Kurz & bündig - Seit Familie Z’Rotz auf Direktsaat setzt, kann sie jährlich rund 20 000 Franken an Betriebskosten einsparen aufgrund geringerem Treibstoffverbrauch, weniger Arbeitsstunden und geringerem Maschinenverschleiss im Vergleich zur Pflugsaat. - Dank überdurchschnittlicher Futterqualität produzieren die Milchkühe rund 50 000 kg mehr Milch pro Jahr aus dem Grundfutter. - Der Grasbestand wird auf einer Höhe von 10 bis 13 cm abgeschnitten, mittels Kufen, die am Mähwerk montiert werden.
Die Familie Peter und Christine Z’Rotz-Odermatt kommt ursprünglich aus Nidwalden. Im Jahr 1999 konnten sie den Schlossbetrieb in Gorgier oberhalb des Neuenburgersees übernehmen. Seither hat sich viel getan. Ein neuer Milchviehstall sowie ein neuer Schweinestall wurden gebaut. Doch nicht nur im Stall, auch auf dem Feld wurde einiges geändert. «Die Natur passt sich nicht uns an, wir müssen uns der Natur anpassen», sagt Peter Z’Rotz. Deshalb setzt Familie Z’Rotz seit 14 Jahren konsequent auf Direktsaat.
Ihr Ziel ist es, mit möglichst wenig Aufwand und tiefem Ressourcenverbrauch gute Erträge mit hoher Qualität zu produzieren – vom Feld bis in den Stall.
Auf dem Betrieb 20 000 Franken einsparen dank Direktsaat
Der Vorgänger von Peter Z’Rotz führte einen intensiven Ackerbaubetrieb mit wenig Tierhaltung und setzte konsequent den Pflug ein. «Er hat mir gesagt, ich müsse die Parzellen am Hang so unterteilen, dass ich immer drei verschiedene Kulturen übereinander anbauen kann, um der Bodenerosion entgegenzuwirken», erinnert sich Peter Z’Rotz. Der Betrieb liegt auf 520 m ü. M. an milder Lage mit etwa 900 mm Niederschlag pro Jahr, was für Schweizer Verhältnisse unter dem Durchschnitt liegt. Die Böden sind leicht und flachgründig am Jurasüdfuss, weshalb häufig Sommertrockenheit herrscht.
Seit Familie Z’Rotz auf Direktsaat setzt, ist Bodenerosion kein Thema mehr. Auch der Sommertrockenheit können sie dank guter Bodenstruktur entgegenwirken. Ausserdem konnten sie die Parzellen vergrössern, was die Bewirtschaftung vereinfacht. Doch nicht nur das, auch das alljährliche Steinesammeln fällt weg. «Das war ein Familienevent, jeden Frühling eine Woche lang Steine sammeln», erinnert sich Peter Z’Rotz. Er stellte nicht nur dem Boden zuliebe auf Direktsaat um, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen.
«Dank der Direktsaatstrategie sparen wir auf unserem Betrieb pro Jahr rund 20 000 Franken ein gegenüber der Pflug-Variante», erklärt Peter Z’Rotz. Die Differenz ist auf geringeren Treibstoffverbrauch, weniger Maschinenverschleiss und höhere Arbeitseffizienz zurückzuführen. Familie Z’Rotz hat dabei mit einem Stundenlohn von 32 Franken gerechnet.
Auch die Erträge und die Erntequalität haben sich verbessert. Seit der Übernahme konnte Familie Z’Rotz den Humusgehalt auf 3,5 bis 4,5 Prozent erhöhen. Peter Z’Rotz ist überzeugt, dass dies nebst Direktsaat und Gründüngungen auch dem konsequenten Einsatz von Hofdüngern geschuldet ist. «Der Boden muss auch gefüttert werden, das darf man nicht vergessen», sagt er.
Ende Mai wurde zum dritten Mal gemäht
Mit in den Betrieb eingestiegen sind auch die beiden Söhne Roman und Elias Z’Rotz. Der dritte Sohn, Stefan Z’Rotz, führt eine Kran- und Transportfirma, hilft aber wenn nötig auch noch im Betrieb mit. Jeder hat seinen Aufgabenbereich, arbeitet aber Hand in Hand mit und ist beim Vater angestellt. Während Elias vor allem für den Ackerbau zuständig ist, kümmert sich Roman mehr um die Tiere. Für ihn ist eine hohe Futterqualität zentral. Sämtliche auf dem Betrieb angebaute Kulturen, ausser der Raps, werden den eigenen Tieren verfüttert. Für die Schweine wird jede Ration aus eigenem Getreide frisch gemahlen und zubereitet.
