neuen Pachtbetrieb.» Dort verbrachten sie glückliche Feiertage und freuten sich auf den neuen Lebensabschnitt. Die vom Pächter übernommenen und ihre eigenen Tiere, die sie auf den Hof gebracht hatten, waren gesund. Die Zukunft schien verheissungsvoll.

Das Schicksal schlug zu

Aber dann, drei Wochen später, schlug das Schicksal zu: Sieben Kühe hatten über 40 Grad Fieber, zwölf Rinder waren betroffen von Lungenentzündung. «Wir waren nicht die einzigen Leidtragenden», hält der junge Landwirt fest, «auch in Ställen in der Nachbarschaft gab es die gleichen Probleme.»

«Das Leiden unserer Tiere hat uns emotional stark getroffen.»

Samira Gerber-Wasers Rinder litten an Lungenentzündung.

Einen Monat lang ging der Tierarzt bei Gerbers ein und aus – sie verloren eine Kuh und ein Kalb. Woher die Lungenentzündung kam, weiss man nicht. Der finanzielle Schaden sei verkraftbar, sagt Samira Gerber. Und fügt an: «Aber das Leiden unserer Tiere hat uns emotional stark getroffen.» Freude und Hoffnung kamen wieder auf, als am Tag, als die Tiere starben, ein gesundes «Muneli» zur Welt kam.

Die Freude an Kühen ist gross

Christoph Gerber ist auf dem Hof Obere Tannmatt im solothurnischen Herbetswil aufgewachsen und absolvierte die bäuerliche Ausbildung am Inforama Hondrich, im Berner Oberland. Er arbeitete drei Jahre als landwirtschaftlicher Mitarbeiter auf dem Hof Hintere Birtis bei der Familie Amport im solothurnischen Beinwil. Samira Gerber-Waser lebte bis 2014 in Rapperswil-Jona in einem nichtbäuerlichen Haushalt. Sie besass ein Pferd und hatte schon immer Freude an den Kühen und an der Landwirtschaft. Auf die Frage, wie sie sich kennengelernt hätten, antwortet die junge Frau lachend: «Das war unspektakulär, eigentlich gibt es da nicht viel zu erzählen.»

Pächterfamilie über Bekannte kennengelernt

Vor rund drei Jahren fingen sie an, sich nach einem Hof umzusehen. Denn die beiden wussten bald, dass sie zusammen eine Familie gründen und auf einem Betrieb ihr Lebenswerk aufziehen möchten. Wie in vielen Fällen fanden sie ihren Pachtbetrieb nicht in der Zeitung, sondern über Bekannte.

Der Verpächter Hanspeter Schweizer und sein Vater Hans fanden Gefallen am jungen strebsamen Paar. Gemeinsam engagierten sie Markus Bopp, Experte Schätzungen, Agrarrecht, Betriebswirtschaft beim Schweizerischen Bauernverband. Seine professionellen Ratschläge kamen gut an. Verpächter und Pächter sind überzeugt, dass sie mit dem Experten eine perfekte Lösung für alle erarbeiten konnten.

Auf den Nebenverdienst angewiesen

Samira Gerber-Waser arbeitet weiterhin Vollzeit als Justizangestellte in Ausbildung in einem Untersuchungsgefängnis. Die Stelle bringt unregelmässige Arbeitszeiten mit sich, was den beiden momentan entgegenkommt. Sie wollen den Hof möglichst allein bewirtschaften. Um die Arbeit zu erleichtern, planen sie einige Investitionen. Deshalb seien sie auf das Einkommen aus dem Nebenerwerb angewiesen.

Den beiden schwebt vor, dort im abgelegenen idyllischen Weiler eine Pflanzung einzurichten für eigenes Gemüse, der Hühnerhof ist bereits installiert. «Wir hoffen, die Pacht nach neun Jahren erneuern zu können», meint Christoph Gerber. «Wir möchten unbedingt hierbleiben.»

«Wir glauben an die robusten Rassen»
Auf dem Pachtbetrieb im Baselbieter Bärenwil haben sich Samira (im Bild) und ihr Mann einen Hühnerhof errichtet.

Sie schwören auf die Simmentaler Reinzucht

Die Simmentaler Reinzucht ihres Vorgängers wollen sie weiterhin erhalten, weil ihnen diese robuste Rasse, die ihre Milch vor allem aus dem Grundfutter produziere, sehr gefalle. Gefallen tun ihnen auch die drei Tiere anderer Rassen im Stall.

«Wir glauben an die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft.»

Samira und Christoph Gerber-Waser aus Bärenwil BL.

Sie sehen vor, ihre Kühe im Natursprung decken zu lassen. Sie glauben an die «gute alte» Kuhmilch. Und überhaupt an die Zukunft der schweizerischen Landwirtschaft, auch wenn andere daran zweifeln würden. «Wir verfügen über einen angenehmen Wohlstand hierzulande und können über wichtige Dinge abstimmen, auch für die Schwächeren wird geschaut», erklärt das Paar.

«Wir glauben an die robusten Rassen»
Letzten Herbst waren Samira und Christoph Gerber-Waser schon mal mit der Verpächterfamilie und deren Kühen an der Viehschau in Langenbruck SO.

Betriebsspiegel

Betriebsleiter: Christoph Gerber-Waser Ort: Bärenwil BL Arbeitskräfte: Samira Gerber-Waser, Verpächter Hans und Hanspeter Schweizer auf Abruf Produktionsart: IP-Suisse Fläche: 33,5 Hektaren Höhenlage: 780 m ü. M. Produktionszweige: 23 Milchkühe (hauptsächlich Simmentaler), 23 Rinder, ein Stier, acht Hühner, alte Hochstamm-Obstbäume für den Eigenbedarf Stalldurchschnit: 5300 kg Milch mit 4,08 % Fett und 3,49 % Eiweiss.

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