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Freude an Brown Swiss, Gurt und Blüem

Das Zuchtziel von Markus und Emanuel Sües sind langlebige und funktionelle Brown-Swiss-Kühe. Im Rahmen von «Braunvieh bi de Lüüt» öffneten sie ihre Stalltüren. Peter Bosshard wagte einen Blick in die Zukunft der Viehvermarktung und übte Kritik an der Zuchtstrategie von Braunvieh Schweiz.

«Braunvieh bi de Lüüt» war 24. November 2023 bei der Familie Süess in Waldkirch zu Gast. Markus und Monika führen mit Sohn Emanuel und dessen Frau Daniela eine Generationengemeinschaft. Auf den 1. Januar werden Emanuel und Daniela den Betrieb ganz übernehmen. Emanuel schätzt die Braune Kuh aufgrund ihres Charakters: «Sie ist umgänglich und robust, hat einen idealen Klauensatz und eine gute Leistungsbereitschaft.»

TMR für alles Rindvieh

Der Betrieb konnte in den letzten 30 Jahren stetig wachsen. Aufgrund der örtlichen Verzettelung der Gebäude kam man 2014 an einen Punkt, wo sich die Frage stellte, wie es weitergehensollte. «Wir hatten drei alte Ställe und eine komplizierte Fütterung», schilderte Emanuel Süess. Sie entschieden sich, an der Milchproduktion festzuhalten. 2014 wurde der Boxenlaufstall mit 64 Kuhplätzen gebaut. Im selben Jahr gründeten Markus und Emanuel Süess eine Generationengemeinschaft.

Freude an Brown Swiss, Gurt und Blüem
Im Stall von Familie Süess stehen 63 Brown-Swiss-Kühe, davon zwei Gurt- und eine Blüem-Kuh, und eine Original Braune.

Die wichtigste Maschine auf dem Betrieb ist der Futtermischwagen. Eine Totalmischration (TMR) gibt es sogar für die Kälber (Kälberflocken, Emd, Heu und Luzerne) und für die Galtkühe (Emd, Ökoheu und Stroh). «Dadurch, dass die Kühe permanent fressen können, haben wir seit sechs Jahren praktisch keine Überwürfe mehr», sagte Süess. Die laktierenden Kühe bekommen im Winter eine TMR, im Sommer eine Teilmischration, nebst der Weide und dem Eingrasen. «Das bringt Konstanz in die Fütterung», sagte Süess. Seit drei Jahren verzichtet der Betrieb auf Kalk in den Liegeboxen. «Bei den Klauen und bei den Zitzen hatte das einen sehr positiven Einfluss auf die Gesundheit», stellt er fest.

Betriebsspiegel

Name: GG Markus und Emanuel Süess Ort: Waldkirch Fläche: 27 ha LN; Naturwiesen, Kunstwiesen, extensive Flächen Viehbestand: 65 Milchkühe, 65 Stück Jungvieh im Aufzuchtsvertrag, 130 Mastschweine Milchabnehmer: Käserei Wick in Engelburg Arbeitskräfte: Emanuel, Markus und Monika Süess,Verwandte und Freunde bei Arbeitsspitzen

Langlebige Kühe im Stall

Im Stall von Familie Süess stehen 63 Brown-Swiss-Kühe, davon zwei Gurt- und eine Blüem-Kuh, eine Original Braune und ein Stier. Die Aufzucht ist auf zwei Partnerbetriebe ausgelagert. Die Tiere werden über StadlerViehhandel mit Sitz in Schönholzerswilen verkauft.

«Unser Zuchtziel ist eine langlebige und funktionelle Brown-Swiss-Kuh mit einem Leistungsziel von 9500 Kilogramm Milch ab der dritten Laktation.»

Emanuel Süess zu den Zuchtzielen

Drei 100'000er-Kühe haben sie ­bereits, eine vierte wird bald dazukommen. Weitere zehn Kühe haben eine Lebensleistung über 50'000 kg.

Emanuel Süess hat aber auch Gefallen an Gurt und Blüem. Besonders stolz ist er auf Gurt-Kuh Rainbow, ein Tier aus eigener Züchtung (M: Ranka, V: Aldo Gurt). Mit ihr nahm der Landwirt an der diesjährigen Blüem- und Gurt-Schau an der Olma teil. Sie belegte in ihrer Abteilung Rang 2 und schaffte es knapp nicht ins Finale. «Aber wir greifen nächstes Jahr wieder an», sagte Süess mit einem Augenzwinkern.

Freude an Brown Swiss, Gurt und Blüem
Emanuel Süess hat auch Freude an Gurt- und Blüem-Kühen.

Ein weiteres Gurt-Rind wird voraussichtlich im August von der Aufzucht auf den Heimbetrieb zurückkehren. «Ich hatte riesige Freude, als ich von diesem Gurt-Kalb den Genom erhalten habe», sagte Süess. «Das Tier ist reinerbig und es ist eine Seltenheit, dass das Tier den Gurt zu 100 Prozent weitervererbt.» Aber die Kühe sollen nicht nur schön aussehen, sondern auch Milch geben, stellte Süess klar.

Zu viele Kompromisse bei der Milchleistung

Peter Bosshard, Geschäftsführer des Schweizerischen Viehhändler Verbandes (SVV), ging in seinem Referat darauf ein, wie er die Zukunft der Viehvermarktung und insbesondere der Braunen Kuh sieht. «Der Markt will funktionelle, unkomplizierte, abgekalbte Milchkühe mit viel Milch, guten Eutern und guten Zellzahlen», zählte Bosshard auf. Seit 40 Jahren ist er im Viehhandelsgeschäft tätig und stellt fest: «Schweizer Braunvieh geniesst einen ausgezeichneten Ruf, auch international.» Zu den Trümpfen der Rasse Brown Swiss zählt er das gute Exterieur, die Robustheit, die Anpassungsfähigkeit sowie die Kompatibilität mit der aktuellen Agrarpolitik.

Aber Bosshard macht auch Schwächen aus. Er stellte die Frage in den Raum, ob man in der Vergangenheit nicht zu viele Kompromisse zugunsten des Exterieurs und zum Nachteil der Milchleistung gemacht habe.

«Eine Top-Schaukuh im Stall zu haben, macht einen natürlich stolz. Der Nachteil ist, dass bei so einer Kuh die Zahlen schnell einmal in den Hintergrund rücken.»

Peter Bosshard, Geschäftsführer SVV

Er forderte deshalb: «Jetzt sollten bei den Zuchtzielen Milchleistung und Fruchtbarkeit wieder in den Vordergrund rücken.» Diese Diskussionen seien zwingend, um den Anschluss an die Konkurrenz nicht zu verlieren, hob Bosshard hervor. Schweizer Braunvieh-Genetik sei gefragt auf dem Markt, besonders jetzt mit dem tiefen Wechselkurs. «Aber die Kühe, die wir exportieren, müssen funktionieren.» 

Freude an Brown Swiss, Gurt und Blüem
Peter Bosshard wandte sich mit kritischen Worten an die Braunviehzüchter.