Mit der Intensivierung der Schweineproduktion hat auch die Häufigkeit von Lungenkrankheiten bei Schweinen zugenommen. Sowohl in der Mast als auch durch die Untersuchungen der Lunge am Schlachthof ist diese Entwicklung gut dokumentiert. Dies bestätigt auch Alois Estermann vom Schweinegesundheitsdienst: «Husten, Kurzatmigkeit und andere Befunde, welche auf Lungenprobleme hinweisen, sind in der Praxis immer wieder zu finden.»
Lungenkrankheiten sind oft ein Herdenproblem
Gemäss Alois Estermann sind Lungenkrankheiten meist ein Herdenproblem und die Folge von Immunitätsschwäche, hohem Infektionsdruck und Managementfehlern bezüglich Klima oder Lüftung. Nicht nur der allgemeine Gesundheitszustand der Tiere, sondern auch die Mastleistung leidet unter Lungenkrankheiten. Am häufigsten kommt die Krankheit Hämophilus Parasuis vor. «Hier spielt die Immunität des Herkunftsbetriebes und die Haltung (Tierdichte und Klima) eine Rolle», erklärt Estermann.
Stallklima ist entscheidend
Häufig werden Erkrankungen der Atemwege bei Schweinen nicht durch eine Ursache alleine ausgelöst. Durch die Anpassung der Lunge an die Haltungsumwelt des Tieres können auch nicht-infektiöse Faktoren zueiner Entwicklung von Krankheiten des Atemwegsapparates beitragen. Bei ausgewachsenen Schweinen kann ein Ammoniakgehalt von 20 ppm (Teile pro Million) in der Luft bereits Schäden anrichten. Bei Saugferkeln bereits schon bei 10 ppm. Ist der Ammoniakgehalt der Luft zu hoch, wird die Fähigkeit der Lunge, sich selbst von Bakterien zu reinigen, herabgesetzt. Ist das Stallklima also schlecht, verursachen Bakterien unterschiedliche Krankheiten.
Mehrere Faktoren sind die Ursache
Das Stallklima wird aber nicht nur durch die Konzentration von Schadgasen wie Ammoniak oder Schwefelwasserstoff beeinflusst. Auch Faktoren wie
- Luftfeuchtigkeit,
- Lufttemperatur,
- Entmistungsverfahren,
- Belegdichte,
- Staubbelastung und Zugluft spielen eine Rolle.
Gesundheitsschädigende Folgen der intensiven Tierhaltung auf Mensch und Tier sind bereits hinlänglich bekannt. Bei Schlachtkörperuntersuchungen von Schweinen konnten Lungenveränderungen in diesem Zusammenhang mit einer Häufigkeit von bis zu 80 Prozent beschrieben werden.
«Wenig Probleme mit Respirationskrankheiten»
Christine Schaller, Fachtierärztin der Schweinepraxis «Schaller & Figi GmbH», sieht in der Schweiz, im Gegensatz zum angrenzenden Ausland, wenig Probleme mit Respirationskrankheiten. «Die Enzootische Pneumonie (EP) wurde in der Schweiz erfolgreich saniert und PRRS (Porcine reproduktives und respiratorisches Syndrom) ist hier eine auszurottende und somit meldepflichtige Tierseuche. Am häufigsten kämpfen wir mit Influenza-Einbrüchen auf den Betrieben, selten mit Bordetellen. Letzteres vor allem im Zusammenhang mit schlechtem Stallklima», so die Tierärztin.
Saugferkel kümmern
Alois Estermann ist allerdings anderer Meinung: «Bordetellen stellen bei Saug- und Aufzuchtferkeln immer wieder ein Problem dar. Oftmals ist zuerst ein Niesen zu beobachten, weiter folgt bellender Husten. Werden Ferkel nicht behandelt, kommt es zum Kümmern.» Ursache sei grösstenteils die zu trockene Luft (relative Luftfeuchtigkeit unter 50 %) im Abferkelstall, so Estermann. Dies schädige die oberen und unteren Atemwege und fördere die Erkrankung durch Bordetellen.
Harte Folgen durch Seuchenpolizei
Der Experte zieht die Bilanz, dass die Häufigkeit von Lungenkrankheiten in den letzten Jahren gleich geblieben sei. Aber obwohl Husten meldepflichtig ist, würden dies Schweinehalter weniger häufig oder gar nicht mehr melden. Beim Nichtmelden von Husten mit der Ursache einer Seuche wie EP oder Actinobacillose, drohen durch die Seuchenpolizei harte Folgen, fügt Estermann hinzu.
Wie kann man Lungenkrankheiten vorbeugen?
Folgende Massnahmen können in der Schweinehaltung ergriffen werden, um Respirationskrankheiten vorzubeugen:
- Managementoptimierung; Rein/Raus mit Reinigung und guter Desinfektion (drei Tage trocknen lassen)
- kleine Einheiten mit 25 Schweinen pro Bucht planen
- Mast: Herkunftsbetriebe mit Hämophilus-Parasuis- (HPS)-Stämmen, die Immunität versprechen, auswählen oder Schweine von HPS-freien Zulieferbetrieben dagegen impfen
- Klimaoptimierung; adäquate Temperatur beim Einstallen, entsprechende Luftmenge und Luftqualität, Luftgeschwindigkeit
- Schadgasbildung von CO2 und Ammoniak vermeiden

