Bäuerin macht’s möglich: 2000 Hennen, drei Kinder und Schichtdienst im Spital

Bettina Trepp-Eugster ist Pflegefachfrau, Bäuerin und dreifache Mutter. Mit ihrem Mann Martin bewirtschaftet sie im thurgauischen Wetzikon einen Biohof mit Mutterkühen, 2000 Legehennen und Obstbau.

«Autsch» – der eineinhalbjährige Nino ist gestürzt und braucht ein Pflästerli. Bettina Trepp-Eugster hat schnell die Apotheke zur Hand und verarztet ihn. Sofort beschäftigt sich ihr Sohn wieder zufrieden mit seinem Spielzeugtraktor. Der Hof Steinwies liegt auf dem Immenberger Höhenzug südöstlich von Frauenfeld, im Weiler Wetzikon TG. Diffuser Saharasand stört die Bergsicht. Trotzdem schweift das Auge über die Landschaft, die auch hier nicht mehr sattgrün ist.

«Es ist leider so, dass auch bei uns das Futter knapp wird und wir schon eine Weile Heu füttern müssen», sagt die 34-Jährige nachdenklich. Glück hatten sie, dass sie die Hälfte ihrer Mutterkuhherde, ungefähr zehn Stück Vieh, auf einer Alp oberhalb von Nufenen GR im Rheinwald sömmern konnten. Dort oben war das Futter noch vorhanden.

Dass auf dem Hof eine Familie mit Kindern lebt, ist nicht zu übersehen. (Bild: Ruth Bossert)

Liebt die anspruchsvolle Arbeit im Spital

Bettina Trepp-Eugster ist in Thundorf TG mit zwei Brüdern auf einem Bauernhof mit Milchwirtschaft und Ackerbau aufgewachsen. Sie hat gerne auf dem Hof mitgeholfen, beruflich entschied sie sich dann doch für eine andere Richtung.

Nach der Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit hängte sie die höhere Fachschule an und arbeitet heute in einem 30-Prozent-Pensum als Pflegefachfrau im Kantonsspital Frauenfeld, wo sie schon während ihrer Ausbildung tätig war.

Bettina Trepp-Eugster mit Nesthäkchen Nino. Mit drei Kindern zwischen 1,5 und 6 Jahren hat die 34-Jährige alle Hände voll zu tun. (Bild: Ruth Bossert)

«Ich möchte meinen Beruf keineswegs missen», sagt sie. Sie schätzt die Arbeit und den Kontakt mit Mitarbeitenden und Patienten. Sie braucht Abwechslung, löst gerne komplexe, anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgaben und kehrt müde, aber erfüllt von ihren Spätschichten im Spital auf den Hof und zu ihrer Familie zurück. Es sei ein Privileg, dass sie ihre drei noch kleinen Kinder, Nino (1,5), Fiona (4) und Luisa (6), an ihren Arbeitstagen am Nachmittag ihren Eltern bringen könne und sie abends von ihrem Mann ins Bett gebracht würden.

Es war ein mutiger Schritt

Als sie ihren Mann Martin 2011 am Flumserberg-Openair kennenlernte, arbeitete der gelernte Zimmermann im Bündnerland. Sie sei damals enttäuscht gewesen, dass es kein Bauer war, in den sie sich verliebte.

Das Paar pflegte eine Fernbeziehung, bis Martin sich entschied, zu Bettina in den Thurgau zu ziehen. Er fand eine Stelle als Zimmermann, half gerne auf dem Hof von Bettinas Familie und war zufrieden. Bettina merkte jedoch, dass ihm etwas fehlte, und schlug ihm vor, noch eine landwirtschaftliche Ausbildung zu machen.

Martin wuchs auf einem Bergbauernbetrieb in Medels bei Splügen GR auf, der inzwischen verkauft wurde, und war sofort begeistert, obwohl keine Aussicht auf einen Hof bestand. «Im Rückblick war das sehr mutig, diesen Schritt zu wagen», sagt sie ernst.

