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Keimhemmung: Ruhe in den Paloxen auch ohne Chlorpropham

Ohne den Keimhemmer CIPC ist lange Lagerung zwar teurer, aber weiterhin praktikabel. Es werden verschiedene Alternativen eingesetzt, für Direktvermarkter, Hoflager oder zum Wiederaustrieb neigende Sorten eigne sich Maleinsäure.

Die beeindruckende Mauer aus Holzpaloxen um die Terralog AG in Rüdtligen-Alchenflüh BE ist sichtlich geschrumpft – die Kartoffelernte läuft und die Paloxen sind im Einsatz. Es werden auch die Kühlzellen gefüllt, in denen die frischen Knollen bis im Juni des nächsten Jahres bleiben. Einen Qualitätsverlust zu verhindern, ist seit drei Jahren mit zusätzlichem Aufwand verbunden: Damals hat das bewährte Keimhemmungsmittel Chlorpropham (CIPC) die Zulassung verloren.

Verhindern oder abbrechen

«Wir haben den Wegfall gut kompensiert», sagt Marc Hämmerli, Bereichsleiter Betrieb bei der Terralog. Statt CIPC setzt das Unternehmen Biox-M (Grüne-Minze-Öl) und Dormir (Dimethylnaphthalin) ein. Beide werden durch Heissvernebelung in der Kühlzelle verteilt. Während Biox-M primär bestehende Keime abbrennt, enthält Dormir den Wirkstoff, der Kartoffeln in Keimruhe versetzt bzw. die Knollen darin hält. «Das nutzen wir für Industriekartoffeln», führt Hämmerli aus. Bei Speisekartoffeln wird mit dem Konzept Restrain Ethanol verdampft, das austretende Ethylen ist ein als Reifegas bekanntes Pflanzenhormon. Es lässt Keime glasig werden und sie bei Manipulation der Knollen abbrechen.

Früher stand mit CIPC ein Mittel für alle Kartoffelkategorien zur Verfügung, das ausserdem wirksamer war als die heute verfügbaren Alternativen. «Wir können die Qualität der Lagerkartoffeln halten», versichert Marc Hämmerli. Der Aufwand habe sich aber etwa vervierfacht und die Kosten sind gestiegen, zuletzt auch noch wegen hoher Energiepreise. «Die steigenden Energie- und Lagerkosten sind schwer weiter zu verrechnen», bemerkt der Fachmann. Die Qualität zu halten, sei aber angesichts der Marktansprüche ein Muss. Neben Keimhemmern spiele allerdings vor allem eine gute Lüftung und die Klimatisierung der Kühlzellen eine Rolle – sowie unbeschädigte und gesunde Knollen vom Feld.

Vier Monate ohne Mittel

Der Wiggerhof in Altishofen LU hält ebenfalls Kartoffellager, setzt für die Konservierung aber ausschliesslich auf kühle Temperaturen. «Die Speiseware lagert bei 4 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit, damit die Knollen nicht schrumpeln», erläutert Betriebsleiterin Susanne Betscher. Allerdings bleiben die Kartoffeln lediglich vier Monate auf dem Wiggerhof, bevor sie mehrheitlich als Speisekartoffeln in der Migros Luzern in die Verkaufsregale kommen. So kann auf Keimhemmungsmittel verzichtet werden. «Voraussetzung ist aber eine gute Ernte und ein sorgfältiger Umgang mit den Kartoffeln», ergänzt Betscher. Ab Februar beginnen die Knollen auch im Kühllager erste Keime zu bilden, die sich aber einfach abbürsten lassen. «Da sind die Kartoffeln noch absolut in Ordnung», betont die Landwirtin. Die längere Lagerung überlässt sie der Terralog als Abnehmerin.

Neben Biox-M, Dormir und Restrain gibt es mit Maleinsäure-Hydrazid ein weiteres Keimhemmungsmittel auf dem Markt. Im Gegensatz zu den drei anderen wird es allerdings auf die grünen Stauden bereits im Feld appliziert. «Es hemmt die Zellbildung in der Knolle», erklärt Thomas Kämpfer, Pflanzenbauberater bei Agroline. Daher müssen sie beim Ausbringen der Maleinsäure bereits eine gewisse Grösse haben.

Schwierige Anwendung

«Bei kleinfallenden Sorten empfehlen wir etwa 30 bis 40 mm, bei grossfallenden 35 bis 50 mm», so Kämpfer. In diesem Stadium beschränkt sich das weitere Wachstum der Kartoffeln unter der Erde auf die Zellstreckung, die nicht von der Maleinsäure beeinträchtigt wird. Damit der Wirkstoff in möglichst grosser Menge in die Knollen kommt, sollte es beim Applizieren nicht über 25 Grad warm, aber sehr wüchsig sein und innert 24 Stunden trocken bleiben. «Diese Voraussetzungen machen die Anwendung von Maleinsäure schwierig», fasst Kämpfer zusammen.

In Europa etabliert

Agroline empfiehlt das Mittel insbesondere für Direktvermarkter, Hoflager oder Sorten, die zu Wiederaustrieb neigen wie zum Beispiel Agria. Dank Maleinsäure seien die Kartoffeln je nach Sorte bis etwa im Februar in einem guten Lager haltbar. «Bis im Mai reicht es allerdings nicht», schränkt Thomas Kämpfer ein. Der Einsatz der Maleinsäure ist gemäss Agroline in Europa zur Regel geworden und unterstütze alle anderen Massnahmen zur Keimverhütung deutlich.