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Neue Sorten: Holl-Raps holt ertraglich auf

Die neue Sorte V350OL hält mit den klassischen Sorten mit. Dies haben Versuche des Forum Ackerbau ergeben.

Trotz der anhaltenden Trockenheit und der späten Fröste in diesem Frühling, durften sich die Rapsbauern über erfreulich hohe Rapserträge von zum Teil über 50 dt/ha freuen. Doch diese Spitzenresultate vermögen nicht über die Tatsache hinwegzutäuschen, dass es aufgrund von übermässiger Verunkrautung oder massivem Schädlingsbefall auch Felder mit sehr schwachen Erträgen gab und einige Parzellen sogar vor der Ernte gemulcht werden mussten.

Im Rapssortenversuch des Forum Ackerbau wurde 2019 / 2020 das Ertragspotenzial von neuen mit bewährten Rapssorten bei einem Einsatz von einem bis zwei Fungiziden verglichen. In die Auswertung flossen die Resultate der Standorte Schaffhausen (Charlottenfels), Lindau ZH (Strickhof) und Zollikofen BE (Rütti) mit ein.

Ungleicher Schädlingsdruck

Da der Schädlingsdruck häufig regional sehr unterschiedlich ausfällt, ist und bleibt es unabdingbar, die Bekämpfungsschwelle im eigenen Feld zu kontrollieren. Der Erdflohdruck am Standort Schaffhausen war im Herbst 2019 so gross, dass nach der ersten Behandlung die Bekämpfungsschwelle fast ein zweites Mal erreicht wurde – auf eine zweite Behandlung wurde hingegen verzichtet. Am Standort Zollikofen war der Druck hingegen wesentlich kleiner. Obwohl im Frühling auf vielen Praxisparzellen eine Stängelrüsslerbehandlung notwendig war, konnte an den Versuchsstandorten darauf verzichtet werden. Auf den meisten Rapsfeldern war nur eine Glanzkäferbehandlung nötig.

Ansprechende Rapserträge 2020

Der durchschnittliche Ertrag über sechs Sorten (siehe Grafik) und drei Versuchsstandorte betrug in diesem Jahr im Verfahren mit Fungizid ansprechende 45,8 dt/ha (2019: 40,9 dt/ha). Dabei unterschieden sich die Erträge der verschiedenen Standorte klar. In Lindau wurden durchschnittlich stolze 51,5 dt/ha gedroschen. In Schaffhausen und in Zollikofen fielen die Erträge mit rund 43 dt/ha etwas bescheidener aus. Sehr auffällig waren in diesem Jahr die zum Teil grossen Differenzen zwischen den Verfahren mit und ohne Fungizideinsatz.

Die Sorte Leopard erreichte 2020 den höchsten Ertrag aller Sorten. Die neue Holl-Rapssorte V350OL vermochte in diesem Jahr mit Trezzor und DK Exlibris mitzuhalten. Für Tempo fehlen die Angaben für das vergangene Jahr. (Grafik BauZ/Quelle Forum Ackerbau)
Die Sorte Leopard erreichte 2020 den höchsten Ertrag aller Sorten. Die neue Holl-Rapssorte V350OL vermochte in diesem Jahr mit Trezzor und DK Exlibris mitzuhalten. Für Tempo fehlen die Angaben für das vergangene Jahr. (Grafik BauZ/Quelle Forum Ackerbau)

Die Sorte Leopard erreichte 2020 den höchsten Ertrag aller Sorten. Die neue Holl-Rapssorte V350OL vermochte in diesem Jahr mit Trezzor und DK Exlibris mitzuhalten. Für Tempo fehlen die Angaben für das vergangene Jahr. (Grafik BauZ/Quelle Forum Ackerbau)

Dabei liefert der Krankheitsbefall, der in diesem Jahr eher tief war, keine überzeugende Erklärung. Der häufig sichtbare Befall durch Kohlschotengallmücken und Schotenrüssler, der zu frühzeitig gelben, verdickten Schoten führt, scheint kaum Einfluss auf den Ertrag gehabt zu haben. Der Befall beschränkt sich vor allem auf die Randreihen und es gibt deshalb nur selten grössere Ertragsverluste von bis zu 10 %. Bei den zweijährigen Resultaten der klassischen Sorten (DK Exlibris, Trezzor und Leopard) fällt auf, dass ihre Erträge mit rund 44 dt/ha sehr nahe beisammen liegen.

Neue Sorte Tempo hält mit

Nachdem die Sorte Leopard 2019 noch hinter Trezzor und DK Exlibris lag, erreichte sie 2020 den höchsten Ertrag aller Sorten. Die neu auf der Liste der empfohlenen Winterrapssorten für die Ernte 2021 eingetragene Sorte Tempo konnte nicht mit den bisherigen Sorten mithalten und bestätigte somit das sehr hohe Ertragsniveau, das sie in den Versuchen der Forschungsanstalt Agroscope gezeigt hatte (noch) nicht.