Das junge Paar hatte Riesenglück. Ihnen wurde der Betrieb Steinwies mit Mutterkuhhaltung und 20 Hektaren Wiesland und Futterbau zum Kauf angeboten. Mit Unterstützung beider Eltern kauften sie im Jahr 2019 den Betrieb und zogen kurze Zeit später auf den Hof. Martin, der gelernte Zimmermann, baute den konventionellen Stall in eigener Regie zu einem modernen Laufstall um und arbeitete anfangs noch Teilzeit in einer Zimmerei. Der Betrieb wurde auf Bio umgestellt.

Der Betrieb passt zur Familie

Mit den Kindern reduzierte Bettina Trepp-Eugster ihr Arbeitspensum. Seit diesem Jahr arbeitet ihr Mann nicht mehr auswärts. Seit Februar leben 2000 Legehennen im neu erstellten Stall. Mit zehn zusätzlichen Hektaren Pachtland mit Obstbäumen hat sich ihr Wunsch nach einem vollen Erwerbsbetrieb erfüllt.

Ihre Kindheit als Bauerntochter hat sie geprägt: Auch im Stall fühlt sich Bettina Trepp-Eugster wohl. (Bild: Ruth Bossert)

Zudem sind in diesen ersten Jahren auch ihre drei Kinder auf die Welt gekommen. Natürlich war die Zeit intensiv, anspruchsvoll und voller Arbeit. «Doch wir sind sehr glücklich und dankbar, dass wir diesen Betrieb kaufen konnten und in diesem schönen Haus mitten in der Natur mit unserer Familie leben dürfen.» Wie sich die Arbeit mit den 2000 Hennen und dem Obstbau entwickelt, weiss sie noch nicht. «Mir gefällt die Arbeit auf dem Betrieb sowie im Spital, deshalb kann ich mir beides sehr gut vorstellen», hält sie fest. «Mein Wunsch ist es, beiden Leidenschaften nachgehen zu können.»

Auch das Dorfleben liegt ihr am Herzen

Hat Bettina Trepp-Eugster auch Zeit für sich allein? «Wenig», sagt sie. Sie tankt bei der Arbeit auf, geht ins Pilates und trifft sich mit Freundinnen.

Mit zwei von ihnen gründete sie im vergangenen Jahr in Wetzikon den Dorfverein und präsidiert ihn. Im Weiler gebe es heute rund 60 Haushalte, aber weder Schule noch Kindergarten, Laden oder öffentlichen Verkehr. Deshalb findet sie es wichtig, dass es einen Dorfverein gibt, der ein paar Anlässe organisiert, damit sich die Einwohner treffen und sich die Neuzugezogenen kennenlernen.

Eben haben sie das Dorffest gefeiert, Anfang Jahr wird zum Neujahrsapéro eingeladen, und schliesslich gibt es noch die Jahresversammlung.

Fünf Fragen an Bettina Trepp-Eugster

Worüber können Sie lachen?

Über lustige Ideen unserer Kinder.

Welchen Traum möchten Sie verwirklichen?

Ich darf meinen Traum bereits leben, mit meinem Mann und unseren Kindern einen Landwirtschaftsbetrieb zu führen und meiner Arbeit als Pflegefachfrau nachzugehen.

Was war Ihre schönste Kindheitserinnerung?

Wenn wir mit meiner Mutter oder meinem Vater die Milch in die Käserei bringen durften. Während mein Vater die Milch ablieferte, kauften wir im Käseladen ein. So kam es ab und zu vor, dass er vergass, uns mit nach Hause zu nehmen. Mit der Zeit ist jeweils einer von uns Kindern vor dem Laden «Wache» gestanden, damit wir nicht vergessen wurden.

Worüber haben Sie sich in den letzten 24 Stunden geärgert?

Über das «Gemotze» meiner Kinder am Esstisch, was sie alles nicht essen wollen.

Welcher ist Ihr Lieblingsplatz?

Bei uns zu Hause auf der Schaukel auf unserer Veranda mit Blick auf den Säntis, die Churfirsten und manchmal bis auf den Bodensee.

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