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Gesunde Klauen für starke Sauen und gute Leistung

Gesunde Klauen sind eine wichtige Voraussetzung für Tierwohl und Wirtschaftlichkeit in der Schweinehaltung. Welche Faktoren die Klauengesundheit beeinflussen und worauf Betriebe achten sollten, erklärt Tierarzt Iwan Nussbaumer.

«Klauengesundheit ist ein sehr wichtiger Faktor für Gesundheit und Leistung der Schweine generell», sagt Iwan Nussbaumer von der Tierarztpraxis Hintze in Ehrendingen AG. Dabei gehe es nicht nur um Muttersauen. Auch Mastschweine und Eber können von Klauenerkrankungen betroffen sein. Gemeinsam ist allen Klauenproblemen, dass sie Schmerzen verursachen. Diese bleiben nicht ohne Folgen: Tiere bewegen sich weniger, zeigen Leistungseinbussen und können in ihrer Nutzungsdauer eingeschränkt werden.

Zu den häufigsten Klauenerkrankungen in der Praxis zählen Kronsaumentzündungen, sogenannte Panaritien. Sie entstehen meist infolge von Verletzungen. Gleichzeitig weist Nussbaumer darauf hin, dass die Ursache nicht immer direkt an der Klaue selbst zu suchen ist. Auch Erkrankungen anderer Bereiche des Bewegungsapparates können sich letztlich in Form von Klauenproblemen bemerkbar machen.

Der Stallboden spielt eine Schlüsselrolle

Geht es um die Ursachen von Klauenproblemen, wird häufig zuerst über die Fütterung diskutiert. Nach Einschätzung des Schweinetierarztes ist deren Einfluss jedoch begrenzt, sofern die Tiere bedarfsgerecht versorgt werden. Eine deutlich grössere Bedeutung misst er den Haltungsbedingungen bei.

Insbesondere der Stallboden und die Gestaltung des Aufstallungssystems können die Klauengesundheit massgeblich beeinflussen. Deshalb sei es oft schwierig, allgemeingültige Managementfehler zu benennen. «Jeder Betrieb ist individuell», erklärt Nussbaumer. Häufig zeige sich jedoch, dass Probleme im Haltungssystem eine entscheidende Rolle spielen. «Fehler im Aufstallungssystem sind mit fachlicher Hilfe leichter zu erkennen und sehr oft die Ursache der Problematik.»

Früherkennung statt Reparatur

Eine zentrale Aufgabe der Tierhalter(innen) ist die regelmässige Kontrolle der Tiere. Überlange Klauen, sogenannte Stallklauen, sollten möglichst früh erkannt werden. Ist ein Klauenschnitt erforderlich, lässt sich dieser bei Muttersauen während des Abferkelns oft am einfachsten durchführen.

Gesunde Klauen für starke Sauen und gute Leistung
Für den Tierarzt Iwan Nussbaumer ist eine ganzheitliche Betrachtung wichtig.



Dabei dürfen auch die Eber nicht vergessen werden. Obwohl sie zahlenmässig nur einen kleinen Teil des Bestandes ausmachen, können auch bei ihnen Klauenprobleme auftreten und die Einsatzfähigkeit beeinträchtigen.

Gleichzeitig betont Iwan Nussbaumer, dass nicht jeder Betrieb zwingend eine regelmässige Klauenpflege benötigt. «Es gibt Betriebe, die keine Klauenpflege durchführen müssen, weil es kein Problem mit der Klauengesundheit gibt.» Entscheidend sei deshalb weniger eine starre Routine als vielmehr die konsequente Beobachtung des Bestandes.



Ursachen bekämpfen statt Symptome lindern

Fütterungsmassnahmen oder eine angepasste Mineralstoffversorgung können dazu beitragen, die Situation in einem Bestand zu verbessern. Sie ersetzen jedoch keine Ursachenbekämpfung. Bestehende Probleme liessen sich zwar teilweise abmildern, die eigentlichen Auslöser müssten jedoch identifiziert und beseitigt werden.

Gerade deshalb ist eine ganzheitliche Betrachtung wichtig. Klauenprobleme entstehen häufig durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Neben Haltung und Management können auch genetische Einflüsse eine Rolle spielen. Nussbaumer spricht sich deshalb für eine konsequente Selektion auf stabile Klauen in der Zucht und Vermehrung aus.

Jede zusätzliche Produktionsperiode zählt

Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Klauenerkrankungen sind erheblich. Sie beeinflussen nicht nur das Wohlbefinden der Tiere, sondern auch Fruchtbarkeit, Leistung und Nutzungsdauer. Wissenschaftliche Untersuchungen haben diesen Zusammenhang mehrfach belegt.



Für die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs ist insbesondere die Lebensleistung einer Sau oder eines Ebers entscheidend. Diese ergibt sich aus den Kosten für Aufzucht und Remontierung sowie den Leistungen, die ein Tier während seiner Nutzungsdauer erbringt. Muss eine Jungsau bereits nach kurzer Zeit aufgrund von Klauenproblemen aus der Herde genommen werden, entstehen Verluste, bevor sich die Investition überhaupt amortisieren konnte.

«Je länger die Sau und der Eber in Produktion bleiben können, desto besser die Lebensleistung des Tieres», fasst Iwan Nussbaumer zusammen. Prävention sei deshalb nicht nur aus Sicht des Tierwohls, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll.

Probleme ganzheitlich analysieren

Treten in einem Bestand wiederholt Lahmheiten oder andere Klauenprobleme auf, empfiehlt der Schweinetierarzt Iwan Nussbaumer eine umfassende Bestandsabklärung. «Falls Probleme mit der Klauengesundheit in einem Bestand vorhanden sind, empfehle ich eine Abklärung durch eine Fachtierärztin oder einen Fachtierarzt für Schweine.»

Der Vorteil einer solchen Analyse liege darin, dass sämtliche Einflussfaktoren berücksichtigt werden können. Denn nachhaltige Lösungen entstehen meist erst dann, wenn Haltung, Management, Tiergesundheit, Fütterung und Zucht gemeinsam betrachtet werden.

Klauengesundheit ist damit weit mehr als ein Detail der Tierhaltung. Sie beeinflusst das Wohlbefinden der Tiere ebenso wie deren Leistungsfähigkeit und Nutzungsdauer – und gehört damit zu den zentralen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schweineproduktion.