Kurz & bündig
- Matthias Sempach ermöglicht seinen Milchkühen einen freien Zugang zur Weide. - Die Weide soll dem Tierwohl dienen. - Mit einer klugen Wegführung kann er Trittschäden vermeiden. - Mit einem festen Weidezaun spart er jährlich viel Arbeit.
Wenn das Wetter so weitermacht, erwarte ich in diesem Jahr einen frühen Weidebeginn», sagt Matthias Sempach aus Entlebuch LU. Ende Februar 2026 ist er bei angenehmem Frühlingswetter daran, die Weiden zu güllen. Auch wenn sein Hof über 900 Meter über Meer liegt, ist es Ende Februar angenehm warm und die Vegetation ist auf den Weideflächen rund um den Hof voll im Gang.
Ein früher Weidestart heisst aber nicht blindlings rauslassen. Die Grasnarbe muss tragen, sonst hat man den Schaden für die ganze Saison. Wer hier sauber plant, spart sich später Ärger, zum Beispiel mit Trittschäden und Klauenproblemen.
Matthias Sempach geht es nicht darum, die Kühe so früh wie möglich auf die Weide zu bringen. «Ich habe zwar eine feste Zaunanlage und kann jederzeit das Zaungerät einschalten und loslegen. Allerdings entscheide ich nur, wann ich die Weide öffne. Ob eine Kuh rauswill oder nicht, überlasse ich ihr selbst.»
Die Weide ist bei Sempach ein Element, das ein Tier zu seinem Wohl nutzen kann. «Ich bin kein Verfechter intensiver Weidefütterung, wo Tiere auch bei ungünstigen Bedingungen auf der Weide die Hauptration fressen müssen. Die Bundesprogramme, die darauf abzielen, passen nicht zu meiner Strategie.» Matthias Sempach vergleicht die Bedürfnisse einer Kuh oft mit denen eines Menschen: «Bei 30 Grad Hitze sind wir Menschen auch lieber im Schatten als an der Sonne, darum bin ich froh, kann ich den Tieren einen angenehmen Stall anbieten, wo es kühl ist und jederzeit bestes Raufutter vorliegt.»
Milchkuh als Spitzensportlerin braucht gute Infrastruktur
Matthias Sempach ist ein engagierter Milchproduzent und Viehzüchter. Er produziert Käsereimilch, die in der «Biosphäre-Chäsi» in Mosigen, Entlebuch LU, zu Emmentaler verarbeitet wird. Seine Holsteinherde mit 34 Tieren ist noch jung, 45 Prozent davon sind erstmelkige Kühe. Dennoch liegt der Stalldurchschnitt bei einer Milchleistung von aktuell 9200 kg. Dieser Erfolg erfordert ein optimales Betriebsmanagement und hat nebst der Genetik weitere klare Gründe beim Haltungssystem und bei der Fütterung:
- Die Raufutterqualität
- Die Stalleinrichtungen
- Die Lufthygiene
- Das Weidesystem
Um die Wetterabhängigkeit bei der Raufutterkonservierung zu reduzieren, ist die Heubelüftungsanlage mit einem HSR-Luftentfeuchtungssystem ergänzt. So ist es möglich, dass auch bei feuchter Aussenluft effizient getrocknet werden kann und Qualitätsverluste vermieden werden. Die Fütterung erfolgt automatisch mit einem Fütterungsroboter von Lely.
Der neue Laufstall ist seit März 2024 in Betrieb. Er ist deckenlastig gebaut, was heute eher selten mehr der Fall ist. Für Sempach ist diese Bauweise jedoch ein Vorteil. Über dem Tierbereich liegen Heulagerräume. Das isoliert. Im Winter blieb es bisher immer über 5 Grad, im Sommer stets unter 26 Grad. Das ist für die Technik und für die Tiere gut.
Dazu kommt eine Jenni-Lüftung, die ohne grossen Schnickschnack für saubere Luft im Tierbereich sorgt. «Wer Leistung will, muss die Bedingungen dazu schaffen.» Sempach vergleicht seine Tiere mit Athleten. «Als Sportler habe ich stets auf ein gutes Umfeld und optimale Trainingsbedingungen geschaut. Ähnlich sehe ich es mit den Kühen. Wenn es ihnen gut geht, können sie optimal leisten und gesund bleiben.»
Die Kuh entscheidet selbst, wie sie weidet
Aus diesem Grund hat er auch beim Weiden der Tiere eine klare Strategie und hat seine Weiden entsprechend eingerichtet. Am Stallausgang beginnt das Weidekonzept. Am einfachsten ist das Weidekonzept dann, wenn die Flächen arrondiert sind und ein freier Tierverkehr möglich ist, ohne dass Wege gequert werden müssen. Das ist bei Matthias Sempach der Fall. Deshalb können die Kühe selbst entscheiden, ob sie auf die Weide wollen oder nicht und wann sie zurück in den Stall möchten. Es ist ihm besonders wichtig, dass eine Kuh selbst entscheiden kann, was sie machen möchte. Will sie auf die Weide, will sie im Stall bleiben oder in den Auslauf?

