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«Die Tanten müssen laufen» – Fütterung im Melkroboter und bei Galtkühen

Ein Seminar der H. W. Schaumann AG lieferte praxistaugliche Antworten zur Fütterung der Milchkuh in Roboterbetrieben.

«Der Roboter ist die nächste Stufe der Tierfütterung», sagte Jan-Henrik Puckhaber, Milchviehhalter und Fütterungsspezialist aus Norddeutschland. Er eröffnete mit seinem Vortrag das ganztägige Seminar der H. W. Schaumann AG, das am 9. Dezember in Wädenswil durchgeführt wurde. Rund 100 Landwirtinnen und Landwirte kamen in die Wirtschaft Neubüel, um sich Vorträge zur Fütterung der Galtkuh sowie zur Fütterung der Milchkuh in Melkroboterbetrieben anzuhören.

Neben dem Melken ist der Melkroboter für Jan-Henrik Puckhaber vor allem ein Fütterungsinstrument. Anders als im klassischen Melkstand bietet er den Vorteil, dass er für jede Kuh genaue Daten liefert: wann sie kommt, wie viel Milch sie gibt, welche Qualität diese aufweist und wie viel Kraftfutter sie frisst. Dies helfe ungemein bei der exakten Versorgung mit Kraftfutter – vorausgesetzt, der Landwirt kennt die genauen Werte der Grundfutterration.

Übergeordnet müssen die Kühe an den Roboter gewöhnt sein und ihn freiwillig aufsuchen, sonst funktioniere das Ganze nicht: «Die Tanten müssen laufen», brachte es Puckhaber auf den Punkt.

Puckhabers weitere Erfahrung: Hochleistungsherden seien oft roboterfreundlicher, weil sie einen höheren Umsatz haben, mehr fressen, dadurch einen höheren Euterdruck aufweisen und den Roboter öfter aufsuchen. Kühe mit tiefer Leistung fressen – gerade bei hochwertigem Futter – nur so lange, bis sie satt sind, ihr Anreiz, den Roboter aufzusuchen, sei gering. Laut Puckhaber: «Solche Kühe liegen dann rum und sind einfach glücklich.»

Darum gilt für ihn: Zuerst mit gutem Grundfutter «den Tank füllen», danach der Leistung entsprechend mit Kraftfutter gezielt steuern.

«Die Tanten müssen laufen» – Fütterung im Melkroboter und bei Galtkühen
«Jede Kuh sollte die Chance bekommen, die beste Kuh zu sein.», sagt Landwirt und Futterberater Jan-Henrik Puckhaber.

Vier Laktationsphasen – und der Peak entscheidet

Diese bedarfsgerechte Fütterung ändert sich je nach Laktationsphase, in der sich die Kuh gerade befindet:

Phase 1 und 2 (bis ca. Tag 100)

In der ersten und zweiten Phase gilt nach Puckhaber: «Jede Kuh sollte die Chance bekommen, die beste Kuh zu sein.» Wer hier unterfüttert oder «mit angezogener Handbremse loslegt», vergebe wertvolle Milchleistung. Jeder zusätzliche Liter in der Spitze liefere zudem rund 200 Liter in der gesamten Laktation.

Das Ziel sei am Anfang, die Kuh zu einem möglichst hohen Peak «hochzuschieben», um danach eine abflachende, konstante Laktationskurve zu erreichen. Der Grundsatz dazu lautet: «Wer Milch gibt, wird gefüttert.» Eine 45-Liter-Kuh darf und soll beispielsweise gut um die 6 kg Kraftfutter erhalten – die Kraftfuttergabe orientiert sich an der Leistung, nicht am Bauchgefühl.

Phase 3 (ca. Tag 100 bis 300)

In dieser Phase folgt die Fütterung der fallenden Laktationskurve. Die zentrale Frage, die sich ein Landwirt hier stellen muss, lautet: Wie viel Energie braucht dieses Tier bei dieser Milchleistung nach der Grundration?

Die Gefahr bestehe hier weniger in der Unterversorgung, sondern in der Überfütterung – vor allem dann, wenn man die Energie der Grundration falsch einschätzt. In solchen Situationen steige das Risiko für Azidosen.

Phase 4 (kurz vor dem Trockenstellen)

Kurz vor Laktationsende empfiehlt Puckhaber einen klaren Schnitt. Statt einer langsamen Kraftfutterreduktion und einem «Rauschleichen» solle man die Kuh in rund zehn Tagen deutlich herunterfahren – dies regle man, neben der Kraftfutterversorgung, vor allem über die Melkanrechte. Die erlaubten Besuche müsse man auf unter zwei pro Tag senken. «Die Kühe müssen richtig durcheinanderkommen», sagte Puckhaber.

