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Zeigerpflanzen im Ackerbau: Wertvolle Indikatoren für Bodenfruchtbarkeit und Standortanalyse

Pflanzen, die auf dem Acker wie auch im Garten in die Kategorie «Unkraut» fallen, werden meist wenig wertgeschätzt, übersehen oder aktiv bekämpft. Doch genauer hinzuschauen, lohnt sich, denn jede Pflanze gibt viele Aufschlüsse über den Boden, auf dem sie gedeiht.

Kurz & bündig

-Vor allem das Vorkommen von verschiedenen Pflanzengruppen gibt viele Aufschlüsse über wichtige Bodenparameter. Doch auch einzelne Pflanzen können schon Hinweise geben. -Nicht nur die Gattung einer Pflanze ist auf einen bestimmten Standort angepasst. Ihre Arten und Unterarten können ebenfalls individuelle Standortansprüche haben. -Eine differenzierte Bodenanalyse erübrigt sich durch das Beobachten von Zeigerpflanzen nicht. Dennoch birgt es für den Acker ein grosses Potenzial, Zeigerpflanzen vor allem langfristig zu beobachten und entsprechend zu reagieren.

Den Gegebenheiten auf dem Acker entsprechend entwickeln sich auf den Standort angepasste Pflanzen. Einflussfaktoren wie Klima, Geologie, Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Düngung wirken sich auf deren Vorkommen aus. Vor allem in früheren Zeiten, in denen noch keine detaillierten Bodenanalysen zur Verfügung standen, nutzten Landwirte und Landwirtinnen Zeigerpflanzen, um Entscheidungen zur Nutzung und Pflege ihrer Anbauflächen zu treffen. Doch auch heute noch ist das Wissen um die verschiedenen «Unkräuter» als Zeigerpflanzen im landwirtschaftlichen Alltag nützlich.

Die Kriech-Quecke zeigt nährstoffreiche und dichte Böden im Getreide und im Grünland an.
Die Kriech-Quecke zeigt nährstoffreiche und dichte Böden im Getreide und im Grünland an.

Bereits das Auftreten einzelner Zeigerpflanzen könne Aufschluss über bestimmte Bodenbeschaffenheiten geben, sagt Hans Ramseier von der Gruppe Pflanzenschutz und Agrarökologie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL). Es sei klar, dass Sauerampfer, wenn auch nur in geringer Menge, auf saure Bodenverhältnisse hinweise, während Klatschmohn zum Beispiel nie auf sauren Böden vorkomme, so Ramseier. Der Experte erklärt weiter: «Um eine fundierte Aussage über die Bodenverhältnisse treffen zu können, ist jedoch schon ein erhöhtes Aufkommen von Pflanzen respektive Pflanzengruppen nötig. Man muss stets das Gesamtbild der Vegetation und andere Faktoren beachten.» Doch wie präzise sind die Aussagen, die man anhand von Zeigerpflanzen zur Bodenbeschaffenheit treffen kann?

Zeigerpflanzen geben Auskunft zu pH-Wert und Nährstoffgehalt

Laut Hans Ramseier repräsentieren Zeigerpflanzen keine exakten Messwerte, sondern eher Tendenzen verschiedener Bodenmerkmale und Standorteinflüsse, wie etwa den pH-Wert, den Nährstoffgehalt, die Feuchtigkeit und die Verdichtung. «So kann zum Beispiel der pH-Wert durch andere Standorteinflüsse wie etwa den Humus- und Lehmgehalt, das Nährstoffvorkommen, insbesondere Stickstoff (N), und die flache oder tiefe Wurzelausbildung überlagert werden.» Auch die Fruchtfolge habe einen Einfluss auf die Stärke des Auftretens: mit den Herbstkulturen werden Zeigerpflanzen wie Windhalm und Acker-Fuchsschwanz gefördert, während Hackfrüchte wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais vermehrt von wärmeliebenden Zeigerpflanzen wie Gänsefuss und Hirsen begleitet werden.

Zeigerpflanzen könnten Bodenanalysen schon deshalb nicht vollständig ersetzen, weil Letztere für Direktzahlungen obligatorisch seien, merkt Ramseier an. Trotzdem können sie ein sehr wertvolles Instrument für die Einschätzung der Bodenfruchtbarkeit sein. Besonders längerfristige Beobachtungen geben Aufschluss über Veränderungen im Boden.