Tempo mit TuYV-Toleranz

Die Sorte Tempo ist neu auf der Liste der empfohlenen Winterrapssorten für die Ernte 2021. Sie ist die erste Sorte auf der Liste, die tolerant gegen das sogenannte Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV bzw. Turnip yellows virus) ist.

Symptome des Virus

Dieses Virus befällt die Pflanzen bereits im Herbst. Die Blattränder und –spitzen der befallenen Pflanzen verfärben sich bei Befall violett. Im Frühling verstärken sich die Symptome häufig noch. Es wird vermutet, dass Staunässe, Bodenverdichtungen und Nährstoffmangel die Symptome verstärken. Eine Infektion kann auch deshalb nur mit einem Labortest sicher nachgewiesen werden.

Wirtschaftlicher Schaden

Neben den Blattverfärbungen sind die Pflanzen zusätzlich in ihrem Wuchs gehemmt (kleinere Blätter, geringere Wuchshöhe, weniger Triebe). Das führt zu einer verminderten Anzahl Samen pro Schote und reduziert den Ölgehalt.

Die Angaben aus dem Ausland zu den wirtschaftlichen Schäden sind sehr unterschiedlich. Dieser wird bei einem vollständigen Befall auf bis zu 45 %
geschätzt. 

Holl-Raps ist wirtschaftlich

Leider kann in diesem Jahr die Nachfrage nach Schweizer Raps zum wiederholten Mal nicht ganz gedeckt werden. Auch die 106'000 Tonnen Vertragsmenge – davon rund ein Drittel Holl-Raps – die gemäss Rahmenvereinbarung zwischen den Schweizer Ölmühlen und den Ölsaatenproduzenten für die Ernte 2021 möglich wären, konnten bisher noch nicht vollständig vergeben werden.

Lange Zeit war es so, dass Holl-Rapssorten ertraglich schlechter abschnitten als die klassischen Sorten. Die Versuchsresultate des Forum Ackerbau von diesem Jahr bestätigen diesen Eindruck hingegen nicht. So vermochte insbesondere die neu in die Sortenliste eingetragene Sorte V350OL mit Trezzor und DK Exlibris mitzuhalten. Dies ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil für Holl-Raps ein Mehrpreis von fünf Franken pro Dezitonne bezahlt wird.

Eigenschaften der Sorten für die Ernte 2021

Tempo: 2020 neu auf der LES (Liste der empfohlenen Rapssorten). Sehr hohes Ertragspotential über mehrere Versuchsjahre (Agroscope). Blüht mittelspät und somit am späteste aller Sorten. Dennoch ist sie frühreif bei der Ernte. Sehr gute Standfestigkeit. Muss sich in der Praxis noch bewähren.

DK Exlibris: Seit 2019 auf der LES. Sehr hohes Ertragspotential. Blüht früh wie Avatar und somit früher als die meisten Sorten. Frühreif. Standfestigkeit weniger gut als die restlichen Sorten. Nicht zu dicht säen!

Trezzor: Seit 2018 auf der LES. Hohes Ertragspotential. Mittelfrüh bei der Blüte und bei der Ernte. Gute Standfestigkeit. Hoher Ölgehalt. Sehr gute Standfestigkeit.

Leopard: Seit 2018 auf der LES. Hohes bis sehr hohes (Forum Ackerbau) Ertragspotential. Mittelfrüher Blühbeginn hingegen frühreif bei der Ernte. Sehr gute Standfestigkeit. Hoher Ölgehalt.

V350OL: 2020 neu auf der LES. HOLL-Rapssorte für den Vertragsanbau. Sie bietet eine Alternative zu der bisher einzigen HOLL-Rapssorten V316OL. Mittelfrüh bei Blüte und Ernte. Sehr gute Standfestigkeit. Ertragsniveau höher als V326OL. Ertragsniveau gemäss Agroscope unter dem der neuen Sorten Mehrpreis von fünf Franken pro Dezitonne.

V316OL: Seit 2014 auf der LES. HOLL-Rapssorte für den Vertragsanbau. Mittelfrüh bei Blüte und Ernte. Sehr gute Standfestigkeit. Ertragsniveau gemäss Agroscope unter dem der neuen Sorten. Mehrpreis von fünf Franken pro Dezitonne.

Croozer: Diese Sorte ist kohlhernietolerant und sollte ausschliesslich auf Risikostandorten (tiefer Boden-pH, enge Rapsfruchtfolgen, Kreuzblütler als Unkraut oder Zwischenkulturen) eingesetzt werden.

Nicht mehr auf der Liste der empfohlenen Winterrapssorten 2021

Avatar, Attletick, Kicker. Diese Sorten können aber weiterhin angebaut und vermarktet werden!

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