Der SAV warnt: Ohne Annahme des Jagdgesetzes steht die Alpwirtschaft vor dem Aus

Ohne eine Regulation des Wolfbestands in der Schweiz sieht der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband keine Zukunft für die Alpwirtschaft. Es gehe dabei um viel mehr, als ein paar Schafe.

«Die in diesem Jahr ausgefallenen festlichen Alpauf- und Abzüge haben eine Leere hinterlassen», beschreibt Erich von Siebenthal. 2020 war es die Corona-Pandemie, die auf diese Weise einen Vorgeschmack darauf gegeben habe, was der Wegfall der Alpwirtschaft für Tradition und Tourismus bedeuten würde. Wenn es in Zukunft keine gesetzlich erlaubte Regulierung des Wolfsbestands in der Schweiz gibt, wird dieses Szenario Realität, ist sich der Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands SAV sicher. An einer Medienkonferenz am Mittwoch machte der SAV daher klar, dass es um mehr gehe als nur um ein paar Schafe und Ziegen.

Für Natur und Menschen wichtig

Die Pflege der Alpen wirke der Verbuschung entgegen und fördere die Biodiversität. Seltene Nutztierrassen wie robuste Ziegen gehörten untrennbar zum Berggebiet, das als Tourimusgebiet für Wanderer und Feriengäste eine wichtige Rolle spiele. «Das Sömmerungsgebiet umfasst rund einen Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz», führt Erich von Siebenthal aus. In diesen Gebieten produzierte man mit viel Handarbeit und traditionellem Wissen Spezialitäten wie Alpkäse. Auch die Tiere profitieren von viel Freiheit und naturnaher Haltung auf der Alp, unterstreicht der SAV. Das sei keine Ballenberg-Idylle, sondern erlebbarer und authentischer Arbeitsalltag. «Eine Regulierung des Wolfes ist für das Überleben der Alpwirtschaft unumgänglich.»

Der Wolf steht im Zentrum, der Rest steht zurück

Während die Befürworter ihre Argumentation fast ausschliesslich auf die Probleme mit Wölfen konzentrieren, ermahnen Umweltverbände an den gesamten Artenschutz. Das neue Jagdgesetz unterlaufe diesen, warnen sie.

Für SAV-Präsident Erich von Siebenthal ist eine Regulation des Wolfes das oberste Ziel. «Die Grossraubtier-Bestände haben ein für die Alpwirtschaft bedrohendes Ausmass angenommen», erklärt er, «die Chance auf eine Gesetzeslösung zur Regulierung wegen z. B. eines Bibers abzulehnen, geht nicht. Das ist kein Argument.» Trotzdem findet er es «tragisch», dass man in dieser eigentlichen Notsituation die anderen Teile der Vorlage für die Revision des Jagdgesetzes nicht besser beurteilen könne. Er hoffe hier auf eine massvolle Umsetzung in der Verordnung und der Praxis.

Verluste durch den Wolf sind zu viel

Ein weiteres Argument der Gegner ist die grosse Anzahl Schafe, die aus anderen Gründen auf Alpen zu Tode kommen. «Älplerinnen und Älpler leben mit Naturgefahren wie Unwettern, Schnee, Steinschlag usw.», meint von Siebenthal. Mit diesen Verlusten habe man Leben gelernt. «Die finanzielle, psychische und arbeitstechnische Belastung durch den Wolf kommt nun aber noch dazu – und ist zu viel», macht er deutlich.

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