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Humus muss über Generationen hinweg aufgebaut werden

Mirjam Lüthi und Daniel Stüdi nahmen am Ressourcenprojekt Humus teil. Sie berichten, wieso sie weiterhin Gründüngungen ansäen, warum Untersaaten nur jedes dritte Mal funktionieren und weshalb die Humusbilanz trotz Massnahmen eher ernüchternd ausfiel.

Kurz & bündig - Mirjam Lüthi und Daniel Stüdi wollten auf ihren Betrieben mit Gründüngungen und Untersaaten den Humusgehalt erhöhen, was nur teilweise funktionierte. - Durchgehende Bodenbedeckung, Zufuhr von organischem Material, wie Hofdünger und Kompost, sowie die Reduktion der Bodenbearbeitung durch Direktsaat sind die effektivsten Massnahmen zum Humusaufbau. - Tonhaltige Böden können mehr Humus speichern als sandige. - Am Humusaufbau und -erhalt muss stets gearbeitet werden.

Humusaufbau ist eine Generationenaufgabe, das ist die Haupterkenntnis aus dem Ressourcenprojekt Humus vom Kanton Solothurn. Die beiden Betriebsleitenden Mirjam Lüthi aus Bellach SO und Daniel Stüdi aus Deitingen SO haben beim Projekt mitgemacht. Sie wollten trotz keiner respektive wenig Tierhaltung versuchen, den Humusgehalt ihrer Böden mit gezielten Massnahmen zu erhöhen. Sie haben vor allem auf Gründüngungen und Untersaaten gesetzt.

Mirjam Lüthi hat im Projekt begonnen, kurze Gründüngungen anzubauen: nach Weizen vor Braugerste. «Ich habe gestaunt, wie viel Masse in so kurzer Zeit gebildet wird.» Die Gründüngung hat sie dann mit einer Messerwalze zerstört und die Gerste via Mulchsaat angebaut. Wenn es nötig war, hat sie auch den Pflug eingesetzt.

Wichtig sei, die Gründüngung sofort nach der Getreide- bzw. Strohernte zu säen, um die Restfeuchtigkeit zu nutzen. So kann auch in heissen Sommermonaten eine Gründüngung erfolgreich gedeihen. Danach wird der Boden bedeckt und ist vor Erosion und Austrocknung geschützt. Auch Daniel Stüdi sieht die positiven Punkte dieser Massnahme aus Sicht Bodenschutz. Er fragt sich aber, wie viel Sinn die kurze Gründüngung für den Humusaufbau macht, wenn es dann im Herbst zur sauberen Einarbeitung wieder den Pflug braucht. «Mit dem Pflug bewegt man so viele Tonnen Boden, dass wegen der Mineralisierung wieder viel Humus verbraucht wird», gibt Stüdi zu bedenken.

Stéphane Burgos, Professor für Bodenwissenschaften an der HAFL, ordnet die Situation ein: «Die maximale Bodenbedeckung durch Gründüngungen und Untersaaten sorgt für die Zufuhr von organischem Material über die Wurzeln. Zudem wird Erosion begrenzt. Diese ist die Hauptursache für den Verlust von organischem Material. Der Boden sollte daher so kurz wie möglich unbedeckt bleiben.» Gleichzeitig bleibt die Bodenstruktur mit dem Einsatz reduzierter Bodenbearbeitungstechniken wie Direktsaat erhalten. Deshalb verzichten Daniel Stüdi und Mirjam Lüthi so oft als möglich auf den Pflug.

Stüdis wichtigste Maschine: Marke Eigenbau

Daniel Stüdis Böden enthalten viel Schluff – teilweise um die 50 Prozent. «Wenn es regnet, gibt es schnell einen Deckel», weiss Stüdi. Deshalb setzt er so oft wie möglich auf Mulchsaat. Mit dieser Anbautechnik war er lange Zeit aber nicht so glücklich. Mehrfache Durchgänge mit der Federzahnegge und eine anschliessende Solo-Saat führten zu vielen Überfahrten. Das braucht Zeit, die Daniel Stüdi nicht hat. Die Hauptbetriebszweige seines Betriebs sind der Obstbau, der Hofladen und die hofeigene Bäckerei. Die Eier der 1200 Legehennen werden alle direktvermarktet oder in der Bäckerei gebraucht. Der Ackerbau muss deshalb effizient geführt sein.

