Es klappt nur gemeinsam

Ursi Dommann, Tierärztin aus Gunzwil LU, bietet Bestandesbetreuung an. Die «BauernZeitung» schaute ihr dabei über die Schulter.

In Reih und Glied warten die Kühe von Leo Stocker aus Neudorf LU auf die Tierärztin. «Und, wie siehts aus?» grüsst Ursi Dommann den Landwirt. Gemeinsam besprechen Tierärztin und Landwirt die Ereignisse im Kuhbestand der vergangenen zwei Wochen. Dommann betreut den Kuhbestand von Leo Stocker im Rhythmus von 14 Tagen.


Die Tierärztin kommt mit Informationen zu sämtlichen Kühen vorbereitet auf den Hof. Diese Listen werden besprochen, und gemeinsam werden die Kühe ausgesucht, bei denen Untersuchungen anstehen. Dies sind z.B. Trächtigkeiten, stille Brunst oder die gynäkologische Untersuchung frisch gekalbter Kühe.

«Im Vordergrund der Untersuchungen stehen die Fruchtbarkeit und die Eutergesundheit», erläutert Ursi Dommann, die eine dreijährige Zusatzausbildung für die integrierte tierärztliche Bestandesbetreuung (ITB), wie es richtig heisst, am Tierspital Bern absolviert hat. Leo Stocker nutzt dieses Dienstleistungsangebot seit vier Jahren. «Ich hatte Probleme mit der Fruchtbarkeit», erläutert er. So sei die Zusammenarbeit entstanden.


Stocker ist mit der Entwicklung zufrieden


Leo Stocker führt einen Familienbetrieb mit einer Fläche von 21 ha. Vor einigen Jahren hat er seinen Anbindestall zu einem Laufstall umgebaut. Die Tiere hätten sich im neuen Stall schnell gut eingelebt, sagt Stocker zum Wechsel. Neben den 35 Milch-kühen der Rassen Fleckvieh und Brown Swiss hält er noch 200 Mastschweine. Stocker ist vom System der ITB überzeugt: «Die Probleme mit der Fruchtbarkeit sind verschwunden.»

Auch Ursi Dommann ist mit der Entwicklung in Stockers Stall zufrieden. Wichtig ist auch die Mitarbeit des Landwirts, denn alleine der Tierarztbesuch alle 14 Tage

wäre nicht ausreichend, um die Fruchtbarkeit im Betrieb im Griff zu haben.


Betriebsleiter muss mitdenken


Daher ist es wichtig, dass der Landwirt seinen Beitrag zum guten Gelingen leistet. Leo Stocker hat eigens dafür eine Aktionsliste erhalten, in der detailliert steht, welche Kuh wann eine Brunst zeigen soll, wann das Trockenstellen ansteht oder wann sie abkalben soll. «Ohne die Hilfe des EDV-Programms ist in meinen Augen eine seriöse ITB nicht mehr durchzuführen», erklärt Dommann.

Auch Stocker ist zufrieden: «Das hilft mir sehr, einen guten Überblick zu behalten.» Die Übersichtstabelle sei aber lediglich eine Hilfestellung, ergänzt Dommann. Viel wichtiger sei, dass der Landwirt mitdenke. Auch die Zahlen der aktuellen Milchwägung fliessen in das Computerprogramm ein. Alle Kühe mit über 150'000 Zellzahlen werden ebenfalls kontrolliert.

Das Programm wertet die Daten aus, und es können diverse Diagramme erstellt werden wie zum Beispiel die Eiweissgehalttabelle. Stocker kann zufrieden sein, denn die Inhaltsstoffe der Milch seiner Kühe befinden sich im Normalbereich.


Daten der Milchwägung werden berücksichtigt


Die integrierte tierärztliche Bestandesbetreuung ist vertraglich geregelt. Sie beinhaltet

die regelmässigen Besuche, die 
gynäkologischen Untersuchungen, Therapien, Euteruntersuchungen, Milchprobeentnahmen usw. Nicht integriert sind Medikamente, Laborkosten oder Untersuchungen von Tieren ausserhalb der Pauschale.

Während der Untersuchungen bleibt auch Zeit, die Landwirte bei sonstigen Problemen zu beraten. Ursi Dommann verlangt bis zur 30. Kuh eine Entschädigung von 120 Franken pro Kuh und Jahr. Ab der 31. Kuh 90 Franken. «Meine Kosten pro Kuh sind mit dem Wechsel zur Bestandesbetreuung nicht gestiegen», antwortet Leo Stocker auf die Frage, ob er jetzt mehr für den Tierarzt bezahle.


Nachdem kurz besprochen wurde, welche Kuh untersucht wird, rüstet sich Ursi Dommann für die Untersuchung. Sie zieht sich den Schurz an, hängt das Ultraschallgerät um und ab gehts in den Stall.


Die vorher besprochenen Kühe werden nach und nach untersucht. Trächtig, nicht trächtig, noch warten mit besamen, morgen besamen – gemeinsam wird das weitere Vorgehen entschieden. «Ich habe durch die ITB wahnsinnig viel gelernt», sagt Leo Stocker. Und Ursi Dommann ergänzt lachend: «Meine Landwirte sind halbe Gynäkologen.»


Medikamentenverbrauch ist gesunken


Zurzeit betreut Ursi Dommann 14 Bestände. In ihrer Praxis, der AG für Tiergesundheit, werden auch Schweinebestände nach dem gleichen Prinzip von ihrem Kollegen betreut. Durch den regelmässigen Besuch des Bestands hat Dommann festgestellt, dass der Medikamentenverbrauch gesunken ist. Einige ihrer Bestände betreut sie auch homöopathisch.


Ein wichtiger Punkt bei der ITB sei auch die soziale Komponente. Die Chemie zwischen Tierarzt und Landwirt muss stimmen, da eng zusammengearbeitet wird. «Wenn ein Landwirt mir nicht ehrlich sagt, wie er was behandelt hat, kann das System nicht funktionieren», ist sich Dommann sicher.


Nach gut einer Stunde ist Ursi Dommann mit den Untersuchungen fertig. Ihr Fazit: 8 Kühe untersucht, 1 davon trächtig, 4 werden demnächst besamt und 2 haben ihre homöopathische Gaben gegen eine versteckte 
Euterentzündung bekommen. Draussen wird noch über dieses und jenes gesprochen, Neuigkeiten ausgetauscht, der Hofhund wird mit Guetzi bestochen und dann gehts weiter zum nächsten Bestand, der betreut werden möchte.

Julia Schwery

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