«Quecken sind zum Beispiel sehr verlässliche Zeiger für Bodenverdichtungen, wenn sie vermehrt auftreten. Wenn Quecken über die Jahre zurückgehen, ist das für mich ein Zeichen, dass auch die Bodenverdichtungen zurückgegangen sind. Treffe ich auf meinem Acker als Leitunkräuter Rote Taubnessel, Vogelmiere, Persischer und Efeublättriger Ehrenpreis an, heisst das, dass es sich beim Standort um einen nicht vernässten, nicht verdichteten, gut mit Nährstoffen versorgten Boden mit genügend vorhandenem Humus handelt», also insgesamt gute Verhältnisse, erklärt Ramseier.

Zeigerpflanzen im Ackerbau: Wertvolle Indikatoren für Bodenfruchtbarkeit und Standortanalyse
Zeigerpflanzen im Ackerbau: Wertvolle Indikatoren für Bodenfruchtbarkeit und Standortanalyse

Ampfer ist nicht gleich Ampfer – die Art verrät mehr

Wie individuell und spezialisiert sogar Pflanzen einer Gattung oder einer Art auf unterschiedliche Standorte reagieren, zeigt das Beispiel des Ampfers. Bei den unliebsamen Ampferpflanzen zeigt sich, dass neben der Pflanzengattung auch die Art eine Rolle spielt. Je nachdem, ob an einem Standort der Kleine Sauerampfer (Rumex acetosella), der Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa) oder der Stumpfblättrige Ampfer (Rumex obtusifolius) wächst, weist dies auf unterschiedliche Bodenparameter hin.

Der Windhalm zeigt saure bis mässig saure Böden an. Man findet ihn in Herbstkulturen.
Der Windhalm zeigt saure bis mässig saure Böden an. Man findet ihn in Herbstkulturen.

Hans Ramseier ordnet ein: «Eine Art oder sogar eine Unterart kann eine Rolle spielen, weil sie andere oder feinere ökologische Ansprüche hat. Beim Ampfer ist dies bis zu einem gewissen Grad der Fall.» Schaue man sich zum Beispiel den pH-Wert an, wachse der Kleine Sauerampfer auf sauren bis leicht sauren Böden, während der Wiesen-Sauerampfer leicht saure bis mittlere Böden anzeigt. Stumpfblättriger Ampfer wiederum weist auf neutrale bis leicht alkalische pH-Werte im Boden hin. Auch die Toleranz gegenüber Bodenverdichtung sei bei den drei Arten verschieden.

Während Sauerampfer nur selten auf verdichteten Böden wächst, kommt der Stumpfblättrige Ampfer dort ohne Probleme vor. Auch unterscheide sich die Ansiedelung der Ampferarten hinsichtlich des Stickstoffgehaltes im Boden: Der Kleine Sauerampfer wächst nur auf Böden mit mässigem Stickstoffgehalt; der Wiesen-Sauerampfer bevorzugt deutlich höhere Gehalte; der Stumpfblättrige Ampfer könne sogar eine Überdüngung anzeigen, weil er auf sehr stickstoffhaltigen Böden wächst.

Insgesamt schreibt Hans Ramseier den Zeigerpflanzen erhebliches Potenzial zu. Es gelte zu erkennen, was das Vorkommen der Pflanzen aus-sage, und entsprechend zu reagieren.

Zeigerpflanzen im Acker- und Futterbau

Der Sumpf-Knöterich wächst auf feuchten Flächen.
Der Sumpf-Knöterich wächst auf feuchten Flächen.

Der Acker-Schachtelhalm bevorzugt dichte Böden.
Der Acker-Schachtelhalm bevorzugt dichte Böden.

Der Acker-Fuchsschwanz tritt oft in Fruchtfolgen mit viel Wintergetreide auf.
Der Acker-Fuchsschwanz tritt oft in Fruchtfolgen mit viel Wintergetreide auf.

Die Borstenhirse bevorzugt feuchtere Flächen und kommt auch im Grünland vor.
Die Borstenhirse bevorzugt feuchtere Flächen und kommt auch im Grünland vor.

Die Hühnerhirse wächst oft auf trockeneren Kartoffel-, Zuckerrüben- oder Maisflächen.
Die Hühnerhirse wächst oft auf trockeneren Kartoffel-, Zuckerrüben- oder Maisflächen.

Die Fingerhirse zeigt sandige und lockere Böden an.
Die Fingerhirse zeigt sandige und lockere Böden an.

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