Schöner Abschluss der Milchviehhaltung: Osterwalders mit Bio Bruna Award ausgezeichnet

Um die 1500 Braunvieh-Herdebuchbetriebe wirtschaften nach den Bio-Suisse-Richtlinien. 33 davon wurden mit dem Bio-Award ausgezeichnet. Darunter auch Durana und Reto Osterwalder aus Wängi, die gleich in mehreren Merkmalen die Höchstwerte erreichten.

Langlebige Kühe mit hohen Inhaltsstoffen und Lebensleistungen, kombiniert mit einer guten Fruchtbarkeit und gesunden Eutern, sind Voraussetzung für den Bio Bruna Award. Im Jahr 2025 schafften es nur 33 von den rund 1500 Braunvieh-Herdebuchbetrieben, die nach den Bio-Suisse-Richtlinien wirtschaften, alle Anforderungen (siehe Kasten) zu erfüllen.

600 Quadratmeter grosser Tiefstroh-Laufstall

Von diesen 33 Bio-Betrieben wiesen Durana und Reto Osterwalder aus Wängi TG gleich bei drei Einzelwerten das Bestresultat auf. Mit 3.65 Prozent hatten sie den höchsten Eiweissgehalt, mit 43 088 kg Milch die höchste Lebensleistung und mit sechs Jahren auch die längste Nutzungsdauer. «Ein wichtiger Punkt für unsere gesunden und langlebigen Kühe ist sicher der Kuhkomfort im 600 Quadratmeter grossen Tiefstroh-Laufstall», erklärt Landwirtin Durana Osterwalder, die die rund 55 Milchkühe in den letzten Jahren gemanagt hat. Tiere, die Probleme beim Aufstehen hätten oder an Gliedmassenerkrankungen leiden, gebe es äusserst selten.

Schöner Abschluss der Milchviehhaltung: Osterwalders mit Bio Bruna Award ausgezeichnet
Der Betrieb in Wängi wird seit über 20 Jahren biologisch bewirtschaftet. Dank der Liegehalle sind die Investitionen für die Umstellung auf die Bio-Weide-Beef-Produktion tief.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die bedarfsgerechte Fütterung: «Wir haben dank unseres Betriebsstandortes hervorragendes Grundfutter wie gehaltsstarkes Kunstwiesenfutter, Graswürfel und Silomais. Zudem lassen wir aus unserem eigenen Futtergetreide auch noch Kraftfutter herstellen», so die gebürtige Bündner Oberländerin weiter. Dank der guten Futtergrundlage auf ihren 36 Hektaren Betriebsfläche seien auch die strengeren Fütterungsvorschriften von Bio Suisse einfacher umzusetzen gewesen als auf Biohöfen im Berggebiet.

Der Schnitt bei den zehn Brown-Swiss-Kühen lag bei rund 7500 kg, bei den 45 Jersey-Milchkühen lag er bei 6000 kg mit sehr hohen Gehalten.

Von Milchproduktion zu Bio-Weide-Beef

Die Milchkühe konnten täglich auf die Weide. Die Vergangenheitsform deshalb, weil Durana und Reto Osterwalder aktuell an der Umstellung von der Milchviehhaltung auf die Bio-Weide-Beef-Produktion sind. «Die Umstellung hat nichts mit der aktuellen Situation auf dem Milchmarkt oder der Wirtschaftlichkeit zu tun. Ganz im Gegenteil: Wir hatten im vergangenen Jahr dank der hohen Milchgehalte bei unserem Milchkäufer Züger Frischkäse AG fast einen Franken Milchpreis», betont Durana Osterwalder.

Archivnummer: BVCH31872
Landwirtin Durana Osterwalder stammt aus einer Bündner Viehzüchterfamilie. Auf dem Foto steht sie neben ihrem Schwiegervater Hansruedi Osterwalder und der 100000er-Kuh Carlo Elena.

Der Grund für die Umstellung: Das von ihrem Mann vor rund zehn Jahren gegründete Lohnunternehmen ist stark gewachsen. Mittlerweile arbeiten neun Personen mit. «Das Lohnunternehmen ist die grosse Leidenschaft meines Mannes. Die grosse Nachfrage nach Dienstleistungen in Bereichen wie der Kompostherstellung und dem Gülle- und Mistmanagement absorbiert ihn immer stärker.»

