Ende Trächtigkeit brachten zwei Erstlingssauen in einem kleinen Zuchtbetrieb zeitgleich lauter mumifizierte Ferkel zur Welt. Der erfahrene Schweinehalter informierte den SGD, worauf am selben Tag ein Spezialbesuch erfolgte.

Für die Abklärungen wurden drei der Mumien und die Nachgeburt nach Zürich in die Veterinärpathologie gebracht. Dort wurden die mumifizierten Ferkel seziert, von Auge beurteilt und Proben für die umfangreichen Untersuchungen auf die verschiedenen Krankheitserreger entnommen.

Von aussen konnten keine besonderen Veränderungen erkannt werden. Bald waren glücklicherweise alle relevanten Tierseuchen-Erreger (Aujeszky, Brucellose, PRRS und Schweinepest) als Ursache ausgeschlossen. Es wurden keine Hinweise gefunden, dass der Spätabort durch Parvoviren oder Bakterien (z.B. Leptospiren) verursacht worden war.

Mehr Zeit braucht die Untersuchung von Gewebeschnitten, da deren Herstellung aufwändig ist. Doch der Aufwand lohnte sich. Bei zwei Ferkeln konnten im Herzmuskel Abbau- und Verkalkungsprozesse gefunden werden, die typisch für eine Infektion mit porzinem Circovirus Typ 2 (PCV-2) sind. Dieser Befund konnte anschliessend mittels immunhistochemischer Untersuchung bestätigt werden.

In der Zwischenzeit kam es auf dem Betrieb auch noch zu einem Spätabort bei einer Altsau. Dem Schweinehalter wurde deshalb empfohlen, von nun an die Remonten und Sauen gegen PCV-2 zu impfen. Zur Unterstützung wurde ihm ein Impfschema zur Verfügung gestellt. Aber Achtung: Nicht jeder Circo-Impfstoff ist für die Impfung von Sauen während der Trächtigkeit oder Laktation geeignet.

Verschiedene Ursachen für Aborte und Totgeburten bei Schweinen

PCV-2 bedingte Fruchtbarkeitsstörungen gelten als relativ selten. Sie kommen vor allem in Betrieben mit einem hohen Jungsauenanteil vor. Doch wie dieser Fall zeigt, ist eine Abklärung auf PCV-2 sinnvoll. Besonders, wenn die Probleme vorwiegend bei Jungsauen und in der Hochträchtigkeit auftreten. Diese können sich als Abort oder in Form von erhöhten Totgeburten äussern, die Ferkel können dabei abgestanden (Mumien) oder vollständig entwickelt sein.

PCV-2 greift wie andere Infektionserreger (z.B. Parvo- und PRRS-Virus) die Ferkel respektive die Gebärmutter direkt an. Dadurch sterben ein oder mehrere Ferkel in der Gebärmutter ab.

Diese Infektionen führen häufig zu einer Mumifikation. Dabei werden die abgestorbenen Ferkel zurückgehalten, trocknen aus und verfärben sich durch Abbauvorgänge dunkel. Die mumifizierten Ferkel werden zusammen mit den lebenden, normal entwickelten Ferkeln geboren.

Andere Krankheitserreger (z.B. Rotlauf, Influenza und Schweinepest) führen indirekt zum Absterben der ungeborenen Ferkel, indem sie Fieber verursachen. Durch eine starke Erhöhung der Körpertemperatur kommt es zu einer verstärkten Prostaglandin-Ausschüttung und dadurch zum Abbruch der Trächtigkeit (Abort). Auch nicht infektiöse Ursachen wie Stress (z.B. durch Rangkämpfe oder Hitze) können eine Körpertemperatur-Erhöhung und ein Verwerfen verursachen.

Neben Infektionserregern treten vermehrte Totgeburten im Zusammenhang mit zunehmender Wurfgrösse, bei älteren Sauen, bei Fütterungsproblemen (Mykotoxine, Mineralstoffmangel) sowie aufgrund von Geburtsproblemen auf.

