Mit einem Roboter zu melken ist längst keine Seltenheit mehr. In der Schweiz sind inzwischen weit über 500 im Einsatz, und es werden immer mehr. Bis der 1000ste Melkroboter in der Schweiz läuft, wird es wohl nicht mehr lange dauern. Denn das Interesse ist weiterhin gross, dies zeigte sich auch an der DeLaval-Baufachtagung vom letzten Dienstag in Sursee LU.
Hört man sich unter den Landwirten um, so ermöglicht die Anschaffung eines Melkroboters nicht nur eine Arbeitserleichterung, sondern auch mehr Flexibilität, eine bessere Betriebsführung und -hygiene und nicht zuletzt die nicht mehr festgebundenen Melkzeiten. In der Schweiz sind die Firmen DeLaval, Lely oder Lemmer-Fullwood wohl die grössen Player auf dem Markt.
Erster Melkroboter in der Schweiz wurde 1998 installiert
Ursprünglich wurde der Melkroboter in Holland erfunden. Anfang der Achtzigerjahre fanden dort die ersten Testläufe statt. In der Schweiz wurde der erste Melkroboter 1998 installiert. «Zirka 230 DeLaval-Roboter laufen zurzeit in der Schweiz», sagt Herbert Kirchhofer, Geschäftsführer von DeLaval. Aber er gibt zu, dass auch sie zurzeit unter dem tiefen Milchpreis leiden. «Die Stimmung unter den Bauern ist alles andere als gut», so der Fachmann.
Von der Firma Lely laufen zurzeit 260 Roboter in der Schweiz, und die Nachfrage sei weiterhin steigend. Dieses Jahr wurden schon über 50 Stück neu installiert, wie auf Anfrage der «BauernZeitung» bestätigt wurde. Trotz tiefem Milchpreis sei man bei Lely zufrieden mit dem Geschäftsjahr.
Alljährliche Servicekosten von 5000 bis 7000 Franken
Die Beweggründe für einen Kauf sind meistens klar: Betriebe ab 50 Kühe überlegen sich vermehrt, in einen Roboter zu investieren. Zirka 200'000 Franken kostet ein Roboter mit normaler Grundausrüstung. Dazu kommen die alljährlichen Servicekosten von 5000 bis 7000
Franken. Der Umstieg vom konventionellen Melken auf einen Roboter wirkt sich bei vielen Viehhaltern positiv auf ihre Lebensqualität aus.
Wer aber meint, mit einem Roboter hätte er im Stall nichts mehr zu tun, irrt sich: «Das Besuchsverhalten der Kühe im Roboter, die Gesundheit der Tiere und die Bedingungen im Stall müssen allerdings weiterhin selbst überwacht werden», sagt Urs Schmid, Produktleiter Melken bei DeLaval. Dies bestätigen auch viele Landwirte, denn es reiche nicht, nur am Morgen und am Abend die Auswertungen am Roboter zu analysieren.
Für Gruyère-Lieferanten ab 2022 verboten
Melkroboter sind heute fast überall anzutreffen: In Biobetrieben, in Betrieben, wo Konsummilch produziert wird, oder auch bei Käsereimilchproduzenten. Bei den Letztgenannten hat aber jede Käseorganisation ihr eigenes Pflichtenheft. So will Gruyère für ihren AOP-Käse ab 2022 keine Robotermilch mehr verarbeiten.
Jene Käsereimilchproduzenten, die momentan Roboter einsetzen, müssen diese bis zum 2. Juli 2022 ersetzen oder einen anderen Milchkäufer suchen. Bei Appenzeller oder beim Emmentaler seien diesbezüglich keine Einschränkungen geplant.
Um die Milchqualität auch beim Roboter zu erhalten, sollte eine Kuh nicht einfach nach Belieben zum Melken gehen können. Angestrebt wird in der Regel eine mittlere Melkfrequenz der Herde von 2,5 bis 2,7 Melkungen pro Tier und Tag. Die Melkfrequenz je Tier ist jedoch abhängig von der Milchmenge (Ziel >10 kg Milch je Melkung), dem mittleren Minutengemelk und dem Laktationsstand.
In der ersten Laktationshälfte sollen die Kühe bei hohen Milchleistungen in der Regel bis zu drei Mal täglich gemolken werden. Gegen Ende der Laktation sinkt die Melkfrequenz auf zwei oder weniger Melkungen je Tier und Tag.
Nicht zu viel Kraftfutter auf einmal
Um die Tiere zum Melkautomaten zu locken, wird den
Kühen Kraftfutter je Besuch
zugeteilt. Zu grosse Mengen Kraftfutter je Besuch sind zu vermeiden, da dieses in der für die Melkung zur Verfügung stehende Zeit nicht aufgenommen werden kann und der Melkautomat durch die Kraftfutteraufnahme blockiert wäre. Denn wenn ein Roboter 60 bis 70 Kühe in 24 Stunden schaffen soll, darf keine Minute verloren gehen. Um einen Melkroboter voll auszulasten, sollte eine tägliche Milchmenge von mindestens 2000 kg realisiert werden können.
«Einer der wichtigsten Punkte beim Einsatz eines Melkroboters ist, dass die Kühe mehrmals täglich den Melkautomaten freiwillig aufsuchen», sagt Urs Schmid. Damit dies gelinge, sei neben der richtigen Anordnung des Melkautomaten im Stall eine gute Abstimmung zwischen Futtervorlage am Trog und Kraftfutterzuteilung im Melkautomaten von entscheidender Bedeutung. «Dies muss für jeden Betrieb individuell auf die jeweiligen Voraussetzungen angepasst werden», ist Schmid überzeugt. So sei es hilfreich, wenn mehrmals pro Tag frisches Futter vorgelegt werde. Die Kühe werden so motiviert, vom Liegebereich via Roboter (gelenkter Kuhverkehr) zur Futterachse zu gelangen.
Auch kurzer Weidegang lässt sich mit dem Robotermelken kombinieren. Das Problem dabei sind allerdings die weiten Entfernungen und die geringe Besuchsfrequenz der Kühe im Roboter. Das hat zur Folge, dass Kühe bei einem Robotersystem meistens im Stall gehalten werden.
Individuelle Unterstützung wird angeboten
Insofern sind die oben genannten Empfehlungen als Richtschnur zu werten, die entsprechend modifiziert werden müssen. Wichtig ist, dass die technischen Möglichkeiten der programmgesteuerten Futterzuteilung im Melkroboter optimal genutzt werden, damit die physiologischen Anforderungen der Kuh erfüllt werden. Und zwar sowohl was den Laktationstart (Steigerung der Kraftfutteraufnahme) als auch die Zuteilung nach Leistung im weiteren Laktationsverlauf betrifft.
Hier bieten die Melkroboterhersteller in unterschiedlichem Umfang individuelle Unterstützung an, was durchaus in die Kaufentscheidung einfliessen sollte. In den Kaufverhandlungen sollte eventuell eine kostenfreie Unterstützung durch Fachpersonal der Hersteller über einen gewissen Zeitraum ausgehandelt werden.
Peter Fankhauser

