«36 Jahre seriöse Zuchtarbeit haben sich gelohnt», sagt der Holsteinzüchter Herbert Ender-Meier aus dem solothurnischen Büsserach. Sofort fügt er an, das sei selbstverständlich nicht nur sein Verdienst, sondern auch seine Familie mit Ehefrau Maria und Sohn Manuel hätten viel zum Erfolg des Herdennamens «Meiender» beigetragen. Auch Holstein Switzerland blieb der Erfolg von Ender-Meier nicht unbemerkt, und der Verband ehrte den Betrieb dieses Jahr mit dem Titel «Holstein Meisterzüchter 2022». «Ich bin von meinen Ahnen für die Viehzucht vorbelastet», erklärt der Betriebsleiter weiter.
«Mein Grossvater hielt im Kanton Aargau auf einem Pachtbetrieb Braunvieh; mein Vater stellte Anfang der 80er-Jahre wegen der damals grassierenden IBR-Infektion, einer viralen Infektionskrankheit des Rindes, um auf Holsteinkühe.» Er verlor durch die Krankheit 46 Tiere, was bedeutete, dass sein Lebenswerk zerstört war. Um die Herde zu ersetzen, wechselte er zur Rasse Holstein, denn diese waren günstiger im Ankauf und leistungssicherer. «Ein weiser Entscheid meines Vaters, wie man sieht», lächelt er zufrieden.

So wenig Kraftfutter wie nötig
Beim Besuch der BauernZeitung ist Manuel Ender, der Hofnachfolger, ebenfalls anwesend. Vorläufig arbeitet er zu 70 Prozent als Landwirtschaftslehrer und Berater am Bildungszentrum Wallierhof. Ab Sommer 2023 wird er das Pensum auf 50 Prozent reduzieren und im Hinblick auf die Pensionierung seines Vaters den Hof übernehmen. «Es ist für mich alles andere als selbstverständlich, eine solche homogene Herde antreten zu können», freut sich der junge Mann. Er sieht vor, den Betrieb im Sinne seines Vaters weiterzuführen.
Die Holsteinrasse sei prädestiniert für die Milchproduktion, denn sie könne das Grundfutter bestens verwerten. Auf dem Schlosshof heisst die Devise: «So wenig Kraftfutter wie nötig!» Bei den Zuchtentscheiden wird viel Wert auf Euter und Becken gelegt, aber auch die funktionellen Merkmale wie Fruchtbarkeit, Mastitisresistenz und BCS werden berücksichtigt. An dieser Strategie soll festgehalten werden.

Betriebsspiegel
Betriebsleiterfamilie: Herbert und Maria Ender-Meier Ort: Schlosshof, Büsserach SO Arbeitskräfte: Sohn Manuel; er arbeitet zudem noch 70 Prozent als Landwirtschaftslehrer am Wallierhof Fläche: 50 ha, ÖLN-Betrieb Holsteinzucht: Milchproduktion: 240'000 kg (Hofabfuhr zu mooh), 33 Milchkühe, 40 Rinder und Aufzucht, Fettgehalt 4,09 %, Eiweissgehalt 3,23 %, durchschnittliche Standardlaktation: 9488 kg im 2021, Zellzahlen: 81 Prozent der Kühe <100'000 Zellen/ml Ackerbau: 5 ha PCH IPS-Weizen; 6,5 ha Silomais; 1,5 ha Ur-Dinkel
Hingegen will Manuel Ender von den grossrahmigen Holsteinkühen wegkommen und tendiert zu stoffwechselstabilen, «runderen» Tieren. «Es gilt», ist er überzeugt, «wieder mittelgrosse Kühe zu züchten, die vorwiegend mit Grundfutter bedarfs- und leistungsgerecht gefüttert werden können.» Wie seine Vorfahren interessiert er sich stark für die Viehzucht. Oder, wie sein Vater sagt: «Wir sind keine Maschinenfreaks, sondern viel mehr Kuhliebhaber mit einem Gespür für unsere Tiere.»
Wenn die Sprache auf die Stiere kommt, welche die Herde «Meiender» positiv beeinflusst haben, fallen einem Namen wie Rudolph und Lyster, beides Starbuck-Enkelsöhne, und in jüngster Zeit auch der Stier Chief auf. Besamt wird zurzeit mit den Stieren Adorable, Tantum, Magnitude, Avatar und Ranger, also auch mit Red-Holstein-Stieren.
Heimweh nach dem Aargau
Bevor Enders in den solothurnischen Bezirk Thierstein zogen, hatten sie einen Betrieb im Aargau gepachtet. Als der Pachtvertrag endete, verliessen sie im Jahr 2004 schweren Herzens ihre Heimat. «Wir haben heute noch Heimweh nach dem Aargau», verrät Herbert Ender, «aber wir sind auch zufrieden hier. Wir haben nämlich das grosse Glück, eine wohlwollende Verpächterfamilie gefunden zu haben. Mit ihr haben wir über die Jahre ein sehr gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut.» Nach der Pensionierung werde Ender in einen «Teilzeit-Ruhestand» treten.
Seine Frau werde weiterhin ihrem 40-prozentigen Engagement als Spitex-Mitarbeiterin nachgehen. Weiterhin glaubt der Junior-Chef an die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft. «Die Digitalisierung und Automatisierung wird, muss auch in unserer Branche weitergehen», hält er fest. «Bei aller Euphorie darf man aber nicht vergessen, dass wir mit der Natur und den Tieren arbeiten und ein geschultes Auge mehr wahrnimmt als eine Kamera oder ein Sensor.»
Der Titel wird jedes Jahr nur fünf Mal vergeben
Holstein Switzerland ernennt jährlich seine Meisterzüchter. Diese höchste Auszeichnung wird jeweils nur fünf Züchterinnen oder Züchtern vergeben, die mit ihrer Herde ausserordentliche Resultate erzielt haben. Der Titel würdigt somit die ganze Karriere. Der Meisterzüchtertitel basiert auf Punkten, die den vom Züchter hervorgebrachten Holsteintieren vergeben werden. Nur Tiere mit dem gleichen Herdennamen werden berücksichtigt. Um nominiert zu werden, muss die Züchterin oder der Züchter mindestens 80 registrierte weibliche Tiere während 16 aufeinanderfolgenden Jahren und mindestens drei registrierte weibliche Tiere pro Jahr gezüchtet haben. Die Punkte werden Tieren mit ausserordentlichen Leistungen bei der Produktion und beim Exterieur und einer sehr guten Nutzungsdauer vergeben. Nominiert werden die Züchterinnen und Züchter, die am meisten Punkte pro registriertem weiblichem Tier erhalten. Die Genossenschaft publiziert jährlich eine Erinnerungsbroschüre, in welcher die Meisterzüchter des Jahres vorgestellt werden.