Die Unterscheidung zwischen abgestandenen und entwickelten Totgeburten gibt Hinweise auf die Ursache. Normal entwickelte, tot geborene Ferkel sterben in den meisten Fällen während des Geburtsvorgangs an Sauerstoffmangel. Solange die Nabelschnur funktionstüchtig ist, sind die Ferkel über diese mit Sauerstoff versorgt. Da sie aber relativ lang ist, kann sie sich während der Geburt verwickeln oder reissen.

Vorsicht ist deshalb beim Einsatz von wehenfördernden Medikamenten wie Oxytocin geboten: Wird dieses zu früh, zu oft oder in einer zu hohen Dosis (mehr als 2 ml) eingesetzt, steigt das Risiko für Nabelschnurrisse. Hält die Unterversorgung mit Sauerstoff zu lange an, stirbt das Ferkel.

Während bei Jungsauen häufig das erste Ferkel tot geboren wird, weil es den Geburtsweg weiten muss, sind es bei älteren Sauen eher die letzten Ferkel (Wehenschwäche, grosse Würfe).

Totgeburten oder nach der Geburt verstorben?

Ist man nicht direkt bei der Geburt dabei, kann es schwierig sein, eine entwickelte Totgeburt mit Sicherheit zu erkennen. Möglich wäre auch, dass das Ferkel erst kurz nach der Geburt verstorben ist.

Von aussen gibt es Hinweise, die zuverlässig auf eine Totgeburt schliessen lassen. Ein klarere Hinweis ist das Vorhandensein einer weichen Hornzubildung an den Klauen, den sogenannten Slippers (lateinisch Eponychium), welche die Verletzung der Geburtswege durch die Ferkel verhindert. Nach der Geburt trocknet dieses Horn rasch aus und wird durch die Bewegungen des Ferkels abgerieben. Sind die Slippers vollständig vorhanden, handelt es sich ziemlich sicher um eine Totgeburt.

Wichtig zu wissen

In der Tierseuchenverordnung ist vorgeschrieben, dass:

  • Der Tierhalter jedes Verwerfen von Schweinen einem Tierarzt meldet.
  • Der Tierarzt eine Untersuchung durchführt, wenn in einem Bestand mehr als ein Schwein innert vier Monaten verworfen hat.

Die Untersuchungskosten für die Abklärung auf:

  • Abortverursachende Tierseuchenerreger (Brucellose, Ausjeszky und PRRSV) werden in der Regel vom zuständigen Kanton übernommen.
  • Andere Erreger von Aborten und Totgeburten können bei SGD-Betrieben mit dem Laborguthaben verrechnet werden.

Umgang mit Abortmaterial (tote Ferkel und Nachgeburt):

  • Kein Kontakt von schwangeren Frauen mit dem Material.
  • Bei Kontakt Einweghandschuhe tragen.
  • Für eine Untersuchung mindestens drei tote Ferkel und die Nachgeburt gekühlt (nicht im Gefrierschrank) aufbewahren.

Was kann der Betrieb tun

  • Die Remonten, Sauen und Eber regelmässig gegen Rotlauf (mind. 2× jährlich) und Parvovirose (mind. 1× jährlich) impfen.
  • Stress während der Trächtigkeit vermeiden.
  • Die Geburten gut überwachen und bei Bedarf professionelle Geburtshilfe leisten.
  • Tot geborene Ferkel konsequent erfassen, um Probleme frühzeitig zu erkennen (Zielwerte: tot geborene Ferkel pro Wurf ≤ 1, Totgeburtenrate ≤ 7% bei Jungsauen respektive ≤ 8% bei Altsauen).
  • Eine hohe Totgeburtenrate oder eine ungewöhnliche Zunahme der Totgeburten mit dem SGD-Berater besprechen.

Weitere Infos: SGD-Merkblätter «Fruchtbarkeit» und «Geburt»