«Ich habe gemerkt, dass Kühe nach dem Kalben die Weide weniger aufsuchen und lieber im Stall bleiben. Das erscheint mir logisch, sie teilt ihre Kräfte ein, indem sie nicht unbedingt auf die Kuppe oberhalb des Stalls hochgeht.»
Das bedeutet, dass Weiden zwar gut ist, die einzelnen Tiere sollen jedoch nicht einem Herdezwang ausgesetzt werden. Man kann also von einem individuellen Weidegang sprechen, allerdings braucht es dazu einige weidetechnische Voraussetzungen.
Hier kommt der Melkroboter ins Spiel. Dieser erlaubt jeder Kuh den Weidezugang, sofern sie innerhalb der letzten fünf Stunden gemolken hat.
Ist dies nicht erfüllt, wird das Tier zurück in den Stall geleitet. So müssen keine Tiere wegen des Melkens zusammengetrommelt werden. Das Weidetor ist die Schnittstelle vom Stall zur Weide, das individuelles Tierverhalten ermöglicht.
Die Zaunarbeit wurde mit einer festen Anlage reduziert
Etwa 4 Hektaren Weideflächen hat Matthias Sempach fest umzäunt. Innerhalb dieser Flächen trennt er je nach Futterangebot Teilflächen ab. Das ist dann der Moment, wo er zum Schlägel greift und Pfosten von Hand einschlägt. «Dann wird mir jeweils wieder bewusst, wie nützlich es ist, dass die Umzäunung mit einem fixen Akazienzaun gemacht ist und nicht jedes Jahr neu erstellt werden muss.»
Um auf die etwas höhere gelegene Weidefläche zu gelangen, hat Sempach mit Ecoraster einen Auftriebsweg erstellt. Das verhindert Trittschäden und die Tiere haben einen sicheren Halt. Die andere Weidefläche grenzt direkt an den Vorplatz mit dem Weidetor. Mit einem Draht werden die Tiere auf die entsprechende Fläche geleitet. Das ist eine einfache Einrichtung.

Weideeinrichtung den betrieblichen Voraussetzungen anpassen
Wie die Kühe auf die Weide gelangen, ist bei einem Melkroboter vom Weidetor abhängig. «Als wir noch mit dem Melkstand gemolken haben und die ganze Herde auf einmal ausgelassen wurde, gab es keine Wahl und alle Tiere mussten gleichzeitig auf die Weide. Dadurch wurde die Bildung von Trittschäden gefördert. Besonders dann, wenn sie vor dem Weideausgang zusammengestanden und gewartet haben, bis es in den Stall zurückging», stellt Matthias Sempach fest.

Da die Kühe nun quasi individuell unterwegs sind, gleicht ihr Weg von und zu der Weide einem gemütlichen Spaziergang. «Das verhindert Hektik und ich mag es, wenn die Herde ruhig ist. Diesen positiven Aspekt habe ich erst mit der Zeit gesehen, es war nicht so, dass ich dies bereits bei der Weideplanung gewusst hätte.»
Auf eine Tränke draussen verzichtet Sempach bewusst. Wer trinken will, kommt in den Stall zurück. Das unterstützt den Melkroboter und verhindert Morast rund um eine Wasserstelle. Manchmal ist weniger Infrastruktur mehr.
Klare Abläufe verhindern Schäden bei den Laufwegen
Wer eine Weide plant, sollte darauf achten, dass Trittschäden vermieden oder reduziert werden. Die Wegführung ist hier entscheidend, ob es zu punktuellen Schäden kommt, welche rasch versumpfen und der Klauengesundheit schaden. Wie erwähnt, hat Matthias Sempach mit einem befestigten Auftriebsweg eine Versumpfung von Anfang an verhindert.
Am liebsten weiden Sempachs Kühe während der Nacht. Dann ist die Luft angenehmer als während eines Hochsommertags und ohne lästige Insekten.
Dem Weidebeginn schaut Matthias Sempach gelassen entgegen. Der Zaun steht, die Wege sind gemacht und der Ablauf ist eingespielt. «Ich freue mich schon heute darauf, den Kühen den ersten Weidegang zu ermöglichen und zu sehen, wie wohl sie sich auf der Weide fühlen.»
Die Haltung von Matthias Sempach ist klar: «Lieber einmal richtig investieren und dann Ruhe haben.» Wer beim Zaun spart, zahlt später mit Zeit. Als Landwirt hat man ja genug zu tun.
Betriebsspiegel der Familie Sempach
LN:
Heidy Jenni und Matthias Sempach, Entlebuch LU 21 ha Kulturen: Grünland Tierbestand: 34 Milchkühe (Käsereimilch), Aufzuchttiere Weitere Betriebszweige: Viehzucht Arbeitskräfte: Betriebsleiterfamilie, 1 Lehrling
Robust oder flexibel
Bei der Zauntechnik auf dem Betrieb von Matthias Sempach handelt es sich um einen sogenannten Festzaun. Meistens werden stabile Pfosten aus widerstandsfähigem Holz wie Akazie oder Eiche verwendet, die tief in den Boden gerammt und mit einem Draht bespannt werden. Solche Zäune eignen sich für feste Weideflächen oder als sichere Aussenumzäunung. Ein mobiler Zaun dagegen ist flexibel einsetzbar. Er besteht in der Regel aus Kunststoffpfählen oder leichten Holzpfosten mit Litzen oder Bändern. Man kann ihn schnell auf- und abbauen. Das ist ideal für Portionenweiden, zum Umstecken innerhalb der Fläche oder für den saisonalen Einsatz.

