Die anhaltende Trockenheit in diesem Sommer führte vielerorts zu Futterknappheit. Wie sah es allgemein im Kanton Solothurn aus?
Edgar Kupper: Die Hitze und Trockenheit waren auch im Kanton Solothurn massiv und betrafen den ganzen Kanton sowie alle Kulturen, den Futterbau, die Acker- und Gemüsekulturen. In der Juraregion und im Schwarzbubenland litt man noch etwas mehr. Tiefgründige und schwere Ackerböden waren etwas im Vorteil. Die Dürre ist wohl beinahe mit der Trockenheit von anno 1947 vergleichbar und übertraf jene von 1976 und 2003 klar.
Wie zufrieden waren Sie mit der Wasserversorgung?
Die Trinkwasserversorgung der Höfe und Haushalte funktionierte an vielen Orten recht gut. Wassertransporte waren aber auf einigen Betrieben und Sömmerungsweiden nötig und der sparsame Umgang mit dem Wasser auf vielen Betrieben unabdingbar. Die Bewässerung von teuren Acker- und Gemüsekulturen war aber längst nicht überall im nötigen Ausmass möglich. Das Trocken- und Hitzejahr belastete die Bäuerinnen und Bauern sehr, auch mental, und nach wie vor hat es an den meisten Orten nicht genügend geregnet. Zudem hat es einige Solothurner Regionen Ende August durch den Hagelsturm stark getroffen. Dächer wurden regelrecht durchlöchert oder wurden weggerissen und die restlichen Pflanzenkulturen, auch die Silomaiskulturen, zerhackt und zerstört.
Der Solothurner Bauernverband SOBV hat eine Futterbörse und ein Silomaisangebot eingerichtet. Wie war die Resonanz und wie viel Futter konnte der SOBV schon vermitteln?
Die Resonanz auf die Silomaisvermittlung wie auch bezüglich der Futterbörse war sehr positiv. Die Mitglieder schätzen es, dass der SOBV diese Aktivitäten in der herausfordernden Zeit an die Hand genommen hat. Das zeigte sich auch bei der Auslieferung auf den Höfen.
Bekam man genügend Futtermittelangebote?
Angebote und Bestellungen trafen sehr rasch und in grosser Menge ein. Anfang August herrschte unter den Rindviehhaltern eine grosse Verunsicherung, ob auf dem Markt überhaupt genügend Futtermittel erhältlich sind, da insbesondere in Frankreich und in Deutschland ebenfalls eine grosse Dürre herrschte. Die vom SOBV organisierte grössere Menge Silomaisballen aus dem grenznahen Elsass wurde bereits an über 70 Solothurner Tierhalter direkt auf den Hof ausgeliefert und dies zu einem sehr valablen Selbstkostenpreis. Die Zusammenarbeit mit den französischen Landwirten, mit den Lohnunternehmern und den Landwirten, welche die Zollabwicklung und den Transport organisierten, war sehr erfreulich und von viel Hilfeleistung geprägt.
Wo lagen die Schwierigkeiten und Herausforderungen bei der Futterbörse?
Es war von Anfang an klar, dass wohl mehr Gesuche als Angebot aufgeschaltet werden. Erfreulicherweise wurden aber doch noch relativ viele Flächen für Anbau oder Kauf von Herbstfutter publiziert und auch einige Mais- und Raufutterangebote wurden aufgeschaltet. Somit hat die Vermittlung, wenn auch in einem kleineren Ausmass, stattgefunden und geholfen, die Not etwas zu lindern und Zuversicht zu fördern. Und das war von Anfang an das Ziel des SOBV.
In Zukunft hat das Wasservorkommen für die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen höchste Priorität im Kanton Solothurn. Wo sehen Sie als Geschäftsführer des SOBV die grössten Herausforderungen?
Der Dürresommer 2026 zeigte die sehr limitierten Bewässerungsmöglichkeiten und den dringend nötigen Handlungsbedarf im Kanton Solothurn unmissverständlich auf. Da die Bewässerung ab Fliessgewässern laufend eingeschränkt wurde und zu wenig Grundwasserbrunnen vorhanden sind und zudem auch die Bewässerung ab den Gemeindewasserwerken nicht überall möglich ist, mussten viele Landwirt(innen) machtlos zuschauen, wie die Kulturen verdorrten. Sie mussten teilweise auch neidisch über die Kantonsgrenze schauen, wie die Bauern die Felder ab den dort installierten Grundwasserbrunnen bewässern konnten.
