Jüngst sorgten schwarze Flecken im Käse für Schlagzeilen, die durch Bismut, ein in Zitzenversieglern enthaltenes Metall, verursacht wurden. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) forderten darauf den sofortigen Einsatzstopp der Versiegler, die die einzige Alternative zu Antibiotika darstellen – ein Rückschlag für die Antibiotikareduktion.
Aber: Nun gibt es eine Studie aus Deutschland, die den Ansatz des unvollständigen Melkens in einer Phase vor dem Trockenstellen untersuchte und vielversprechende Resultate liefert.
Software könnte helfen
Die Universität Bonn entwickelte nämlich ein Softwaremodul mit dem Ziel, eine Reduzierung der Milchleistung vor dem Trockenstellen zu erreichen, ohne die Gesundheit der Tiere zu beeinträchtigen, und führte eine Studie dazu durch. Dabei wurde bei Holsteinkühen etwa zehn Tage vor dem Trockenstellen durch Anwendung der Software das Melkzeug sukzessive früher abgenommen, durchschnittlich um 1,1 kg pro Tag, das heisst, der Ausmelkgrad wurde täglich reduziert.
Milchleistung von 21 auf 13,6 Liter/Tag gesenkt
Und tatsächlich: Bei allen Tieren konnte so die Milchleistung vor dem Trockenstellen gesenkt werden, durchschnittlich um etwa 700 Gramm pro Tag. Die Milchmengenreduktion wurde bei den Versuchstieren auf das Zehnfache dessen erhöht, was bei den Kontrolltieren als Leistungsdepression beobachtet wurde, schreiben die Studienautoren. Alle Kühe hatten vor dem Versuch und nach dem Versuch ein gesundes Euter. Die Milchleistung von durchschnittlich 21 kg/Tag vor dem Versuch konnte auf durchschnittlich 13,6 kg/Tag nach dem Versuch gedrosselt werden.
Die Mehrheit will es ausprobieren
Agroscope hat mittels einerUmfrage bei Schweizer Milchviehhaltenden das Potenzial für diese Möglichkeit des Trockenstellens in der Schweiz untersucht. Lea Bach, Agroscope, präsentierte die Resultate dazu einem Artikel in der «UFA-Revue».
Knapp sechs Prozent der Befragten gaben dabei an, den Ansatz des unvollständigen Melkens bereits zu kennen oder schon anzuwenden. Insgesamt 57 Prozent sind gemäss eigener Angaben bereit, unvollständiges Melken vor dem Trockenstellen auszuprobieren. Diese Ausprobierbereitschaft steige auf 69 Prozent, wenn eine automatische Durchführung im Melkstand und Melkroboter möglich wäre, so Bach.
Allerdings seien Unsicherheiten hinsichtlich Umsetzbarkeit und Milchablieferung geäussert worden, schreibt die Expertin. Hier sei festzuhalten, dass die Ablieferung des «ganzen Gemelks» mittlerweile nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben ist.
«Zukunftsträchtiger Ansatz»
Derzeit sei die Anwendung nur durch manuelle Melkzeugabnahme möglich, schreibt Lea Bach. Forschung und Industrie würden aber daran arbeiten, dass zukünftig eine Software für die automatische Verringerung der Milchleistung durch unvollständiges Melken im Melkstand und Melkroboter zur Verfügung stehe. Die Methode eigne sich besonders bei hohen Milchleistungen von mehr als 15 kg am Ende der Laktation.
Bach folgert: «Dieser Ansatz scheint zukunftsträchtig zu sein, mit dem Potenzial, den Antibiotikaverbrauch beim Trockenstellen zu verringern und gleichzeitig das Tierwohl zu fördern.»