Auch bei den Milchkühen setzt Familie Z’Rotz auf hohe Grundfutterqualität. Der Grasbestand wird intensiv geführt. Eine Woche vor der Exkursion, also Ende Mai, wurde bereits der dritte Schnitt geerntet. Der erste Schnitt erfolgt jeweils bereits Ende März, Anfang April. «Der erste Schnitt ist für uns eher eine Art Säuberungsschnitt», erklärt Roman Z’Rotz. Danach erfolgt ein Schnittintervall von 3 bis 5 Wochen.

Die intensive Grasnutzung ist nur dank der Hochschnittstrategie möglich. Familie Z’Rotz mäht das Gras konsequent auf 10 bis 13 cm Höhe ab. Dazu wurden extra Hochschnittkufen am Mähwerk befestigt, sonst wäre das technisch gar nicht möglich. «Dank dem hohen Schnitt hat das Gras noch genügend Blattmasse und somit genügend Energie, um wieder austreiben zu können», erklärt Roman Z’Rotz.
Gefahren wird möglichst nur bei optimalen Bodenbedingungen. Das hat Vorrang vor dem perfekten Schnittzeitpunkt. Dadurch und dank dem hohen Schnitt wird das Futter weniger verschmutzt. Zudem ist das Ziel, das Futter so wenig wie möglich zu bewegen. Meistens wird nicht mal gekreiselt, sondern möglichst rasch nach dem Mähen einsiliert. Familie Z’Rotz siliert fast alles mit dem Feldhäcksler in zwei Harvestore-Hochsilos.
Diese Futtergewinnungsstrategie spiegelt sich in der hohen Futterqualität wider. Familie Z’Rotz lässt das Futter jährlich analysieren. Bei der Grassilage liegen sie mit 6,05 MJ NEL rund 0,25 MJ NEL über dem Schweizer Durchschnitt vom Jahr 2025.
Nicht nur beim Gras, auch beim Mais soll höchste Qualität in den Stall kommen. Beim Mais werden immer vier Reihen als Ganzpflanze siliert und von zwei Reihen nur der Kolben. Das ermöglicht ein speziell dafür konzipiertes Maisgebiss. Das Ziel dieser Strategie ist, zum einen den Energiegehalt der Maissilage zu erhöhen und zum anderen dem Boden einen Teil der Ernterückstände zurückzugeben.
Der Energiegehalt der Maissilage lag 2025 bei 7,4 MJ NEL, was ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt von 6,8 MJ NEL liegt.
50 000 kg mehr Milch dank guter Futterqualität
«Dank der höheren Energiedichte in unserem Futter können wir pro Jahr rund 50 000 kg mehr Milch aus dem Grundfutter produzieren», sagt Roman Z’Rotz. Das mache rund 2,5 kg Milch pro Kuh und Tag aus. Eine wesentliche Menge für die Industriemilchproduktion.
Familie Z’Rotz kann rechnen und verlässt sich nicht auf Schätzungen. Deshalb haben sie eine betriebseigene Waage installiert, womit jeder Dosierwagen gewogen wird, bevor das Gras und der Mais ins Silo geblasen werden.
Zu den Harvestore-Silos kam die Frage aus dem Publikum, ob dieses Lagerungssystem nicht viel zu teuer sei im Vergleich zu Fahrsilos. Für Familie Z’Rotz rechnen sich die Hochsilos. «Der Lagerraum kostet uns 19.10 Franken pro m3 und Jahr», weiss Roman Z’Rotz. In diesen Kosten sei alles eingerechnet: Preis für die Silos, der jährliche Service sowie die Arbeitsstunden mit 50 Franken pro Stunde, gerechnet fürs Einsilieren und die tägliche Futterentnahme.
Zudem sehen sie bei den Harvestore-Silos den Vorteil, dass sie am selben Tag einsilieren und Futter entnehmen können, dank der Untenentnahme. Somit wird immer zuerst das älteste Futter verbraucht. Das erhöht nochmals die Futterqualität an der Krippe.

Gülleverschlauchung mit mehr Schläuchen
Für hohe Erträge und gute Futterqualität braucht es auch eine ausreichende Nährstoffversorgung des Grasbestandes. Auf dem tierintensiven Betrieb von Familie Z’Rotz fällt viel Gülle an. Die Gülleausbringung ist das Steckenpferd von Elias Z’Rotz: «Uns ist wichtig, gesunde Gülle auf die Felder zu bringen.» Deshalb wird im Schweinestall auf den Einsatz von Desinfektionsmitteln verzichtet. Denn diese würden in die Gülle fliessen und wertvolle Mikroben abtöten.