Daniel Stüdi verzichtete aber auf eine Säkombination, da der schluffige Boden mit der Kreiselegge zu fein bearbeitet wird. Deshalb entwickelte er eine eigene «Säkombination», die auf seine Böden passt: eine Federzahnegge von Güttler, Swiss Edition, mit zwei Sägeräten und einer Walze.

Mit dieser Maschine kann Daniel Stüdi Raps mit der Untersaat zusammen säen oder eine Gründüngung in feine und grobe Sämereien aufteilen und punktgenau ablegen.
Mit dieser Maschine kann Daniel Stüdi Raps mit der Untersaat zusammen säen oder eine Gründüngung in feine und grobe Sämereien aufteilen und punktgenau ablegen.

An jeder Zinke ist ein Schar befestigt, mit einem pneumatischen Sägerät. Damit kann er zum Beispiel Raps oder Getreide säen. Dahinter ist ein zweites Sägebläse für Breitsaaten aufgebaut. Den Abschluss macht eine kleine Walze. Die Firma Leiser baute die Maschine nach der Wunschvorstellung von Daniel Stüdi zusammen. «Ich bin nicht der, der die Maschinen selbst zusammenschweisst. Ich bringe einfach die Idee.» Mit dieser Maschine kann er praktisch alles in einem Arbeitsdurchgang säen – sogar zwei Komponenten miteinander: zum Beispiel Raps mit Untersaat oder eine Gründüngungsmischung.

Als Daniel Stüdi vor 10 Jahren die Milchproduktion aufgab, fing er an, Gründüngungen zu säen. Dabei hatte er häufig das Problem, dass grosse Samen wie Erbsen oder Lupinen oben auflagen und feine Sämereien wie Klee zu tief gesät wurden. «Das Saatgut war nicht dort, wo es sein sollte», beobachtete Stüdi.

Mit der multifunktionalen Federzahnegge kann Stüdi nun zwei Gründüngungsmischungen, die er auf eigenes Rezept mischen lässt, punktgenau säen. Grosse Samen über die Säscharen und feine Samen über Breitsaat.

Untersaaten gelingen nur jedes dritte Mal

Wie wichtig es ist, eine Gründüngung präzise zu säen, hat auch Mirjam Lüthi gelernt: «Eine Gründüngung muss wie eine Kultur geführt werden.» Nur eine schön auflaufende Gründüngung kann das Unkraut richtig unterdrücken und genügend Masse für den Humusaufbau bilden.

Bei den Untersaaten hingegen gibt es kein einfaches Erfolgsrezept. Sowohl Lüthi als auch Stüdi haben sich bereits an diversen Kulturen mit Untersaaten versucht und viele Erfahrungen gesammelt. Während Daniel Stüdi schon vor dem Projekt an Untersaaten herumtüftelte, begann Mirjam Lüthi im Projekt damit. Ihre Motivation für den Versuch dieser Massnahme war zum einen, das Unkraut in der Kultur ohne Herbizide zu unterdrücken, und zum anderen, den Boden direkt nach der Ernte bedeckt zu halten.

Sie setzte die Untersaaten vor allem beim Getreide in weiten Reihen ein. Zusammen mit drei anderen Landwirten kaufte Mirjam Lüthi einen Rollstriegel und liess ein Krummenacher-Sägerät aufbauen. So kann sie gleich beim Striegeldurchgang im Frühling die Untersaat einsäen. Am besten funktionierte das beim Dinkel mit der Untersaat «Cerafix» und weiter Saat. Dadurch hatte die Untersaat genügend Licht. Nach der Ernte musste Mirjam Lüthi keine Gründüngung ansäen und ein tierhaltender Berufskollege konnte die Untersaat später noch silieren.

«Ich denke, viel Humus wird nicht aufgebaut mit einer Untersaat. Aber nach der Ernte ist der Boden bereits bedeckt und ich habe den Stress wegen der Trockenheit nicht», sagt Mirjam Lüthi. Die Feuchtigkeit ist bei Untersaaten ein grosses Thema. Wenn es nach der Einsaat nicht regnet, vertrocknet sie.

Mirjam Lüthi schaffte einen Rollstriegel mit einem Krummenacher-Sägerät an. So kann sie beim letzten Striegeldurchgang im Frühjahr die Untersaat einsäen.
Mirjam Lüthi schaffte einen Rollstriegel mit einem Krummenacher-Sägerät an. So kann sie beim letzten Striegeldurchgang im Frühjahr die Untersaat einsäen.

