Unterschiedliche Meinungen
Ein Landwirt aus dem Rheintal hat seine Meinung über die verhängten Auflagen und die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers dargestellt. Die Expert(inn)en aus den Kantonen St. Gallen und Zürich widersprechen dieser Meinung. Die Überlebenschancen der Maiswurzelbohrer lassen sich nicht durch das Mulchen der Maisstängel reduzieren.
Im Herbst fliegen die erwachsenen Maiswurzelbohrerkäfer weite Distanzen, um geeignete Parzellen zu finden, wo sie ihre Eier ablegen können. In der Regel sind das noch bestehende oder bereits abgeerntete Maisfelder. Werden über die vom Kanton aufgestellten und überwachten Fallen Maiswurzelbohrer gefangen, wird deswegen um die Falle herum ein 10 km Radius gezogen. In diesem
10 km Radius ist im Folgejahr, auf Parzellen auf denen im Fangjahr Mais stand, ein Fruchtwechsel zwingend. Es darf also kein Mais folgen.
Massnahmen stehen im engen Zusammenhang mit dem Lebenszyklus des Maiswurzelbohrers
Die Wirksamkeit dieser Vorschriften stehen in engem Zusammenhang mit dem Lebenszyklus des Maiswurzelbohrers. Die Käfer legen im Herbst ihre Eier in den Boden. In dieser Form überwintert der Schädling und schlüpft erst im Frühsommer.
Wird im Mai ein Fruchtwechsel umgesetzt, folgt also kein Mais, verhungern die Larven, da sie sich nur von Maiswurzeln ernähren können. Ausserdem bewegen sie sich nur ein bis zwei Meter weit fort, weswegen sie auch für benachbarte Maiskulturen keine Gefahr darstellen. Wird hingegen die Fruchtfolge nicht eingehalten und es folgt Mais auf Mais, kann eine neue Maiswurzelbohrergeneration entstehen. Anbaupausen sind aus diesem Grund, auch weltweit, die grundlegende Massnahme, um den Maiswurzelbohrer unter Kontrolle zu bringen.
Maiswurzelbohrer nicht mit dem Maiszünsler verwechseln
Aber Achtung, eine Verwechslung mit dem altbekannten Maiszünsler sollte verhindert werden. Dieser ist in unseren Breitengraden längst weit verbreitet. Er weist jedoch einen völlig anderen Lebenszyklus als der Maiswurzelbohrer auf, weshalb er auch anders bekämpft wird. Der Maiszünsler überwintert als Larve in den oberirdischen Maisstoppeln und nicht wie der Maiswurzelbohrer als Ei im Boden. Deshalb kann der Zünsler durch Zerstören der Stoppeln (Mulchen oder Pflügen bis Ende April) sehr gut bekämpft werden.
Dies trifft auf den Maiswurzelbohrer leider nicht zu, da er sich gar nie oberirdisch in den Maisstoppeln aufhält. Die Situation in der Schweiz ist seit Jahren unverändert.
In den nächsten Jahren mehr Maiswurzelbohrer in der Schweiz
Im Tessin gilt das Mais- auf-Mais-Anbauverbot bereits seit dem Jahr 2004. Auch in vielen Kantonen auf der Alpennordseite wurden in diesem Jahr Maiswurzelbohrer gefangen. Im Kanton Zürich sind mit 132 Gemeinden rund 80 % der Gemeinden vom Anbauverbot betroffen. Auch das St. Galler Rheintal treffen die Einschränkungen bereits zum zweiten Mal. Dies ist keinesfalls überraschend, aus Vorarlberg werden bereits seit 2015 zunehmende Fallenfänge gemeldet.
Es ist also damit zu rechnen, dass auch in den nächsten Jahren vermehrt Maiswurzelbohrer auftreten und gefangen werden.
Luzerner Pilotprojekt testet Strategiewechsel
Um den Landwirten entgegen zu kommen, die auf einen hohen Maisanteil in der Fruchtfolge angewiesen sind, wird im Kanton Luzern in einem 6-jährigen Pilotprojekt getestet, ob sich die Maiswurzelbohrerpopulation auch aufbauen kann, wenn zweimal Mais mit anschliessender mindestens zweijährigen Maispause folgen.
Nach Ablauf des Projekts wird entschieden, ob für die Schweiz diese Variante in Frage kommt. Vorerst muss man sich aber mit dem Maiswurzelbohrer arrangieren und die Fruchtfolge am besten für die nächsten paar Jahre anpassen.