Futter anschieben – keine «Völkerwanderung» zum Trog

Ein weiterer praktischer Punkt betraf das Management am Futtertisch. In Roboterbetrieben müsse das Futter konsequent und häufig angeschoben werden: «Die Kuh darf nie das Gefühl haben, dass sie am Futtertisch etwas verpassen könnte.»

Ein Warnsignal sei, wenn es nach dem Vorlegen des Futters eine «Völkerwanderung» im Stall auslöse. Dann stimme die Ration oder das Fütterungsmanagement nicht – die Kühe sollten möglichst kontinuierlich fressen und nicht in Wellen zu ihren Fressplätzen strömen.

Galtkuhfütterung beginnt beim Kalb

Der zweite Referent, Simon Volgger, Fütterungsberater aus Südtirol, widmete seinen Vortrag der Galtkuhfütterung. Es sei völlig normal, dieser dieselbe Aufmerksamkeit zu widmen wie der Laktationsfütterung. Laut Volgger braucht es dazu das Mindset: «Die Kuh befindet sich immer im Produktionszyklus.»

Diesem Ansatz folgend beginne die Fütterung der Galtkuh bereits beim Kalb. Hier liege der Schlüssel in der Pansenentwicklung. Um diese zu fördern, empfiehlt Volgger zum einen, viel Stroh zu verfüttern, und zum anderen auf eine gut strukturierte totale Mischration (TMR) mit Partikellängen unter zwei Zentimetern zu setzen.

Schlecht sei hingegen ein hoher Anteil belüfteten Heus in der Kälberration. Für kleine Kälber könne der Zuckergehalt von bis zu 27 % deutlich zu hoch sein, der Pansen sei dafür noch nicht bereit. Die Folge: Der Dünndarm übersäuert, Durchfall ist vorprogrammiert.

«Die Tanten müssen laufen» – Fütterung im Melkroboter und bei Galtkühen
«Die Kuh befindet sich immer im Produktionszyklus.», sagt Fütterungsberater Simon Volgger.

Vier bis sechs Wochen vor der Kalbung den Stress rausnehmen

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vorbereitung der Rinder vor der ersten Kalbung. Spätestens vier bis sechs Wochen vor dem Kalbetermin sollten die Tiere Kontakt mit der Herde und der späteren Stallumgebung haben.

Ziel ist es, Stress zu reduzieren, Rangordnungsfragen zu klären und Stall wie Roboter kennenzulernen. Für den Roboter empfiehlt Volgger, die Rinder mit einem Kilogramm Kraftfutter «anzulocken»: Der Roboter soll im Kopf des Tieres mit etwas Positivem verknüpft sein, bevor die Laktation beginnt.

Galtkühe im alten Stall – Milchfieber im neuen

Viele Probleme entstehen laut Volgger nicht durch falsche Fütterung, sondern seien eigentliche Managementprobleme. Während die Milchkühe im neuen Stall modern und leistungsgerecht gefüttert werden, stehen Galtkühe im alten Stall und bekommen etwas Heu und Leckstein.

Kurz vor der Kalbung wechseln die Trockensteher dann in den neuen Stall und erhalten schlagartig eine sehr gut versorgende Ration mit viel Calcium. «Die Kuh startet schon mit Milchfieber», so Volgger.

Ein anderes Beispiel aus seiner Praxis: Ein Betrieb habe Kühe zugekauft, die von einem Betrieb stammen, wo sie Trinkwasser in Wannen zur Verfügung hatten. Im Milchstall auf dem neuen Betrieb hatten sie ebenfalls Trinkwasser in Wannen – im alten Galtkuhstall waren jedoch nur Druckwasserspender installiert. Das Resultat: Die Tiere waren diese Tränken nicht gewohnt und haben praktisch vier Tage nichts getrunken, bis sie merkten, wo sie zu Wasser kommen.

Am Ende machten beide Referate deutlich: Fütterung ist kein Selbstläufer – weder in der Laktation noch in der Galtphase. In beiden Abschnitten entscheidet das Management, ob die Kuh ihr Leistungspotenzial ausschöpfen kann. Moderne Hilfsmittel wie der Melkroboter liefern zwar immer präzisere Daten und eröffnen neue Möglichkeiten für eine optimale, tierbezogene Fütterung – genutzt und umgesetzt werden müssen sie aber nach wie vor vom Betrieb selbst.

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