Auch der Zeitpunkt ist entscheidend. Einige säen die Untersaat gleichzeitig mit der Kultur, so wie Daniel Stüdi beim Raps. Das funktioniere sehr gut. Bei der Gerste hingegen war es eine Lotterie. Die Untersaat wuchs so kräftig, dass sie fast bis zu den Ähren hochreichte. Er musste die Gerste mit Hochschnitt dreschen. Anschliessend mähte ein Nachbar das Stroh-Untersaat-Gemisch und presste noch um die 25 Rundballen pro Hektare. «Das war Hochrisiko», erinnert sich Stüdi und schmunzelt.

Beide versuchten ihr Glück auch bei Mais und Sonnenblumen. Mit dem Düngerstreuer wurde das Saatgut im Frühjahr in die stehende Kultur ausgebracht und eingestriegelt beziehungsweise bei den Sonnenblumen gehackt. Das hat nur halb gut funktioniert. «Bei der Untersaat muss man sich bewusst sein, dass sie in etwa einem von drei Versuchen gut kommt», meint Daniel Stüdi.

Sowohl er als auch Mirjam Lüthi fänden es deshalb sinnvoll, wenn der Bund zusätzlich zur Herbizidfrei-Prämie das Saatgut für die Untersaat bezahlen würde. «So hat man nichts zu verlieren und es würden mehr Landwirte den Versuch wagen», ist Mirjam Lüthi überzeugt.

Die Untersaat wuchs bis zu den Gerstenähren hoch.
Die Untersaat wuchs bis zu den Gerstenähren hoch.

«Zum Teil betreiben wir schon Raubbau an unseren Böden»

Während des Projektes mussten die Teilnehmenden jährlich das Humusbilanztool von Agroscope ausfüllen. Bei ausgewählten Betrieben, so auch bei Mirjam Lüthi und Daniel Stüdi, wurden zusätzlich auf allen Parzellen Bodenproben gestochen und analysiert. Mithilfe von GPS wurden die Proben jährlich immer an derselben Stelle entnommen. So konnte der Humusgehalt punktgenau gemessen werden. «Wenn man genaue Veränderungen beim Humusgehalt aufzeigen will, braucht es Laboranalysen. Eine Fühlprobe genügt nicht», erklärt Stéphane Burgos.

Die Resultate sind aber ernüchternd. Trotz diversen humusaufbauenden Massnahmen wie Untersaaten, Gründüngungen und dem Einsatz von Kompost konnte auf den Böden von Mirjam Lüthi während der sechs Projektjahre kein Humusaufbau nachgewiesen werden. «Es ist eine Illusion, zu denken, dass ein paar Gründüngungen den Humusgehalt massiv anheben», fasst Mirjam Lüthi zusammen. Es sei schon ein Fortschritt, den Humusgehalt stabil zu halten.

Bei den Böden von Daniel Stüdi hingegen wurde über die Jahre tendenziell eine leichte Humuszunahme abgebildet. Doch auch er hat beobachtet, dass der Humusgehalt mit der Bewirtschaftung ständig schwankt. «Mit Gründüngungen und stetiger Bodenbedeckung erhöhen wir den Humusgehalt, doch beim Pflügen oder nach der Ernte von Kartoffeln oder Mais geht er gleich wieder runter – ein ständiges Auf und Ab.» Das bestätigt auch Stéphane Burgos: Zum einen verringere die intensive Bodenbearbeitung die Aggregatstabilität und erhöhe die Humusmineralisierung, dies unabhängig von der Kultur. Zum anderen sei die Bilanz von organischem Input und Output entscheidend. Kulturen mit viel Bodenbewegung und wenig Ernterückständen werden deshalb als humuszehrend bezeichnet.

«Zum Teil betreiben wir schon Raubbau an unseren Böden. Deshalb ist es wichtig, ihm mit einer Gründüngung auch mal eine Pause zu gönnen», findet Daniel Stüdi.

Wie viel Humus braucht es für einen fruchtbaren Boden?

Nicht nur die Bewirtschaftung ist entscheidend für den Humusgehalt, sondern auch der Bodentyp. Im Gegensatz zu Daniel Stüdis schluffigen Böden bewirtschaftet Mirjam Lüthi vor allem schwere tonhaltige Böden. Eine Studie von Agroscope aus dem Jahr 2017 zeigt, dass tonhaltige Böden mehr Humus speichern können als sandige.

