Der Bund plant die Einführung von gesetzlichen Höchstwerten für PFAS in Milch und Milchprodukten. Vorsorglich entnahm das kantonale Labor Zürich im Kanton Zürich seit vergangenem August jeweils Milchproben vom Milchtanklastwagen bei der Hofabfuhr oder bei der Abgabe der Milch in die Käsereien des jeweiligen Landwirts. Diese Milchproben werden nun auf PFAS untersucht.
Im Kanton Appenzell Ausserrhoden läuft die Beprobung seit dem 10. Oktober und endete Ende November. Jeder Betriebsleiter, der sich für die freiwillige PFAS-Untersuchung anmeldete, bekam ein Beprobungsset vom Interkantonalen Labor Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und Schaffhausen zugeschickt und fasste jeweils in zwei Fläschchen je eine Milchprobe sowie in weitere Fläschchen Wasserproben von jeder hofeigenen Quelle.
Bauernverbände für Monitoring
Mitgemacht hat auch Beat Brunner, Milchproduzent und Bauernpräsident Appenzell Ausserrhoden aus Schönengrund (AR). «Wir vom Bauernverband gaben die Empfehlung aus, sich an der Untersuchung zu beteiligen», sagt Brunner. «Auch wir vom Zürcher Bauernverband (ZBV) unterstützen das PFAS-Monitoring», sagt ZBV-Vorstandsmitglied und Milchproduzent Andreas Buri aus Ossingen (ZH).
Die Bauernzeitung wollte von Beat Brunner und Andreas Buri wissen, warum sie sich für Probeentnahmen entschieden und was sie vom jeweiligen Kanton erwarten.
«Ich will wissen, wo mein Betrieb punkto PFAS-Belastung steht»
Beat Brunner, Milchproduzent und Bauernpräsident Appenzell Ausserrhoden aus Schönengrund (AR)
Wir sind ein typischer Appenzeller Milchwirtschaftsbetrieb und produzieren IP Suisse Wiesenmilch. Das Ziel von unserem Betrieb und der gesamten Landwirtschaft ist, dass wir die Bevölkerung mit gesunden, qualitativ einwandfreien Produkten versorgen können. Deshalb will ich wissen, wo mein Betrieb steht in Hinblick auf die PFAS-Belastung in der Milch.

Sollte in der Schweiz ein Höchstwert für Milch eingeführt wird, kann ich mich vorbereiten und Massnahmen ergreifen. Würde sich herausstellen, dass beispielsweise mein Tränkewasser belastet ist, könnte ich mich der öffentlichen Wasserversorgung anschliessen.
Mitmachen war freiwillig
Das Beprobungskonzept hat der Kanton zusammen mit dem Bauernverband Appenzell Ausserrhoden und weiteren Branchenakteuren auf die Beine gestellt. Dabei haben wir uns dafür eingesetzt, dass die Beprobung freiwillig ist. Jeder Landwirt musste sich dafür anmelden. Es gibt Landwirte, die an den drei Infoanlässen, die der Kanton durchführte, für flächendeckende Beprobungen im ganzen Kanton waren. Andere waren fundamental dagegen. Es ist ein bisschen wie bei den Impfkampagnen, die einen sind dafür, andere dagegen. Das muss man respektieren. Dennoch beteiligten sich eine grosse Anzahl von Betrieben, insbesondere im Fokusgebiet. Das zeigt, dass das Vertrauen in die Untersuchungskampagne da ist.
Jeder Anmeldete bekam ein Beprobungsset vom Interkantonalen Labor und fasste selbst seine Milch- und Wasserproben und schickte sie zurück ans Labor. Zuerst wird die Milch untersucht. Zeigen sich dort keine Auffälligkeiten, wird das Wasser nicht untersucht. Werden PFAS in der Milch in erhöhten Konzentrationen gefunden, untersucht man auch die Wasserproben. Die Kosten übernimmt der Kanton.
Resultate im Frühling 2026
Gegen den Frühling 2026 hin ist mit den Resultaten zu rechnen. Sobald das Ausmass der PFAS-Belastung im Kanton bekannt ist, wird die Regierung für betroffene Betriebe weitere Massnahmen festlegen. Auch plant Kanton eine PFAS-Beratung auf die Beine zu stellen.
Mehr als nur problematisch ist, dass grösstenteils keine Lösungen bekannt sind, wie man die PFAS-Belastung beispielsweise im Boden senken kann. Dabei ist vor allem die Forschung gefordert und das braucht Zeit. PFAS wurden jahrzehntelang verwendet. Wir müssen akzeptieren, dass es auch mehrere Jahre dauert, bis dieses Problem gelöst werden kann.
«Wir Landwirte werden schriftlich über das Resultat informiert. Bis dahin ist die Unsicherheit gross.»
Andreas Buri, Milchproduzent und ZBV-Vorstandsmitglied aus Ossingen
Wir verfolgen folgende Strategie: Möglichst frühzeitig das Problem erkennen und dann beheben. Alles andere ist gefährlich, denn früher oder später werden PFAS-Grenzwerte für Milch und Milchprodukte eingeführt. Offen ist nur, ob die Schweiz die EU-Grenzwerte übernimmt oder ob der Bund sie anpasst.
Ich bin als Milchproduzent abhängig vom Markt. Kann ich keine Milch verkaufen wegen Überschreiten eines PFAS-Grenzwertes, kann ich von einem Tag auf den anderen Investitionen von mehreren 100'000 Franken abschreiben. Das wäre wirtschaftlich nicht zu verkraften.
Im Kanton Zürich werden die Milchproben nun analysiert. Wir Landwirte werden schriftlich über das Resultat informiert. Bis dahin ist die Unsicherheit gross.
Bei erhöhter PFAS-Belastung in der Milch folgen weitere Tests
Ist die Probe positiv, wird vor Ort auf dem Betrieb eine zweite Probe entnommen. Danach folgen weitere Untersuchungen vom Tränkewasser, Futtermittel, Boden etc. Ist der Boden belastet, ist die grosse Frage, was überhaupt noch darauf angebaut werden kann. Alles zu Ökoflächen machen und das Gras entsorgen kann ja auch nicht die Lösung sein? Es gibt auch Pflanzen, die die Böden quasi entgiften können. Aber dafür reichen zwei, drei Vegetationsperioden wahrscheinlich nicht aus.
Teure Probeentnahme und Analyse
Bisher gingen die Behörden vernünftig mit uns Bauern um, haben uns vorgewarnt und ein Beprobungskonzept auf die Beine gestellt. Die Beprobung war freiwillig. Die Kosten für die Beprobung und Analyse übernimmt der Kanton. Auch die Beratung durch den Strickhof trägt der Kanton. Wenn einer total gegen die Beprobung seiner Milch war, musste er sich aktiv abmelden. Damit hat er aber auch keinen Anspruch mehr auf unentgeltliche Probeentnahmen und Analyse.
Andere Wege, um mit Grenzwerten umzugehen
Es absolut richtig, dass PFAS-Chemikalien nicht mehr eingesetzt werden. Aber was mich wirklich stört ist, dass innert sehr kurzer Frist Verkaufsverbote auf einzelne Produkte ausgesprochen werden, noch lange bevor man die Zusammenhänge und die Problemlösung kennt. Solange aber nicht bewiesen ist, dass diese Chemikalien direkt gesundheitsschädlich sind und keine Lösungen des Problems in Sicht sind, braucht es andere Wege, um mit Grenzwerten umzugehen. Sonst könnte es sein, dass einzelne Lebensmittel knapp werden und viele Landwirtschaftsbetriebe in ihrer Existenz bedroht sind.

