Wer Kartoffeln oder Gemüse anbaut, ist mit dem Bewässerungsnetz vertraut. Seit 2016 haben Andreas Keiser, Professor für Ackerbau und Pflanzenzüchtung an der HAFL, und sein Team in der Schweiz ein Netz an Bodenfeuchtesonden aufgebaut. Diese Sonden senden ein schwaches elektrisches Signal in den Boden. Je nach Wassergehalt verändert sich dieses und wird in einen Feuchtigkeitswert umgerechnet.
Im Jahr 2017 starteten Keiser und sein Team mit 53 Sonden, mittlerweile sind es rund 330 Bodensonden. 130 Landwirtschaftsbetriebe sowie verschiedene regionale Bewässerungsprojekte nutzen die Informationen aus dem Bewässerungsnetz.
In Zeiten von unberechenbarer Witterung und schwankendem Wasserangebot hilft das Bewässerungsnetz beim Entscheid, eine Kultur zu bewässern oder noch etwas zu warten. Die Betriebe erhalten verlässliche Informationen zur aktuellen Wassersituation im Boden und können dadurch Trockenstress vorbeugen, Erträge absichern und Wasser gezielt einsetzen.
Im Mai 2026 wurde aus dem Forschungs- und Praxisprojekt eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Agri Aqua AG. Mit dabei ist auch die Schweizer Agrarmedien AG, welche unter anderem «die grüne», die BauernZeitung und die Tierwelt verantwortet. Die Aktiengesellschaft stellt das Bewässerungsnetz auf eine breite Basis.
Vertraute Ansprechpersonen für Landwirte bleiben bei Agri Aqua
Die Ansprechpersonen für die LandwirtInnen bleiben gleich. Denn die Fachpersonen, die das Netzwerk in den vergangenen Jahren aufgebaut und betreut haben, arbeiten weiterhin mit. Neu übernimmt Silke Fieseler-Hein die Geschäftsführung der Agri Aqua AG, Andreas Keiser das Präsidium des Verwaltungsrats. «So bleiben Kontinuität und Fachwissen erhalten», sagt Silke Fieseler-Hein. Gleichzeitig wird die Zusammenarbeit mit den kantonalen Partnern weiter ausgebaut und das Angebot gezielt weiterentwickelt.

«Jetzt können neue Angebote rund um den nachhaltigen Umgang mit Wasser entstehen.»
Silke Fieseler-Hein, Geschäftsführerin Agri Aqua AG
Fieseler-Hein sagt: «Wir möchten die bestehenden Angebote insbesondere für den Gemüse- und Obstbau ausbauen und künftig zusätzliche Sensortypen sowie Wetterstationen integrieren.» Dadurch können kulturspezifische und regionale Entscheidungsgrundlagen weiter verbessert werden.
«Gleichzeitig sehen wir grosses Potenzial in der Zusammenarbeit mit den Kantonen, die derzeit ihre Wasserstrategien weiterentwickeln.» Gemeinsam könnten neue Werkzeuge und Beratungsangebote entstehen, die Landwirtschaft und öffentliche Hand bei einem nachhaltigen Umgang mit Wasser unterstützen würden.
Bulletins informieren jede Woche über unterschiedliche Kulturen
Ein konkretes Produkt aus dem Bewässerungsnetz sind die Bulletins. Diese Informationsblätter erscheinen während der Saison zwischen Mai und August einmal pro Woche und lassen sich abonnieren. Sie wurden im Rahmen eines Beratungsprojektes der HAFL in Zusammenarbeit mit der Beratung in den Kantonen VD und FR aufgebaut. Jede der drei Regionen (Broye, Seeland und La Côte) hat ihr eigenes Bulletin, das jeweils auf vier bis fünf Kontrollparzellen mit unterschiedlichen Kulturen beruht. Im Jahr 2026 werden die Kulturen Frühkartoffeln, Kartoffeln, Lauch, Stangensellerie und Zwiebeln beobachtet.
«Die Rückmeldungen zu den Bulletins sind sehr positiv», sagt Andreas Keiser. Besonders geschätzt werde die Kombination aus den Messwerten der Bodenfeuchtesonden, den Wetterdaten, den Beobachtungen zur Pflanzenentwicklung und den daraus abgeleiteten Bewässerungsempfehlungen.
«Die Bulletins liefern damit nicht nur Daten, sondern unterstützen Landwirte und Beraterinnen bei konkreten Bewässerungsentscheiden», so Keiser. Das Angebot soll deshalb weitergeführt und gemeinsam mit den kantonalen Partnern weiterentwickelt werden. «Das Ziel des Projektes ist eine Ausdehnung des Angebots.» Die kulturspezifischen Auswertungen bleiben dabei ein wichtiger Bestandteil. «Gleichzeitig prüfen wir, wie zusätzliche Datenquellen und neue Erkenntnisse künftig integriert werden können, um den Nutzen für die Praxis weiter zu erhöhen.»
Die Daten aus den Bodenfeuchtesonden fliessen zudem in die ALB-Bewässerungs-APP. Diese App gibt Bewässerungsempfehlungen für die eigenen Parzellen. Die App wird von der ALB (Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern e. V.) betrieben und weiterentwickelt.
«Gleichzeitig ist es ein wichtiges Ziel von Agri Aqua, die Informationen und Entscheidungsgrundlagen für die Praxis künftig benutzerfreundlich und mobil verfügbar zu machen», so Silke Fieseler-Hein. «Dabei prüfen wir verschiedene Möglichkeiten – von einer Weiterentwicklung bestehender Lösungen bis hin zu neuen Ansätzen.» Langfristig sollen neben den Informationen aus den Bodenfeuchtesensoren auch modellbasierte Entscheidungsgrundlagen für das Bewässerungsmanagement integriert werden.
Die ALB-Bewässerungs-App
Seit 2021 lassen sich mit der «ALB-Bewässerungs-App» Empfehlungen für Parzellen erstellen, auch wenn keine Sonde installiert worden ist. Die App ist ein Web-Entscheidungsinstrument. Sie errechnet auf Basis von Informationen zur Kultur, zum Boden und mithilfe von Wetterdaten eine Empfehlung zum Bewässerungszeitpunkt und zur Bewässerungsmenge. Die Nutzung der App ist kostenlos. Auf der Bewässerungsnetz-Website ist unter «Bewässerungs-App» eine ausführliche Anleitung zu finden. Zu beachten ist, dass die App auf dem Computer installiert wird und es etwas Zeit braucht, um die Einstellungen «vor der Saison» und «während der Saison» zu erfassen. Die Anleitung führt Schritt für Schritt durch den Anmeldeprozess und zeigt, wie Parzellen angelegt werden und wie die Empfehlungen zu interpretieren sind.

