Am diesjährigen Biotag am Plantahof, der vor einer Woche stattfand, drehte sich alles um die neuen Bio-Fütterungsrichtlinien, die schon bald in Kraft treten: Ab dem ersten Januar muss das Futter zu hundert Prozent aus inländischer Produktion stammen. Gleichzeitig wird der maximale Kraftfutteranteil auf fünf Prozent gesenkt. «Heute wälzen wir ein Problem, das nicht alle von uns annehmen wollen», sagte Plantahof-Direktor Peter Küchler. «Doch ein Schritt in Richtung Lösung besteht darin, es aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.»
Milchwirtschaft aus dem Lot geraten
Ursula Bapst, Vorstandsmitglied von Bio Grischun, verwies in ihrer Grussbotschaft auf den Klimagipfel, der kurz zuvor am Plantahof stattgefunden hatte. «Dieser hat nachdenklich gemacht. Ich bin überzeugt, dass die neuen Richtlinien keine Schikane, sondern ein Schritt in die richtige Richtung sind.»
Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli erinnerte an die Hintergründe, die zu den neuen Richtlinien geführt haben: So sei etwa das System der Milchproduktion hierzulande aus dem Lot geraten. Er verwies dabei auf problematische Futterimporte oder die Belastung von Böden und Wasser durch Nährstoffüberschüsse und Pestizidrückstände.
Lebensdauer verkürzt
Dazu komme, dass im Jahr 2050 mit einer Weltbevölkerung von rund 10 Milliarden Menschen zu rechnen sei. «Nach dem Feed-no-Food-Prinzip sollten ackerfähige Böden primär für die menschliche Ernährung genutzt werden», so Urs Brändli. «Wiederkäuer kommen grundsätzlich auch ohne Futter von Ackerflächen aus.»
Laut dem Bio-Suisse-Präsident wird Raufutter als Eiweisslieferant künftig eine grössere Rolle spielen. Dabei ist eine hohe Qualität entscheidend. Es empfiehlt sich daher, sowohl das Weidemanagement zu verbessern wie auch etwa den Erntezeitpunkt optimal zu wählen. «Schweizer Raufutter wird knapper, weil die Nachfrage steigt», sagt Brändli. «Es ist jedoch zu erwarten, dass sich Angebot und Nachfrage rasch einpendeln werden.» Für viehlose Betriebe und solche in Umstellung werde die Raufutterproduktion attraktiv. Ein Vorteil ist auch, dass Kunstwiesen den Schädlings- und Krankheitsdruck reduzieren und Stickstoff im Boden speichern. Wer selbst nicht genügend Futter produzieren kann, muss abwägen, ob er oder sie mit den höheren Preisen leben kann, den Viehbestand reduzieren oder die Wahl der Viehrasse anpassen sollte. Die Zucht einer standortgerechten Biokuh ist mehr denn je gefragt. Bereits sind die ersten Bio-KB-Stiere bei Swissgenetics im Angebot.
Homogene Herde
Um Kühe ging es auch bei den Referaten zweier Gäste aus Deutschland: Eines davon hielt der Tierarzt Karl Heinz Schmack, der sich seit Jahrzehnten mit dem Proteinbedarf von Kühen beschäftigt. Dabei stellte er fest, dass man Kühen mit einer zu eiweissreichen Fütterung nicht gerecht werde. Nieren und Leber würden mit der Zeit geschädigt, was die Lebensdauer verkürze. Dem müsse vermehrt Rechnung getragen werden: «Es braucht eine wiederkäuergerechte Fütterung», forderte Schmack.
Mechthild Knösel aus Überlingen am Bodensee berichtete über ihre Erfahrungen, die sie bei ihren Milchkühen mit der Obsalim-Methode macht. Mit dieser lassen sich Zusammenhänge zwischen physiologischen Merkmalen und dem Stoffwechsel herstellen. Dazu werden die Tiere genaustens beobachtet und die Fütterung daraufhin entsprechend angepasst. «Man sieht, dass etwas nicht stimmt, bevor die Kuh krank wird», so Knösel. «Besonders überzeugt mich, dass ich die Methode tagesaktuell anwenden kann.»
Die Tiere werden laut Knösel auf der Ebene der Herde betrachtet. Je homogener diese ist, desto gesünder sind die Kühe. Mit Obsalim lassen sich eine Vielzahl von Problemen diagnostizieren. Beispiele dafür sind Stickstoffüberschuss auf der Weide, Panseninstabilität oder zu wenig Fasern in der Ration.

