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Legehennen statt Milchkühe: Sieben zähe Jahre bis zur ersten Herde im Stall

Im Dorfzentrum von Wiesendangen hatte die Milchwirtschaft keine Zukunft. Marc Peter setzte auf Legehennen, bis zur ersten Herde vergingen sieben Jahre. Heute hält er 18 000 Tiere.

Jeden Morgen und jeden Abend ist Marc Peter im Stall, rund sechseinhalb Stunden am Tag, zum Teil zu zweit. «Ich bin nicht weniger im Stall, als wenn ich Kühe hätte», sagt der Bauer aus Wiesendangen ZH. «Aber ich muss in der Nacht nicht aufstehen, und wenn das Licht gelöscht ist, habe ich Ruhe.»

Während Generationen wurden auf dem Betrieb Milchwirtschaft und Ackerbau kombiniert. Mitten im Dorf gab es für die Tierhaltung jedoch keine Perspektive. Die Familie wollte weiterhin von der Landwirtschaft leben und etwas produzieren, «das auch tatsächlich gesucht ist». Nur auf den Ackerbau zu setzen, kam nicht infrage: «Das ist eine Lotterie, mal ist die Ernte gut, dann wieder nicht. Konstantes Einkommen erzielt man mit Tieren.» Ein Versuch mit Kirschen wurde nach 15 Jahren wieder aufgegeben. 2008 begann sich die Familie intensiv mit Legehennen zu beschäftigen.

«Das geht nie mehr ganz weg»

Was folgte, beschäftigt Marc Peter bis heute. Im Kanton Zürich sei es extrem schwierig, eine Bewilligung für Hühner- oder Schweinehaltung zu erhalten, obwohl alle technischen und betrieblichen Auflagen von Anfang an erfüllt gewesen seien. Sechs Jahre dauerte es bis zum Baubeginn, 2015 zog die erste Herde ein. Ein Kollege, mit dem er 2008 die ersten Ställe besichtigt hatte, konnte im Kanton Schaffhausen viel früher beginnen. Dabei gab es gegen das Projekt mit 4,5 Hektaren Auslauf keine einzige Einsprache, weder aus der Bevölkerung noch von Pro Natura. «Es war eine wissentliche und willentliche Schikane vonseiten der Verwaltung, teilweise auch offen ausgesprochen. Das geht nie mehr ganz weg.»

Das Verfahren kostete Geld, allein schon durch die entgangene Eierproduktion. Froh ist Peter, dass der Abnehmer zum Betrieb hielt: «Im schlimmsten Fall hätten wir eine Bewilligung gehabt, aber keinen Abnehmer mehr.» Ein moderner Legehennenstall sei «ein grosser Lupfer», man müsse entschlossen sein. Neben einem Basiskurs habe er vor allem auf Vernetzung gesetzt: «So hatten wir gute Leute, die uns geholfen haben.»

Arbeitsteilig produzieren

Die Legehennen passen gut zum Ackerbaubetrieb mit Kartoffeln, Rüben, Getreide, Raps und Mais. Der anfallende Mist kann in der Fruchtfolge gut eingesetzt werden. Die Futtermühle stellt die Mischung her, Aufzüchter liefern die Junghennen, und mit dem Eierhändler bestehen Index-Verträge: Steigen oder fallen Futter-, Junghennen- oder Energiepreise, passt sich auch der Eierpreis an. Die vertragliche Abnahmepflicht sei derzeit eher eine Lieferpflicht, denn Schweizer Eier seien sehr gesucht. Am stärksten ins Geld gehen das Futter und die Junghennen. «Man ist halt immer von anderen abhängig», sagt Marc Peter.

Eine Herde bleibt rund 60 Wochen im Stall, die Hennen werden knapp 80 Wochen alt. Beim Ausstallen helfen jeweils rund 50 Leute mit. Zwischen zwei Herden liegen zwei anstrengende Wochen, in denen der Stall geputzt, gewaschen und desinfiziert wird.

Seuchen als grösstes Risiko

Die grössten Sorgen bereiten Tierseuchen und Salmonellen. Salmonellen gelangen über Mäuse, Vögel oder Menschen in den Betrieb. Bei Auslaufhaltung lässt sich das nie ganz ausschliessen. Geimpft wird in der Schweiz nicht, weil sonst keine verlässlichen Tests mehr möglich wären. Bei Vogelgrippe oder Newcastle wird die ganze Herde gekeult.

Eine Tierseuchenversicherung hat Peter abgeschlossen, doch das grösste Problem wäre, kurzfristig neue Junghennen zu bekommen. Vor der Vogelgrippe hat er derzeit keine grosse Angst, der Betrieb liegt weder in Seenähe noch an einer grossen Zugvogelroute.

«Aber der Druck ist in ganz Europa gross und nimmt mit der Saison der Vogelzüge stark zu.» Wichtig sei, schnell zu reagieren und die Ausläufe zu überdecken. Problematisch sei, wenn sich Hobby- und Ziervogelhalter den Sicherheitsmassnahmen entzögen.

Ein Kuhstall kommt nicht mehr

Mit 18 000 Hennen ist die Höchstbestandesgrenze erreicht. «Ich darf keine Sau und kein Huhn zusätzlich haben.» Könnte er, würde er vielleicht auf Mastpoulets setzen.

Aus dem nüchternen Rechenbeispiel von damals ist inzwischen mehr geworden: «Ich bin richtig gern im Stall. Jeden Morgen, jeden Abend, das gibt Struktur.» Einen Kuhstall werde er sicher nicht mehr bauen, vor den Milchproduzenten habe er aber grossen Respekt. Was in Zukunft sei, «muss dann die nächste Generation wissen».

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