Früher war es üblich, Haus- und Nutztiere selbst mit Arzneimitteln aus der Natur zu behandeln. Vor allem die Bauern hatten ein grosses Wissen darüber, welche Pflanzen und Kräuter dem Vieh guttun. Heute kann man feststellen, dass das Interesse an Naturheilmitteln wieder zunimmt.
Wurzeln des Aspirins
Unsere Vorfahren beobachteten die Natur und machten ihre Erfahrungen mit den Inhaltsstoffen der Pflanzen. Sie taten es den Tieren gleich, die instinktiv bestimmte Pflanzen mieden und andere in bestimmten Situationen bevorzugten. So entstand immenses Wissen über Heilpflanzen-Wirkung. Bestes Beispiel ist die Weidenrinde, die fiebersenkend und schmerzlindernd wirkt. Daraus entstand das heute weltbekannte Aspirin.
Heute spricht man von Selbstmedikation und meint damit den eigenverantwortlichen Kauf von Arzneimitteln für sich oder seine Tiere ohne Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Diese Arzneimittel sind in allen Drogerien und Apotheken ohne Rezept erhältlich. Vor allem in Drogerien werden individuelle Arzneimittel für Mensch und Tier hergestellt.
Alter Wein in neuen Schläuchen
Dabei handelt es sich um alten Wein in neuen Schläuchen. Hausmittel wie Versäuberungspulver, Brunstpulver, Kupfervitriol oder Salmiakgeist mit Anisöl sind seit jeher bekannt. Sie haben einen wichtigen Beitrag zur Volksgesundheit geleistet. Leider sind viele dieser Mittel in Vergessenheit geraten. Gründe dafür sind unter anderem die immer strengeren gesetzlichen Vorschriften und der Verlust dieses Wissens durch die Verlagerung auf rein schulmedizinische Behandlungen.
Die Stimmbürger(innen) haben sich 2009 mit grosser Mehrheit für die Komplementärmedizin ausgesprochen. Das war ein klares Zeichen. Diese Menschen vertrauen auf die ganze Palette der Heilmethoden und betrachten die Komplementärmedizin als gleichwertig. Es ist bezeichnend, dass gerade in den beiden Appenzell die Krankenkassenausgaben mit Abstand am tiefsten sind. Also dort, wo Selbstmedikation und Phytotherapie weit verbreitet sind!
Artikel 118a der Bundesverfassung verlangt, dass Bund und Kantone im Rahmen ihrer Zuständigkeiten die Komplementärmedizin berücksichtigen. Dank Artikel 9 des Heilmittelgesetzes können Drogerien und Apotheken individuelle Arzneimittel auch für Tiere herstellen. Ein Tierarzt kann eine Drogerie oder Apotheke mit der Herstellung seiner bevorzugten Rezeptur beauftragen. Heute erkennen viele Ärzte und Tierärzte die wichtige Rolle der Selbstmedikation für die Gesundheit, auch für die Tiergesundheit. Denn Tierärzte, die sich täglich um das Grossvieh kümmern, werden immer seltener.
Gute Beratung in der Drogerie
Der Landwirt und die Landwirtin müssen wieder vermehrt lernen, wie und wann Selbstmedikation bei Nutztieren angewendet werden kann. Sie müssen aber auch wissen, wann die Selbstmedikation an ihre Grenzen stösst und ein Tierarzt aufgesucht werden muss. Spezielle Kurse helfen den Landwirten, ihr Wissen über die Behandlung ihrer Tiere zu erweitern und anzuwenden. Methoden und Mittel, die schon lange bekannt sind, können auch heute noch problemlos angewendet werden. Die Wirkung ist die gleiche wie damals, nur das Wissen darüber muss wieder aufgefrischt werden.
Auch in Drogerien und Apotheken erhalten Bäuerinnen und Bauern gute Beratung und die entsprechenden Produkte. Natürlich ist auch hier nicht jede Drogerie und Apotheke über alle Aspekte der Tierheilkunde informiert, aber Lorbeeröl, Franzbranntwein, Wacholdergeist usw. sind fast überall erhältlich. Durch die Möglichkeit, Arzneimittel in kleinen Mengen herzustellen, kann auch eine Zusammenarbeit zwischen Drogerien, Apotheken und Tierärzten sehr erfolgreich sein.
Zur Person
Andreas Ullius ist Leiter Politik und Branche beim Schweizerischen Drogistenverband.

