Die Alpweiden verbuschen oder wachsen in einigen Landesteilen immer mehr zu. Einerseits hat dies mit der fehlenden Bestossung, wegen der vermehrten Wolfspräsenz, zu tun. Andererseits nehmen die Zwerghölzer wie Wacholder, Alpenrosen oder sonstiges Gehölz vielerorts überhand.
Jährlich verbuscht so eine Sömmerungsfläche von rund 2400 ha in der Schweiz – das ist die Grösse des Walensees. «Unsere Vorfahren haben die Flächen noch abgebrannt», sagt ein Schafhalter aus dem Wallis. Das Abbrennen von Flächen, gegen allerhand Zwerghölzer, ist in der Schweiz verboten. Die Luftreinhalteverordnung (LRV) verbietet das grundsätzlich. Es schadet der Tier- und Pflanzenwelt, heisst es im Gesetz.

Wird sich in Zukunft nichts ändern
Ein Forschungsprojekt, bei dem ein kontrolliertes Abbrennen von verbuschten Alpweiden im Wallis ermöglicht wurde, gab ein anderes Resultat als erwartet.
Das Forschungsprojekt startete in den Jahren 2018/19 und kostete rund 300 000 Franken. Am 17. Juni 2026 wurde der Schlussbericht nun den Medien in Zermatt vorgestellt. Im Forschungsprojekt wurden neun Brennflächen mit einer Gesamtgrösse von knapp fünf Hektaren und unterschiedlichen Standortfaktoren auf Alpweiden im Gemeindegebiet Zermatt für den kontrollierten Feuereinsatz ausgewählt.
«Im Forschungsprojekt stellten wir fest, dass das kontrollierte Abrennen auf passenden Standorten und bei fachgerechter Durchführung funktioniert», sagt Hellen Willems, welche zusammen mit Cornel Weder, beide vom Büro Alpe, die Leitung des Forschungsprojektes inne hatte.
So sind der Einfluss und die Auswirkungen auf die Vegetation, Verbuschung, auf die Brutvögel und auf die Luftqualität viel weniger schlimm als angenommen. Obwohl der Schlussbericht zum Forschungsprojekt wichtige Daten liefern würde, verschwindet er in der Schublade der Bürokratie.
Auch am Verbot des Abbrennens von Flächen wird sich in Zukunft nichts ändern. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sollen lediglich als Diskussions- und Entscheidungsgrundlage für die Praxis in diesem Themenbereich dienen.
Die guten Gräser kommen zurück
Durch das Abrennen von verbuschten Alpweiden erhalten diese nicht nur ihre guten Gräser zurück, sondern die ganze Fauna und Flora würden davon profitieren. «In unserem Projekt hat auch der Natur- und Artenschutz durch ökologisch wertvolle Mosaike und Lebensräume für viele Pflanzen profitiert», sagt Helen Willens.
Auch die befürchtete Feinstaubbelastung lasse sich bei fachgerechter Durchführung mit passendem Brennwetter unter den gesetzlichen Grenzwerten halten. «Somit können wir eine positive Gesamtbilanz vom Projekt ziehen», so Willems.
Wurden die Flächen abgebrannt, wuchsen im darauffolgenden Jahr schon wieder die ersten guten Futtergräser und ‑kräuter nach. Dabei sei es wichtig, dass diese Flächen wieder mit Nutztieren bestossen werden.
«Ist dies nicht der Fall, dauert es nur ein paar Jahre und das Gebiet sieht praktisch wieder gleich aus wie vorher», sagt Helen Willems. In der Umgebung von Zermatt ist per se die Rinderhaltung in den letzten Jahren nicht zurückgegangen. Bei der Schafhaltung sieht man eine sinkende Tendenz. So gab es vor 20 Jahren in Zermatt noch 1000 Schafe, heute sei der Bestand auf 650 Stück geschrumpft.

Wieder seltene Vögel anzutreffen
Im Forschungsprojekt war auch die Vogelwarte einbezogen. Erkenntnisse vom Jahr 2003, als in Leuk ein grosser Waldbrand wütete. «In den ersten Jahren danach haben die seltenen Vogelarten, die man im Wallis eigentlich nicht mehr sah, wieder zugenommen», sagt Alain Jacot von der Vogelwarte. Erst nach sechs Jahren, als der Wald wieder zu wachsen begann, nahm die Vogelvielfalt wieder ab.
Gespannt war man auch, wie sich das Forschungsprojekt «Kontrolliertes Abbrennen von verbuschten Alpweiden» auf die Vogelwelt auswirkte. «Das Braunkehlchen, das Steinhuhn, der Baumpieper oder der Bergpieper sind in der Bergwelt heimisch. Sie akzeptieren eine Verbuschung von rund 30 % auf ihrem Gebiet», hält Jacot fest.
Sind aber keine freien Flächen mehr, finden die Vögel auch viel weniger Nahrung. «Daher ist ein Mosaik von einigen Zwergsträuchern, für den Schutz und die Brut, auf offenen Weideflächen die idealen Lebensbedingungen für die Vogelwelt», so der Spezialist.
Der Herbst ist der ideale Zeitpunkt
Damit ein kontrolliertes Abrennen von überbuschten Weideflächen erfolgreich ist und man der Tier- und Umwelt wenig «Schaden» zufügt, sind doch einige Punkte zu beachten: «Grundsätzlich ist das kontrollierte Brennen erst ab Oktober vorzunehmen», sagt Helen Willems. Ab dieser Zeit sei die Vegetation schon langsam in Ruhe und es gebe weniger Tierwelt, wie Insekten oder Käfer usw.
Gleichzeitig sollte aber auch vor dem definitiven Wintereinbruch gebrannt werden, zu einem Zeitpunkt, an dem ein noch ausreichend steiler Sonneneinstrahlungswinkel eine hangaufwärts gerichtete Thermik entstehen lassen kann. «Die Brennflächen werden generell am unteren Ende der Fläche entflammt. Und das Feuer wird mit der hangaufwärts gerichteten Thermik nach oben getragen», sagt die Projektleiterin.

