Die Verbreitung des Problemunkrauts Erdmandelgras nimmt in Liechtenstein zu. Gab es vor zehn Jahren nur wenige Herde, sind es mittlerweile einige Standorte mit grossflächigem Auftreten. Die Befallssituation innerhalb des Landes ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von einzelnen Pflanzen bis zum Totalbefall.
Mässiger Erfolg mit Schweinen
Biobauer Georg Frick ist einer der Betroffenen. 2019 startete auf seinem Betrieb ein Pilotversuch zur Bekämpfung des Problemunkrautes mit Bioschweinen. Betreut wurde der Versuch von der Bioberatung Liechtenstein. Die Schweine sollten durch ihre Wühltätigkeit die Mandeln an die Oberfläche holen und fressen.
Nach dem zweiten Mastdurchgang 2020 wurden nun die ersten Erkenntnisse aus dem Versuch gezogen. «Schweine als alleinige Bekämpfungsmassnahme reichen nicht aus, um das Erdmandelgras zu bekämpfen», sagt Florian Bernardi von der Bioberatung Liechtenstein. Vielmehr brauche es einen Mix aus Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und zusätzlichen Massnahmen.
Agroscope mit im Boot
Anfang 2021 wurde in Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Agroscope ein Konzept zur Erdmandelgras-Bekämpfung in Liechtenstein erarbeitet. Dieses bildet die Grundlage für eine Verordnung über verschiedene Massnahmen. Im Konzept sollen Meldepflicht, Kartierung und Bekämpfungsmassnahmen geregelt werden. Dazu zählen zum Beispiel maschinelle Ausgrabung, Schwarzbrache, Bewirtschaftungsanpassung und intensive Grünlandnutzung.
Versuche von Agroscope hatten gezeigt, dass eine Schwarzbrache mit wiederholter Bodenbearbeitung die Knöllchendichte im Boden deutlich reduziert. Allerdings gebe es noch viele offene Fragen, heisst esbei Agroscope. Zum Beispiel bei der Wahl des Bodenbearbeitungsgerätes, der Bearbeitungstiefe, der Bearbeitungshäufigkeit sowie der Auswahl und Ansaat einer geeigneten Zwischenfrucht. In einem geplanten FiBL-Forschungsprojekt in Liechtenstein sollen dazu die Grundlagen für die Bekämpfungsstrategie im Biolandbau entwickelt werden.
Chemiefreies Totalherbizid
Ende August 2021 wurde inZusammenarbeit mit der zur Fenaco gehörenden Firma Agroline und der Bioberatung Liechtenstein eine Pilot-Maschinendemonstration mit rund 30 Teil-nehmenden durchgeführt. Die vorgestellte Maschine Agxtend X-Power wirkt durch die Nutzung von elektrophysikalischer Technik als Totalherbizid und stellt eine potenzielle Alternative zu den bisherigen chemischen Herbiziden dar. Im Vergleich zu den bisherigen chemiefreien Varianten wie Heissdampf benötigtdas Elektroherbizid kein zusätzliches Wasser und weniger fossile Energie.
Leitbündel schwächen
Mit der Hilfe eines an den Traktor angebauten Generators wird Gleichstrom mit einer Spannung von bis zu 9000 Volt auf die Pflanzen appliziert. Der Strom zerstört dadurch die Leitbündel und die Pflanzen sterben ab. Je nach Bodenfeuchte kann der Strom auch in tiefere Bodenschichten eindringen und damit auchbeständige Wurzelunkräuter schwächen. Auf die Frage nach den Auswirkungen auf die Bodenlebewesen erklärt Lorenz Büchel von Agroline: «Studien zeigten, dass der Boden den Strom so verteilt, dass die Lebewesen nicht mehr Schaden nehmen als bei der mechanischen Bodenbearbeitung.»
Eine breite Anwendung finden Elektroherbizide derzeit noch nicht. «Zum einen ist sicherlich der Preis ein Hemmnis und zum anderen die Erfahrung, die auf diesem Gebiet noch fehlt», sagt Büchel. Je nach Verwendungszweck und Arbeitsbreite variiert der Preis im sechsstelligen Bereich. Zur Wirkung von Agxtend X-Power gegen Erdmandelgras hält der Pflanzenbauberater fest: «Die Technologie könnte ein Mosaikstein in einer zukünftigen Bekämpfungsstrategie darstellen, wenn alle Parameter für die Behandlung passen.» Die allumfassende Lösung des Erdmandelproblems sei sie aber nicht. Büchel wie auch Bernardi sind überzeugt, dass für eine nachhaltige Bekämpfung verschiedene Massnahmen miteinander kombiniert werden müssen. Nur dies führe langfristig zum Erfolg.

