Das Festlegen einer Rangordnung gehört zum natürlichen Verhalten von Schweinen und macht durchaus Sinn: Eine bekannte Rangordnung in einer stabilen Gruppe vermindert die Auseinandersetzungen in einer solchen. Die dadurch eingesparte Energie kann die Sau in ihre Reproduktionsleistungen stecken. Ausserdem steigert sich das Wohlbefinden der Tiere.
Durch heftige Kämpfe kann die Fruchtbarkeitsleistung aber negativ beeinflusst werden. Kleinere oder leichtere Würfe wurden in verschiedenen Studien nachgewiesen. Sauen, die sehr stark unter Auseinandersetzungen leiden, können Embryonen resorbieren und anschliessend umrauschen. Ob die Gruppenhaltung negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeitsleistung hat, hängt von mehreren Faktoren ab und kann durch die Gestaltung des Stalles und das Management beeinflusst werden.
Sauen erkennen sich in der Gruppe
Welchen Rang eine Sau hat, wird mit Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Tieren geklärt. Das geschieht vor allem dann, wenn Tiere zusammengeführt werden, die sich vorher nicht kannten. Ältere und schwerere Tiere gewinnen diese Auseinandersetzungen in der Regel und belegen die vorderen Plätze der Rangordnung. Damit diese stabil bleibt, müssen sich die Tiere einzeln erkennen. Bis heute ist unklar, bis zu welcher Gruppengrösse Sauen ihre Artgenossinnen individuell unterscheiden können.
Eine Forschergruppe aus Schottland konnte nachweisen, dass Sauen auch in Gruppen von bis zu 80 Tieren noch erkennen, welche Sau zur Gruppe gehört und welche nicht. Auf die Frage, wie lange Sauen sich an die einzelnen Artgenossinnen und damit an ihre Rangordnung erinnern, fanden Dale Arey und seine Kollegen Ergebnisse zwischen ein und sechs Wochen. Das würde auf jeden Fall bedeuten, dass auch Sauen in stabilen Gruppen nach der Säugezeit und dem Aufenthalt im Deckzentrum die Rangordnung mithilfe von Rangkämpfen wieder neu definieren müssen.
Sauen vorgruppieren
Wenn die neu eingegliederten Sauen vorgruppiert werden, kommt es nach der Eingliederung in eine Grossgruppe zu wesentlich weniger Auseinandersetzungen. Das geschieht am einfachsten im Deckzentrum, falls dieses genug Raum dafür bietet. Kann sich dort bereits eine Rangordnung innerhalb der Untergruppe bilden, führt das zu einer ruhigeren Eingliederung der Untergruppe in die Grossgruppe.
Ausweichmöglichkeiten schaffen
Wichtig ist auch die Gestaltung der Bucht. Sackgassen und Durchgänge, die von einer einzelnen ranghohen Sau blockiert werden können, sind zu vermeiden. Ausweichmöglichkeiten für unterlegene Sauen sollten in solchen Fällen bestehen. In der Haltung von Grossgruppen ist das meist weniger problematisch: Systeme, die mehrere Liegenischen bieten sind hier verbreitet. Diese Liegenischen sollen so gestaltet werden, dass sich eine Sau vollständig hinter einer Trennwand verstecken kann.
Nur so ist sie für eine Angreiferin nicht mehr erkennbar und geschützt. In Grossgruppen können Sauen einander aufgrund der grösseren Grundfläche einfacher ausweichen. In Kleingruppen besteht hingegen die Schwierigkeit, dass der Raum aufgrund der knappen Fläche nicht ideal strukturiert werden kann.
Eine Frage des Managements
Auch bei nicht idealen baulichen Voraussetzungen gibt es Möglichkeiten, die Gruppierung der Galtsauen ruhiger zu gestalten. Sauen mit Tiershampoo zu waschen, um den individuellen Geruch etwas zu überdecken, ist eine von vielen Möglichkeiten. Das zurückhaltende Einreiben mit stark riechenden pflanzlichen Substanzen bewirken dasselbe.
Weiter ist es wichtig, dass die Sauen vor der Gruppierung ausreichend Futter aufgenommen haben. Denn hungrige Sauen reagieren rascher aggressiv. In der Praxis spricht dies für den Gruppierungszeitpunkt morgens nach der Fütterung. Wird abends neu gruppiert, kann hingegen von der verminderten Aktivität der Sauen profitiert werden. Ausreichend Einstreu, Raufutter oder besonderes Beschäftigungsmaterial wie z. B. Apfeltrester lenken von neuen Gruppenmitgliedern ab. Für mehr Ruhe in der Sauengruppe sorgt ausserdem die Anwesenheit eines Ebers. Gehen die Kämpfe weiter, hilft manchmal nur noch das vorübergehende Separieren des Einzeltieres.