In den letzten Jahren hat mehrheitlich Durana Osterwalder mit der Unterstützung von Mitarbeitenden die Milchviehhaltung geführt. Gutes Personal für den Stall zu finden, sei allerdings zunehmend eine Herausforderung. «Zudem bekommen wir erfreulicherweise bald unser zweites Kind», erklärt die ausgebildete Landwirtin weiter. Ein gewisses Mass an Flexibilität und kleine Auszeiten seien für sie und ihre junge Familie wichtig: «Wenn die Situation auf dem Hof nicht mehr stimmt, sollte man nicht abwarten, sondern etwas anpassen und auch einmal etwas Neues wagen.»

Schöner Abschluss der Milchviehhaltung: Osterwalders mit Bio Bruna Award ausgezeichnet
Das Lohnunternehmen von Familie Osterwalder ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen.

Kühe wegzugeben, ist nicht einfach

Durana Osterwalder stammt aus einer Viehzüchterfamilie und ist früher aktive Jungzüchterin gewesen. Der Schritt, die Milchkühe wegzugeben, sei für sie sicher nicht ganz einfach. «Ich bin froh, dass wir für fast alle unsere Kühe einen guten Platz finden konnten. Erleichtert hat uns den Entscheid sicher auch, dass meine Schwiegereltern die Umstellung nie infrage gestellt haben», so Durana Osterwalder. Sie freut sich nun auf den Aufbau des neuen Betriebszweiges Bio-Weide-Beef: «So ganz ohne Tiere auf dem Betrieb – das wäre für mich wohl schon eine anspruchsvolle Situation.»

Bio Bruna Award Gewinner 2025

Talgebiet: Reto Osterwalder, Wängi TG; Toni Stadler-Stutz, Sempach Station LU; Dominik Bühlmann, Maschwanden ZH; Marcel und Othmar Wiederkehr, Römerswil LU; Helmuth und Anita Gstöhl, Eschen FL; Toni Riebli-Abächerli, Giswil OW. Berggebiet: Roger Tanner, Stein AR; Andreas Blatter, Hofstetten BE; Jacob Anton Sigron, Vaz/Obervaz GR; Fritz Ramsauer, Stein AR; Werner Bürgler-Ramsauer, Rickenbach SZ; Josef Rohrer-Gasser, Flüeli-Ranft OW; Toni Zuberbühler, Hundwil AR; Simon Widmer, Mühlrüti SG; Martin Brülisauer, St. Gallen SG; Peter Ammann, Wattwil SG; Toni Jäger-Patt, Peist GR; Lorenz Gantenbein, Speicher AR; André Rohrer-Kathriner, Flüeli-Ranft OW; Corinne Hegglin, Menzingen ZG; Ernst Knellwolf, Herisau AR; Werner Schwizer, Unterwasser SG; Alois von Moos-Vogler, Sachseln OW; Michael Spichtig, Melchtal OW; Simon Niederberger, Alpnach Dorf OW; Adrian Riebli, Giswil OW; Gallus Wetter, Gonten AI; Robert Egli, Rehetobel AR; Simon Wolf, Giswil OW; Ueli Rutz, Nesslau SG; Franz Jenni, Escholzmatt LU; Rebekka Alpiger, Wildhaus SG; Heinz Eggenberger, Grabs SG.

Bedingungen für den Bio Bruna Award

Produktionsform: Bio-zertifiziert Anzahl Abschlüsse: Mindestens 8 Abschlüsse mit mindestens 270 Laktationstagen. Berggebiet: Eiweiss: mindestens 3,2 %, Lebensleistung: mindestens 24 000 kg, Zellzahl: maximal 100, Nutzungsdauer: mindestens 3,5 Jahre, Serviceperiode: maximal 110 Tage. Talgebiet: Eiweiss: mindestens 3,3 %, Lebensleistung: mindestens 26 000 kg, Zellzahl: maximal 100, Nutzungsdauer: mindestens 3,5 Jahre, Serviceperiode: maximal 110 Tage.