Vielerorts boten die Wetterbedingungen in diesem Anbaujahr bis Ende Frühling gute bis sehr gute Bedingungen für den Raps. Die anschliessend verbreitete Trockenphase konnte insbesondere auf flachgründigen Böden durch Wassermangel und die damit einhergehende reduzierte Nährstoffverfügbarkeit das Ertragspotenzial beeinträchtigen und die Ausbildung der Schotendecke reduzieren. Nun gilt es, nach all den Pflegeaufwänden das bestmögliche Ertragspotenzial in den Dreschtank zu bringen.
Grössere Ausfälle durch Gummischoten als durch aufgeplatzte Schoten
Hierfür ist, wo die Trockenheit nicht bereits eine Notreife einleitete, vor allem Geduld gefragt. Denn die Dreschverluste durch Gummischoten, welche nicht ausgedroschen werden, sind meist deutlich höher als die Ausfallverluste der ersten aufplatzenden Schoten im oberen Bereich der Schotendecke. Späte Druschtermine im Raps lassen sich grundsätzlich wie folgt begründen:
- Zuchtfortschritt bei Platzfestigkeit der Schoten
- Zuchtfortschritt bei Verzweigung/Schotenansatz führt zu dichterer Schotendecke, was wiederum die Abreife der unteren Schoten verzögert
- geringere Bestandesdichten führen zu länger grünen, saftführenden Stängeln
Die Erntereife im Feld abschätzen
Im Feld gibt es zwei einfache Anhaltspunkte, um die Erntereife einschätzen zu können. Einerseits liefert eine grau-schwarze Färbung der Schoten einen Hinweis auf die Druschreife. Zudem sollte der überwiegende Teil der Schoten mühelos aufplatzen, wenn man sie zwischen Daumen und Zeigefinger rollt. Ist dies nicht der Fall, werden diese «Gummischoten» auch vom Drescher schlecht aufgeschlossen und landen als Druschverluste wieder auf dem Stoppelfeld.
Stroh gut verteilen, um N‑Blockaden zu vermeiden
Ein gutes Stoppelmanagement beginnt bereits beim Drusch. Falls das Rapsstroh nicht abgeführt werden soll, ist eine gleichmässige Strohverteilung beim Drusch wichtig. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Strohansammlungen zu N-Blockaden im Boden führen. Eine saubere Druscharbeit ermöglicht zudem, die Menge an Ausfallsamen zu minimieren, was die anschliessende Stoppelbearbeitung vereinfacht.
Auch unter perfekten Druschbedingungen sind Ausfallmengen von 50 kg/ha nur schwer zu unterbieten. Das entspricht – im Idealfall – der 30- bis 50-fachen Norm-Saatstärke! Diesen Ausfallraps gilt es im Griff zu haben. Dabei gibt es mehrere Aspekte, die bei der Auswahl der Stoppelbearbeitungs-Strategie berücksichtigt werden sollten:
- Bodenfeuchte/Wetteraussichten: Ist eine Massnahme zur Sicherstellung des Bodenschlusses des Ausfallrapses nötig, um die Keimung in trockenen Zeiten zu fördern? Walzen, der Strohstriegel oder ein tiefer Mulchdurchgang kommen dazu infrage.
- Ist eine chemische Bekämpfung von Problemunkräutern auf dem Stoppelfeld nötig? – In diesem Fall kann unter Umständen auf eine mechanische Stoppelbearbeitung verzichtet werden, wenn der Ausfallraps zusammen mit den Problemunkräutern erfasst werden kann.
- Kann ich die Nützlinge (Schlupfwespen u. a. der Gattungen Tersilochus spp. oder Trichomalus spp.) schonen, die u. a. den Rapserdfloh und den Rapsglanzkäfer parasitieren? Diese Nützlinge verpuppen sich nach der Rapsblüte im Boden des Rapsfeldes. Damit die Nützlinge ihren Lebenszyklus abschliessen und im neuen Raps-Anbaujahr wirken können, müssen die verpuppten Schlupfwespen im Boden des Stoppelfeldes geschont werden. Hierfür ist zumindest auf einem Teil der Parzelle auf eine Bodenbearbeitung zu verzichten und die Folgekultur in Direktsaat anzubauen.
Wenn Sie für sich die obigen Fragen beantworten, werden Sie die für Ihre Situation passende Strategie zur Stoppelbearbeitung eruieren können. Beachten Sie im Anschluss folgende allgemeingültige Grundsätze der Feldhygiene nach Raps:
- Keine tiefen Bodenbearbeitungsgänge, um keinen Ausfallraps in die Fruchtfolge zu verschleppen (Samen über 10 Jahre keimfähig)
- Schneckenaufkommen im Hinblick auf die Folgekultur berücksichtigen, speziell in feuchten Perioden und auf Flächen mit stockendem Abbau der organischen Substanz
- Finale Vernichtung des Ausfallrapses bis spätestens Mitte August sicherstellen, um die Übertragung von Krankheitserregern und Schädlingen auf die Neuansaaten zu minimieren

