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Kälber-RAUS: vorbehaltlosfür das Iglu, aber …

Geschäftsführer Martin Kaske stellt die Haltung des KGD klar: Im Grundkonzept sei RAUS gut und man befürworte die Haltung mit Aussenklima. Dieses könne aber durchaus die Tiergesundheit gefährden, weshalb die RAUS-Vorgaben anzupassen seien.

Da schlugen die Wogen aber hoch: Selten führte ein Artikel in der BauernZeitung («Ist RAUS tierschutzwidrig», 12. Mai 2023) zu so zahlreichen und so unterschiedlichen Rückmeldungen beim Kälbergesundheitsdienst (KGD). Zahlreiche Landwirte äusserten sich begeistert, dass der KGD ein wichtiges Anliegen aufgegriffen habe. Andere hingegen reagierten deutlich verärgert. So wurde teilweise vermutet, der KGD halte die Haltung von Kälbern in Iglus ausserhalb der Stallungen für tierschutzwidrig oder wolle diese gar verbieten lassen. Oder die Kritik beziehe sich auf sämtliche Vorgaben für RAUS-Betriebe oder RAUS im Allgemeinen! Offenbar waren einige Aussagen im Artikel der BauernZeitung missverständlich – und eine Klarstellung erscheint damit notwendig und überfällig.

Zwei Grundvoraussetzungen bei den Kälbern

Unmissverständlich gilt es zu betonen: Der KGD setzt sich für alle Haltungssysteme ein, die mit einer guten Tiergesundheit einhergehen. Bei jungen Kälbern gelten dafür zwei Grundvoraussetzungen: einerseits möglichst wenige Tier-Tier-Kontakte, andererseits eine gute Luftqualität. Ideal ist es, wenn die Luft relativ warm (10–20 °C), relativ trocken (40–60 % relative Luftfeuchtigkeit), keimarm und zugfrei ist. Die Haltung von Kälbern in Iglus ausserhalb geschlossener Stallungen hat genau das zum Ziel und wird deshalb vom KGD vorbehaltlos begrüsst.

Ausseklima kann die Tiergesundheit gefähren

Höchst problematisch hingegen ist die Vorgabe der RAUS-Bestimmungen, dass für Kälber im Alter von unter 120 Tagen zwingend mindestens 1 m2 Auslauffläche ungedeckt sein muss – und die Forderung, den Zugang zum Aussenklima zu maximieren. In vielen Gegenden der Schweiz bedeutet Aussenklima angesichts von jährlich häufig mehr als 150 Regentagen und 40 bis 70 Tagen mit starkem Nebel eben auch, dass es draussen kalt, nass und zugig ist. Aussenklima kann dann die Tiergesundheit durchaus gefährden. Es muss noch nicht einmal ein Schneesturm sein – auch Starkregen und nasskaltes Schmuddelwetter führen immer wieder zu völlig durchnässten Ausläufen und nassen Rücken der Kälber – und damit einem erheblichen Risiko für Durchfall- wie auch Atemwegserkrankungen.

Was nützt die beste Aussicht?

Was hilft da? Zu allererst und am wirkungsvollsten das sprichwörtliche Dach über dem Kopf. Das kann ein simples Trapezblech auf vier Ständern sein, das kann ein Vordach an der Aussenseite des Stalls sein. Auch die Vorgabe, dass Kälber möglichst freie Sicht auf die Umgebung haben sollen, ist wenig hilfreich, wenn dies dazu führt, dass die Öffnung des Iglus zur Wetterseite zeigt. Was nützt einem Kalb die beste Aussicht, wenn es dadurch krank wird? Und es gilt zu betonen, dass diese Vorgaben nicht nur bei Iglu-Haltung für Probleme sorgen, sondern auch bei den Auslaufbereichen der Kälber- und Grossviehmäster!

Im Grundkonzept gut

Meist weiss der Landwirt selbst am allerbesten, wie ein effektiver Witterungsschutz zu erreichen ist. Man sollte ihn nicht zwingen, eine zwar gut gemeinte, doch immer wieder bezüglich Tierwohl kontraproduktive Vorgabe zu erfüllen. Und genau deshalb ist es das Anliegen des KGD, die strikte Vorgabe der RAUS-Bestimmung bezüglich der zwingend notwendigen ungedeckten Auslauffläche ersatzlos zu streichen.

Um es knapp zusammenzufassen: Das Grundkonzept von RAUS ist gut und wir befürworten die Haltung im Aussenklima – aber gleichzeitig muss ein ausreichender Witterungsschutz gewährleistet sein. So wird es möglich sein, mehr Kälber als bisher an der frischen Luft zu halten – die sich dann auch wohlfühlen und kerngesund sind!

Martin Kaske, Tierarzt und Geschäftsführer KGD

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