Für eine gute Bodenstruktur gilt als Minimum ein Verhältnis von 0,17 zwischen Humusgehalt und Tongehalt. «Das heisst konkret, dass ein Boden mit einem Tongehalt von 25 Prozent mindestens 4,2 Prozent Humus enthalten sollte. Ein sandiger Boden mit 15 Prozent Ton muss hingegen nur mindestens 2,5 Prozent Humus enthalten», erklärt Stéphane Burgos. Die Humusmenge, die stabilisiert werden kann, hängt also vom Tongehalt ab. Das bedeute aber noch nicht, dass der Boden bei hohen Humuswerten automatisch in einem guten Zustand sei – zum Beispiel bei Verdichtungen.

Zudem ist der Humusaufbau limitiert. «Es ist einfacher, den Humusgehalt bei Böden mit wenig Humus durch die genannten Massnahmen zu erhöhen, als solche, die bereits viel Humus haben», erklärt Burgos. Und das braucht Zeit. Das Ressourcenprojekt sei relativ kurz, um längerfristige Veränderungen festzustellen. Obwohl bei Mirjam Lüthi und Daniel Stüdi die Erwartungen bezüglich Humusaufbau nicht ganz erfüllt wurden, bleiben sie dran.

«Auch wenn man nicht sofort einen Effekt sieht, sollte man den Boden stets bedeckt halten und sparsam bearbeiten. Das zahlt sich längerfristig aus und hilft, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten», weiss Stéphane Burgos. Humusaufbau ist und bleibt eine Generationenaufgabe.

Mögliche Massnahmen waren:

Ressourcenprojekt Humus Im Kanton Solothurn gibt es immer weniger Betriebe und diese halten immer weniger Vieh. Stand 2018 gab es 807 Betriebe, die mehr als 4,5 Hektaren bewirtschafteten. 370 davon hielten mehr als 1,1 GVE pro Hektare düngbare Fläche. Später im Jahr 2023 waren es von 758 Betrieben mit mehr als 4,5 Hektaren noch 329, die mehr als 1,1 GVE/ha hielten. Deshalb wurde das acht Jahre dauernde Ressourcenprojekt Humus im Jahr 2017 lanciert. Jährlich haben rund 220 Betriebe teilgenommen. Viehlose und vieharme (bis 1,1 GVE/ha) Betriebe konnten humusaufbauende Massnahmen umsetzen. Das Ziel des Projektes war, den Humusgehalt auf den Betrieben mit gezielten und praktikablen Massnahmen zu erhalten oder zu erhöhen. - Mistkompostierung - Untersaat - Gründüngungen (früh, spät, vor Winterkultur) - Zwischenfutter - Kunstwiese mit Luzerne - Mehrjährige Kunstwiese - Ganzjährige Bodenbedeckung - Humusbilanz-Tool Das Projekt hat nicht nur bei den Teilnehmenden, sondern auch auf Bundesebene etwas bewegt. Der Produktionssystembeitrag «Angemessene Bedeckung des Bodens im Ackerbau» wurde seit diesem Projekt für die Direktzahlungen eingeführt.

LN:

Betriebsspiegel der Familie Stüdi Daniel Stüdi, Deitingen SO 24 ha Kulturen: Raps, Winterweizen, Dinkel, Silomais, Zuckerrüben, Kunstwiese, 1,5 Hektaren Intensiv-Obst, 300 Hochstammbäume Tierbestand: 1200 Legehennen, 9 Zwergschafe Weitere Betriebszweige: Hofladen, hofeigene Bäckerei Arbeitskräfte: 7 Angestellte im 20- bis 70-Prozent-Pensum (Landwirtschaft, Hofladen, Bäckerei), 10 bis 15 Erntehelfer auf Abruf www.stuedi-hofladen.ch

LN:

Betriebsspiegel der Familie Lüthi Mirjam Lüthi, Bellach SO 28 ha Kulturen: Winterweizen, Dinkel, Braugerste, Raps, Silomais, Zuckerrüben, Soja, Buntbrache Tierbestand: Viehlos Weitere Betriebszweige: Bed and Breakfast Arbeitskräfte: Mirjam und Markus Lüthi www.aarhof-bellach.ch