Als Solothurner Mitte-Kantonsrat haben Sie auch einen parlamentarischen Vorstoss für eine nachhaltige und bezahlbare Bewässerung für die Solothurner Landwirtschaft eingereicht. Was beinhaltet dieser Vorstoss genau?
Mein parlamentarischer Auftrag fordert den Regierungsrat und die zuständigen Ämter auf, wichtige Massnahmen wie Grundwasserbrunnen, Wasserrückhaltebecken, Bewässerungsinfrastruktur, Keyline-Systeme usw. zu erarbeiten. Generell die Erschliessung von vorhandenen Wasservorkommen für die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen rasch aufzuzeigen und zu fördern, damit diese möglichst rasch umgesetzt werden können. Ebenfalls sollen die Konzessionsgebühren und Wasserzinse überprüft und moderat gestaltet werden. Die entsprechenden Bewilligungsverfahren sollen einfach, effizient und verhältnismässig abgewickelt werden. Der Handlungsbedarf ist in diesen Bereichen dringend nötig.
Welche Chancen hat dieser Vorstoss im Parlament? Wo, glauben Sie, gibt es Gegenwehr?
Bei vorgängigen Gesprächen mit der zuständigen Verwaltung habe ich festgestellt, dass die Themen der ungenügenden Bewässerungsmöglichkeiten in Solothurner Gebieten bekannt sind, insbesondere dort, wo grosse Grundwasservorkommen vorhanden sind. Der Dürresommer 2026 hat dies klar aufgezeigt. Der Kanton ist auch bereits daran, gewisse Massnahmen des Wasserrückhalts und der Bewässerung langsam umzusetzen. Für die Erstellung wichtiger Bewässerungsgrundinfrastruktur ist die Landwirtschaft auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
Wie sieht es mit der Finanzierung aus?
Diese teuren Massnahmen kann die Landwirtschaft kaum selbst finanzieren. Dazu braucht es Fördergelder vom Kanton, um Fördergelder des Bundes auslösen zu können. Das ist sicher einer der Knackpunkte. Dabei ist es wichtig, dass Prioritäten gesetzt und die Fördergelder gezielt eingesetzt werden. Es besteht meiner Ansicht nach eine echte Chance, dass sich eine Mehrheit der Solothurner Parlamentarierinnen und Parlamentarier bewusst ist, dass die Lebensmittelproduktion in Dürreperioden noch herausfordernder ist, dass Handlungsbedarf besteht und sie den Vorstoss entsprechend unterstützen werden.
Wenn alles normal verläuft, wird der Vorstoss in der Wintersession oder Anfang 2027 im Kantonsrat behandelt. Was passiert danach und was bedeutet das für die Landwirtschaft?
Der Regierungsrat und die Ämter werden den Vorstoss vor der Behandlung im Kantonsrat beantworten und den Weg der Umsetzung aufzeigen. Ich gehe davon aus, dass er offen ist, die wichtigsten Anliegen der Landwirtschaft entgegenzunehmen und Umsetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die Verfahren zu beschleunigen und zu vereinfachen und die nötigen Fördermittel zu sprechen.
Welche Rolle spielt hier der SOBV?
Wichtig ist, dass wir die vielen Stimmen der Landwirtschaft, die sich während des Dürresommers auf dem Solothurner Bauernsekretariat und der Verwaltung gemeldet haben, weiter an die Regierung geleitet haben. Die Anliegen wegen der fehlenden Bewässerungsmöglichkeiten und der gesetzlich ungenügenden Regelungen sammelten wir gebündelt und brachten sie an den richtigen Stellen ein. Ich rufe die Landwirtinnen und Landwirte daher dazu auf, sich auf dem Bauernsekretariat oder bei der zuständigen Verwaltung zu melden und die Bedürfnisse darzulegen. Ziel muss sein, dass in Zukunft mehr Felder gezielt, bedarfsgerecht und nachhaltig bewässert werden können und dies möglichst effizient und wassersparend. Das sichert die regionale Wertschöpfung, die Einkommen in der Landwirtschaft und auch die wichtige Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln.

