Der Herbst hält Einzug und die letzten Tage waren in vielen Regionen der Schweiz ziemlich nass. Auf vielen Betrieben wird im Herbst nichtsdestotrotz geweidet, oder es wird eingegrast. Fütterungstechnisch bringt dies einige Schwierigkeiten mit sich, die es zu beachten gilt. Mit einfachen Massnahmen gelingt aber auch die Übergangsfütterung im Herbst.
Frisches Weidegras führt mitunter zu Durchfall
Frisches Weidegras ist strukturarm, eiweissreich, feucht und unter Umständen auch mit Erde behaftet. Diese Eigenschaften führen tendenziell zu Durchfall neigenden Kotkonsistenzen, wenn Frischgras in grossen Mengen aufgenommen wird. Der Eiweissüberschuss kann auch zu erhöhten Harnstoffgehalten führen, was dem Stoffwechsel schadet und die Fruchtbarkeit verschlechtern kann. Ausserdem besteht die Möglichkeit, dass es bei strukturarmem und taufrischem Frischgras in Kombination mit zu hohen Kraftfuttergaben vermehrt zu Blähungen kommt. Diesen genannten Eigenschaften gilt es entgegenzuwirken.
Frischgras mit Struktur ergänzen
Das strukturarme Frischgras mit genügend Struktur zu ergänzen, ist einer der wichtigen Punkte, die es zu beachten gilt. Idealerweise wird den Tieren vor dem Weidegang oder dem Eingrasen Futter zur Verfügung gestellt, das reich an Struktur ist. Dadurch kann das strukturarme Frischgras im Pansen abge-puffert werden und die Gefahr einer Blähung wird verringert. Das strukturreiche Futter hilft auch, die Kotkonsistenz stabil zu halten.
Als strukturreiches Futtermittel eignet sich Heu oder Silage vom ersten Schnitt von bester Qualität. Idealerweise wird damit auch das Problem der Eiweissüberversorgung etwas gemindert. Die Tiere sollten aber dennoch leicht hungrig auf die Weide, damit diese auch genutzt und nicht nur zertrampelt wird. Grundsätzlich gilt im Herbst: «Nie mit leerem Pansen auf die Weide.» Die Strukturversorgung kann durch das Zählen der Wiederkauschläge kontrolliert werden. Diese befinden sich idealerweise bei mindestens 55 Kauschlägen pro Bissen.
Eiweissüberschuss entgegenwirken
Eine andere Herausforderung ist es, das Eiweissangebot zusammen mit dem Energieangebot in einem Gleichgewicht zu halten. Bei hohen Frischgras-Anteilen wird die grosse Menge an Rohprotein im Pansen zu Ammoniak abgebaut, welcher in der Leber zu Harnstoff entgiftet wird. Dies zeigt sich dann unter anderem in hohen Harnstoffgehalten in der Milch. Der Eiweissüberschuss kann beispielsweise mit genügend pansenverfügbarer Stärke abgefedert werden.
Aber Achtung bei der Abbaubarkeit der Futtermittel. Die Energie soll nicht nur mit leicht verdaulichen Energieträgern zugeführt werden, da dies das Problem des Strukturmangels verschärfen kann. Abhilfe kann hier die Stärke aus dem Mais (Grünmais oder auch Silage) schaffen, welche langsam abbaubar ist und so den Pansenmikroben kontinuierlich Energie zur Verfügung stellt. Wie bereits erwähnt, kann hier auch Heu oder Silage mit hohen Energiegehalten Abhilfe schaffen.
Kraftfutterzuteilung überdenken
Wenn der Harnstoff im Herbst durch das Frischgras in die Höhe schnellt, kann der Landwirt oder die Landwirtin davon ausgehen, dass bereits mehr als genug Eiweiss in der Tagesration vorhanden ist. Dann macht es keinen Sinn, zusätzliche Proteinkomponenten zu verfüttern. In Mischrationen können Proteinkomponenten während dem Herbst etwas reduziert werden. Die Anpassungen erfolgt jeweils mithilfe der Tankmilchproben oder der Milchleistungsprüfung. Auch kann die Menge von einzeln verabreichten Proteinausgleichsfuttern verringert werden oder es wird zeitweise auf ein Kraftfuttermittel gesetzt, das reich an Energie ist. Spätestens ab 30 mg Harnstoff/dl sollte man sich Gedanken über allfällige Massnahmen machen.
Startphasentieren besondere Beachtung schenken
Besonders dramatisch ist die Überversorgung an Eiweiss für Tiere, die frisch in die Laktation gestartet sind. Der Eiweissüberschuss bekräftigt den Abbau von Körperfett, was in einer klinischen Ketose enden kann. Falls die Möglichkeit besteht, macht es Sinn, Startphasentiere nicht zu sehr mit Frischgras aus dem Herbst zu füttern. Diesen Tieren sollte energiereiches Heu oder Silage von bester Qualität angeboten werden, welches keinen Eiweissüberschuss generiert. Ausserdem kann bei diesen Tieren ein gezielt verabreichtes Startphasenfutter sinnvoll sein, um das Energiemanko möglichst gering zu halten und sie so von der Stoffwechselkrankheit zu bewahren.
Die Fütterung im Herbst ist anspruchsvoll. Dennoch ist es wichtig, dass die Tiere möglichst bedarfsgerecht versorgt werden und so der Herbst nicht zur Fütterungsfalle wird. Durch regelmässige kleine Anpassungen aufgrund der vorhandenen Daten und den gezielten Einsatz der vorhandenen Futtermittel gelingt so der Übergang in die Winterfütterung.

