Zeit ist Geld. Arbeitseffizienz und -abläufe im Milchviehstall zu optimieren, ist eine Frage des Überlebens. Professor Matthias Schick, Bereichsleiter Tierhaltung und Milchwirtschaft am Strickhof, hätte bei diesem Thema am Nordwestschweizer Milchtag tief in die Produktionstechnik eintauchen können. Aber ins Zentrum stellte er den Menschen und seine Art der Betriebsführung. Zeit ist nämlich nicht nur Geld, sondern auch Lebensqualität.
Maschinen übernehmen immer mehr Arbeit
Die Betriebe werden grösser, Automatisierung und Digitalisierung sind auf dem Vormarsch. Sie finden gemäss Matthias Schick entlang der gesamten Wertschöpfungskette statt – «damit müssen wir uns auseinandersetzen, ob es uns passt oder nicht». Er plädierte aber auch dafür, Automatisierungsschritte zu hinterfragen und nur auf den Betrieb angepasst einzuführen.
«Wenn ich mich selber führen kann, kann ich auch die Herde führen.»
Matthias Schick, Bereichsleiter Tierhaltung und Milchwirtschaft am Strickhof.
Heute nehmen Maschinen und Computer dem Menschen viel Arbeit ab, ihm bleibt es, diese Arbeit klug zu organisieren. «Herdenmanagement ist Selbstmanagement. Wenn ich mich selber führen kann, kann ich auch die Herde führen», stellte Schick klar und nannte Möglichkeiten der organisatorischen Optimierung:
- Systematische Zeitplanung mit klaren, messbaren Zielsetzungen, beispielsweise in Form von Arbeitsplänen;
- Arbeitsverfahren hinterfragen und Schwachstellen mittels Checklisten analysieren;
- gezielt und regelmässig Weiterbildung betreiben.
Damit Zeit zum Leben bleibt
Die grosse Herausforderung der Zukunft sei weniger die Arbeit an und für sich, sondern vielmehr ihre Gestaltung, «damit wir uns und unsere Familienmitglieder entlasten und wieder Zeit füreinander finden», lautete das Schlusswort von Matthias Schick. Er betrachtet Zeitplanung als Basis für eine gesundes Miteinander zwischen Betrieb, Familie und sozialem Umfeld. Nur wenn diese Faktoren im Gleichgewicht seien, laufe es langfristig rund.
Vergleich Weide- und Stallherde am Wallierhof
Produktionstechnische Themen gab es natürlich auch am Nordwestschweizer Milchtag. Am Bildungszentrum Wallierhof werden seit 2018 die 60 Kühe in eine Stall- und eine Weideherde unterteilt, um Stärken und Schwächen der beiden Produktionssysteme für die Praxis aufzuzeigen. Manuel Ender stellte erste Ergebnisse vor. Der vergleichbare Deckungsbeitrag bei der Stallherde war im ersten Jahr mit 4611 Franken deutlich besser als der Durchschnitt vergleichbarer Leistungssysteme und auch als jener der Weideherde mit 3155 Franken. Allerdings seien Aussagen über die Wirtschaftlichkeit nur bedingt möglich, stellte Ender klar; die Arbeitskosten sind noch zu erfassen.
Entscheidend für den hohen Deckungsbeitrag der Stallgruppe war ihre Leistung – das Milchgeld mit saisonalen und Qualitätszuschlägen hat bei einem Leistungsniveau von 10'107 Kilo Milch eingeschenkt und fing die deutlich höheren Gesundheitskosten gegenüber der Weidegruppe auf. Die glänzte in diesem Bereich und besonders mit einer Top-Klauengesundheit. Bezüglich Zellzahlen und Milchgehalt gab es keine grossen Unterschiede zwischen den beiden Herden.
«Gutes Grundfutter durch Kraftfutter zu ersetzen lohnt sich nicht.»
Manuel Ender vom BZ Wallierhof zum Vergleich von Stall- und Weidegruppe.
Die Gleichung «hohe Milchleistung gibt hohe Deckungsbeiträge» sollte Produzentinnen und Produzenten aber nicht dazu verleiten, gutes Grundfutter durch Leistungsfutter zu ersetzen, das lohnt sich gemäss Manuel Ender in der Schweiz nicht. «Je besser das verdrängte Grundfutter, desto geringer die Wirkung von Leistungsfutter.»
Vom Anbindestall bis zur Bestandesbetreuung
Rund 140 Produzentinnen und Produzenten besuchten den Nordwestschweizer Milchtag diesen Dienstag, der von den landwirtschaftlichen Zentren Ebenrain, Liebegg und Wallierhof organisiert wurde. Der Themenmix war vielseitig: Neben Matthias Schick referierte Christiane Brandes vom «Innovations Team» aus Heiddorf (D) über Trends im Stallbau. Sie streifte auch das Thema Anbindestall; dieser Haltungsform gibt sie keine grosse Zukunft mehr. In Deutschland laufe derzeit eine grosse Diskussion, die Akzeptanz bei der Bevölkerung schwinde, der Handel erzwinge Änderungen in rasanter Geschwindigkeit. Herbert Schmid von der Liebegg gab Anleitung bei der Suche nach dem passenden Produktionssystem. SMP-Vizedirektor Pierre-André Pittet informierte über Perspektiven und Handlungsspielraum aus der Marktoptik. Am Nachmittag gab es Posten zur tierärztlichen Bestandesbetreuung mit Veterinärmediziner Beat Berchtold, zum UFA-Herd-Support mit Thomas Thalmann und zu European Dairy Farmers mit den Aargauer Landwirten Peter und Mathias Suter.

