Milder Herbst beschert zweite Erdbeerernte – Müllers Freude hält sich in Grenzen

In Solothurn gab es ungeplant zur Chabishoblete heuer frische Erdbeeren. Produzent Niklaus Müller beschäftigt, wie die Pflanzen dadurch im kommenden Frühling aussehen werden.

Niklaus Müller kniet vor seinen Erdbeerstauden und bepinselt die kleinen, noch grünen Früchte mit roter Farbe. Dabei ist das gar nicht nötig, denn Müllers in Bibern SO konnten bereits Erdbeeren ernten – ungeplant im Oktober.

Das Facebook-Video mit der Mal-Aktion im Erdbeerfeld ist die Reaktion des Bio-Landwirts auf einen Artikel in der «Solothurner Zeitung». Darin war zu lesen, Müllers hätten immertragende Ganzjahressorten. Das erste Video, in dem Niklaus Müllers Vater Hans-Ulrich Müller die frischen Erdbeeren als Kuriosität des Betriebs präsentiert, sei bloss geschicktes Marketing. «Schön wär’s», stellt Niklaus Müller klar.

Zu früh zurückgeschnitten

Der Solothurner hat beschränkte Freude an der unverhofften Erdbeerernte. «Ich baue die Erdbeeren zweijährig an und schneide sie jeweils im August zurück», schildert er. Dieses Jahr war er mit dieser Arbeit wohl zu früh dran. «Ich dachte, es würde dann bald mal Herbst und Winter», erklärt er.

Stattdessen ist es noch Mitte Oktober sonnig, trocken und warm mit bis zu 20 Grad. Die Stauden haben ausgeschlagen, und statt dass sie mit gut entwickelten Blütenanlagen in die Winterruhe gegangen wären, reiften die Erdbeeren heran.

«Dass wir die Pflanzen wegen der Trockenheit noch bewässert haben, hat sicher geholfen», ergänzt Niklaus Müller. So gab es an der traditionellen Chabishoblete in Bibern kürzlich neben der Möglichkeit, eigenes Sauerkraut herzustellen, herbstlicher Kürbissuppe und Schweinswürsten eben auch Erdbeeren frisch vom Feld.

Der Tau lässt die Beeren schnell faulen

Der Verkauf ist für Niklaus Müller eher mühsam – zumal der morgendliche Tau die zarten Früchte schnell faulen lässt. «Im Frühling haben wir deswegen Folien, aber die sind jetzt bereits abgeräumt und uns fehlt saisonbedingt das Personal, um wieder Folien zu verlegen», gibt er zu bedenken. Wahrscheinlich würde sich der Aufwand auch gar nicht rechnen.

Ausserdem beschäftigt den Bio-Landwirt, welche Folgen die Fruchtbildung im Oktober auf seine Erdbeerernte im nächsten Jahr haben wird. «Es sind schon viele Pflanzen, die jetzt reife Beeren tragen», meint Niklaus Müller. «Wahrscheinlich ist es etwa die Hälfte des Ertrags im Frühling.» Somit könnte ihm eine grössere Menge zur Hauptvermarktungszeit fehlen. Und die Lust auf Erdbeeren dürfte zwischen Morgennebel und Herbstlaub nicht überragend sein.

Niklaus Müller baut Erdbeeren in Tunneln an und hat mit kühlerem Herbstwetter gerechnet. (Bild: Privat)

Aus betrieblichen Gründen zweijähriger Anbau

Es sei immer schwierig, den richtigen Zeitpunkt fürs Zurückschneiden zu erwischen, räumt der Solothurner ein. «Ist es zu früh, treiben die Stauden stark aus. Bin ich zu spät dran, gehen die Pflanzen schwach und mit zu wenig entwickelten Blütenanlagen in den Winter.» 

Seine Überlegung, statt wie im Profi-Anbau üblich nicht jedes Jahr neue Pflanzen zu verwenden, hat mit den betrieblichen Voraussetzungen zu tun: Die Erdbeeren wachsen bei Müllers in einem Folientunnel mit Tröpfchenbewässerung.

Mit dem zweijährigen Anbau lässt sich der Aufwand dafür länger amortisieren. «Ausserdem ist das Bio-Pflanzgut teuer», ergänzt Niklaus Müller. Allenfalls sind die überwinterten Erdbeeren früher erntereif. Die kleineren Früchte nimmt Müller in Kauf, auch wenn dadurch die Ernteleistung etwa 20 Prozent tiefer liegt.

Familie Müller hat nicht vor, künftig regelmässig so spät noch Erdbeeren anzubieten. Der richtige Zeitpunkt fürs Zurückschneiden der zweijährigen Stauden bleibt aber schwierig. Denn wer weiss, wie das Herbstwetter 2027 aussehen wird. Immerhin hatten Vater und Sohn Spass beim Videodreh mit Farbe und Pinsel im Erdbeerfeld.

Nachfrage auch im Herbst vorhanden

Die hiesige Erdbeersaison dauert gemäss Schweizer Obstverband (SOV) von April bis Oktober. «Im Herbst werden sowohl Erdbeeren von Terminkulturen als auch von remontierenden Sorten geerntet», gibt Sandro Rüegg Auskunft, Fachmitarbeiter Marketing/Kommunikation beim SOV.

Während Terminkulturen einmal zu einem bestimmten Zeitpunkt Erdbeeren liefern, reifen die Früchte an remontierenden Sorten mehrmals pro Jahr. «Die Nachfrage ist im Herbst sicherlich tiefer», sagt Rüegg, «aber sie ist weiterhin vorhanden.» Es gebe durchaus Betriebe, die sich auf eine möglichst lange Belieferung mit Schweizer Erdbeeren ausrichteten.

Unabhängig davon hat sich die hiesige Produktionsphase dank professionalisiertem Anbau sowie wärmerem Klima deutlich verlängert. Daher setzt sich der SOV dafür ein, dass der Grenzschutz entsprechend angepasst wird.

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