In den letzten Jahren herrschte bis Ende April meist schönes beständiges Wetter, so dass die frühen Gemüsekulturen bei idealen Bedingungen gesetzt und die Ackerkulturen gesät werden konnten, und in den frühen Lagen bereits der erste Grasschnitt eingefahren wurde. Dieses Jahr war alles anders, nichts für schwache Nerven.
Regenwetter wird zur Geduldsprobe
Der Regen stellte uns Landwirte auf die Geduldsprobe. Der tägliche Check von mindestens vier verschiedenen Wetter-Apps, jedoch jede Woche dasselbe: Sechs Tage Regen und am siebten Tag eine Sonne, die dann jeweils ständig nach hinten geschoben wurde. Ende April, noch keine Kartoffeln gesteckt, noch kein Korn Mais gesät, geschweige denn, das Gras siliert.
An Auffahrt, Mitte Mai, ein erstes kurzes Sonnenwochenende, jedoch sind die Böden meist zu nass. Auf den besten, durchlässigen Standorten sind erste Arbeiten möglich. Das Zeitfenster ist jedoch kurz.
«Die Stimmung ist am Boden, die Nerven angespannt. Der Dauerregen hat uns zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt erwischt.»
Peter Nüesch zum Rückstand bei den Pflanzarbeiten
Der Mais ist um diese Zeit schon mindestens 20 bis 30 Zentimeter hoch. Immer noch nicht gesät. Die Pflanzung der Kulturen drei bis vier Wochen im Verzug. Das Gras wird von Tag zu Tag älter, die Qualität schlechter, und frühe Gemüsekulturen sind teilweise bereits dem vielen Wasser zum Opfer gefallen.
Pfingsten bringt das langersehnte Heuwetter
Endlich vor Pfingsten dreht das Wetter, dabei zeigte sich überwiegend die Sonne und auch die Temperaturen machten einen grossen Satz nach oben. Noch ist unklar, wie lange das schöne Wetter anhalten wird. Wie erwartet, alle sind voller Motivation und Tatendrang an der Arbeit. In kürzester Zeit ist alles Gras siliert und es ist gheuet. Mit Erträgen, die noch nie so gross waren. Ja, die Qualität hat gelitten, aber ich bin zuversichtlich, dass die Futterqualität besser ist, als vermutet.
Der Mais konnte bei besten Bedingungen gesät werden, bereits nach vier Tagen sind die ersten Reihen sichtbar. Ja, er hat grossen zeitlichen Rückstand, aber er ist bereits mit grossem Tempo am Kompensieren. Auch wenn die Arbeitstage lang und Nächte kurz sind, überwiegt die positive Stimmung unter den Berufskollegen.
«Auch die Bevölkerung zeigt Verständnis, dass nun in der Schönwetterphase die ganze Zeit genutzt werden muss, sei es an Wochenenden und auch in den Nachtzeiten.»
Peter Nüesch schätzt das Verständnis der Bevölkerung
Es sind keine Reklamationen eingegangen. Herzlichen Dank fürs Verständnis.
Stolz auf unseren Berufsstand
Ich bin stolz auf unseren Berufsstand. Kaum jemand ist von der Witterung so abhängig, wie wir. Doch die Flexibilität, die Leidenschaft und der Fleiss, gepaart mit der heutige Landtechnik, machen die Landwirte zu schlagkräftigen Unternehmern. Gelegentlich wird der Landwirtschaft vorgeworfen, sie sei übermechanisiert. Genau diese Jahre zeigen, dass die Technik nötig ist, damit die Schönwetterphasen genutzt werden können, damit Saat und Ernte zügig erledigt werden können. Denn das Wetter ist nicht planbar.
Das unplanbare Wetter hält uns jedoch nicht ab, tagtäglich das Beste zu geben, um die Nahrungsmittel für unsere Bevölkerung zu produzieren. Sei es bei widrigsten Erntebedingungen für Gemüse, wie im April und Mai, oder bei besten Wetterbedingungen über Pfingsten, als ein Arbeitsrückstand von vier Wochen mit einem riesigen Einsatz innert weniger Tage und Nächte nachgeholt wurde.
Und nun hoffen wir bereits wieder auf ein wenig Regen und einen wüchsigen Sommer, so dass die Kulturen bis im Herbst noch einiges von ihrem Rückstand wett machen können.
Zum Autor
Peter Nüesch ist Präsident des St. Galler Bauernverbands. Er schreibt regelmässig für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.