Nicht nur die Güllequalität selbst, sondern auch die Ausbringung ist wichtig. Elias Z’Rotz bringt die Gülle via Verschlauchung aus. Der ganze Betrieb ist mit Bodenleitungen ausgestattet, um die Nährstoffe möglichst effizient und bodenschonend ausbringen zu können.
Doch auch hier hat Familie Z’Rotz wieder eine Spezialanfertigung machen lassen. Normalerweise wäre das 15-Meter-Schleppschlauchgestänge mit 48 Schläuchen ausgestattet. Für Elias Z’Rotz reicht das aber nicht. «Wir haben beobachtet, dass die Regenwürmer aus dem Boden kriechen, wenn wir im Herbst auf feuchten Boden noch Gülle ausbringen. Die Güllemenge ist wegen der streifenweisen Ablage lokal zu hoch konzentriert.» Deshalb wurde das Schleppschlauchgestänge schliesslich mit 80 Schläuchen ausgerüstet, um eine bessere Verteilung zu erreichen.
Hofdünger werden auf der Ferme du Château zu jeder Kultur gegeben. Entweder in Form von Gülle oder Mist. «In der Schule haben wir gelernt, den Mist unterzupflügen. Dort kann er aber nicht verrotten», merkt Elias Z’Rotz an. Im Direktsaatverfahren wird der Mist immer oberflächlich zur Kultur abgelegt.
Elias Z’Rotz bringt als Vergleich das Beispiel mit dem Holzpfahl. Entgegen vieler Annahmen verrottet ein Holzpfahl nicht an der Stelle im Boden, sondern im Übergangsbereich, dort, wo Sauerstoff hinkommt. Beim Mist sei es dasselbe Prinzip.

Mit Cultan-Düngung 15 Prozent Protein im Weizen
Nebst Hofdüngern setzt Familie Z’Rotz neu auch auf Cultan-Düngung. Dafür haben sie einen Occasion-Cultan-Injektor gekauft. Damit können sie Flüssigdünger in Form einer Ammoniumsulfatlösung direkt in den Boden injizieren. Die Cultan-Düngung hat Elias Z’Rotz bereits in allen Kulturen eingesetzt. Den grössten Erfolg sahen sie im Getreide. «Wir konnten beim Futterweizen im Extenso-Anbau einen Proteingehalt von 15,1 Prozent erreichen.» So hohe Gehalte hätten sie noch nie erreicht.
Auch beim Gras sei eine Steigerung des Energiegehaltes um bis zu 5 Prozent mehr MJ NEL möglich. Laut Elias Z’Rotz sind die Pflanzen durch die Depotdüngung via Cultan vitaler und können mehr Wasser speichern, weil die Wurzeln zum Depot hinwachsen müssen und somit das Wurzelwerk besser ausgebildet ist. Zudem bietet die Flüssig-Depotdüngung den Vorteil, dass die Nährstoffe vor der Sommertrockenheit ausgebracht werden können. Das reduziert Nährstoffverluste.
Mit dieser Strategie kann Familie Z’Rotz die Grunddüngung mittels Hofdünger und die Stickstoff-Ergänzungsdüngung mit Cultan abdecken.
Die vielen Beispiele zur Betriebsoptimierung zeigen: Qualität ist für Familie Z’Rotz zentral – vom Feld bis in den Stall und wieder zurück.
LN:
Betriebsspiegel der Familie Z’Rotz Peter und Christine Z’Rotz, Gorgier NE 77 ha Kulturen: Mais, Futterweizen, Gerste, Triticale, Hafer, Raps, Kunstwiese, Gründüngungen Tierbestand: 50 Milchkühe, 56 Muttersauen-, 240 Jager- und 480 Mastschweineplätze Weitere Betriebszweige: Lohnunternehmen mit Mähen, Quaderballenpressen und Cultan-Düngung, Photovoltaikanlage mit 100 kWh, Holzschnitzelheizung im Wärmeverbund mit 550 kWh Arbeitskräfte: Betriebsleiter Peter Z’Rotz, Roman, Elias und Stefan Z’Rotz, 1 Angestellter 80 Prozent, 1 Lernender www.ferme-du-chateau.ch

